Sicher unterwegs

Tipps vom Profi: Klettersteige mit Kindern

Tipps & Tricks • 30. Juli 2015
von Walter Zörer

An Fels und Seil mit Kindern sicher unterwegs. Bergwelten-Profi Walter Zörer erklärt, wie das geht und worauf man am Klettersteig besonders aufpassen muss.

Wer Wandern liebt und mit Klettern liebäugelt, der wählt gerne eine Mischung aus beidem: den Klettersteig. In einer „Via Ferrata“ verläuft die Route fix an einem Drahtseil, das auch zugleich Sicherung ist. Man darf den Anspruch allerdings nicht unterschätzen: Ein Sturz in einem Klettersteig ist meist schwerwiegender als beim Toprope-Klettern.

Klettersteig Kinder
Foto: Walter Zörer
Mit der richtigen Technik können auch die Kleinen auf den Klettersteig mit

Für Anfänger stellt sich die Frage, wie so ein Klettersteig eigentlich funktioniert. Einfach gesagt wird über eine Felswand ein Stahlseil gespannt, an dem man sich hochhangelt. Das Seil geht aber nicht kerzengerade hinauf, sondern wird in Kurven, Quergängen, um Ecken und über Überhänge geführt, damit die Strecke möglichst gut zu gehen und abwechslungsreich ist.
 
Um das Seil verankern zu können, werden zuerst Löcher in den Fels gebohrt, in die dicke Eisenstifte eingeklebt werden. Mit Hilfe dieser Stifte wird das Stahlseil fixiert, an dem man sich gegen Absturz sichert. Die meisten Seile sind 12 - 15 mm dick und lassen sich somit gut greifen.
 


Tipps vom Profi:

1. Die Ausrüstung 

Zur Grundausstattung gehören ein bequemer und gut sitzender Klettergurt, ein Steinschlaghelm und ein spezielles Klettersteigset. Dieses besteht aus einer Bremseinrichtung, einem Stück Bremsseil und einem Y-förmigen Seilende mit zwei Karabinern, mit welchen man sich am Stahlseil einhängt.
 
Ein selbstgebasteltes Set aus Bandschlingen oder Reepschnüren ohne genormte Bremse sollte man nie verwenden. Da die Kräfte im Falle eines Sturzes gerade auf Klettersteigen sehr hoch sein können, treten enorme Belastungen auf. Dieser Fangstoß kann nur durch eine spezielle Bremse reduziert werden. Bei einem Sturz in eine unelastische Bandschlinge kann diese reißen oder die Härte des Sturzes dem Körper schwerste Verletzungen zufügen.
 
Daher ist die oberste Regel: Klettersteiggehen nur mit den im Handel erhältlichen genormten Sets!

Als Schuhwerk sind leichte Bergschuhe meist ausreichend. Sie sollten aber an der Fußspitze und der Seite nach Möglichkeit Reibfläche haben, damit man damit nicht abrutscht.

Kind am Klettersteig
Foto: Walter Zörer
Die richtige Ausrüstung: Helm, Handschuhe und zur Sicherheit noch ein Kletterseil

2. Karabiner für Kinderhände 

Das Klettersteigset wird mit eigenen Karabinern geliefert, meist sind diese heute bereits fix eingenäht. Wenn die Kinderhände für das Bedienen eines Schiebeverschlusses noch zu klein sind, gibt es andere Modelle, die sich beim Loslassen automatisch verriegeln. Auf alle Fälle sollte man die Karabiner leicht bedienen können, schließlich muss man sie auf einer längeren Klettersteigtour mehr als hundert Mal auf- und zumachen!
 

3. Handschuhe schützen die Hände 

Da oftmals einzelne Drahtlitzen aus dem Stahlseil hervorstehen können, empfiehlt es sich, Klettersteighandschuhe zu tragen, um sich nicht am Seil zu verletzen. Zum Ausprobieren reichen aber auch Fahrrad-  oder Arbeitshandschuhe.
 

4. Die richtige Technik 

Klettersteige machen Spass und sind eigentlich leicht zu begehen. Es werden beide Karabiner des Y-Sets in das Stahlseil eingehängt und man klettert über die Sprossen, Leitern und Seile dahin. Sobald die Karabiner an einem Eisenstift anstehen, hängt sie der Kletterer einen nach dem anderen um. So gibt es keinen ungesicherten Moment und man hängt immer an mindestens einem Karabiner, beim Weiterklettern bereits wieder an zweien, doppelte Sicherheit also!
 
Kinder können ab etwa 8 Jahren ein Klettersteigset ganz gut selbständig bedienen, zusätzlich sichert man sie unbedingt mit einem Kletterseil. So sind sie sicher unterwegs und können doch eigenständig dahinklettern und das Abenteuer in der Vertikalen genießen.


Die besten Klettersteige mit Kindern

1. Jubiläumsklettersteig Lehner Wasserfall

Schwierigkeit: B / C (Variante D/E)

Toller Einsteigerklettersteig entlang des Lehnerwasserfalles. Die überhängende Schlüsselstelle (D/E) kann mit der Variante nach links leicht umgangen werden.
Abstieg über einen Waldsteig zurück zum Einstieg.

 

2. Klettersteig Stuibenfall

Schwierigkeit: A/B (Stellen C)
 
Imposanter Klettersteig entlang des größten Wasserfalls Tirols. Am Ausstieg spektakuläre Überquerung des tosenden Baches. Gut auch für Kinder geeignet. Abstieg über den guten Steig zum Einstieg.

Klettersteige • Tirol

Stuibenfall

Dauer
4:20 h
Anspruch
C schwierig
Länge
4,7 km
Aufstieg
415 hm
Abstieg
415 hm

3. Monte Colodri

Schwierigkeit: A (einzelne Stellen max. B)
 
Familienfreundlicher leichter Klettersteig bzw. versicherter Steig auf den „Hausberg“ Arcos, dem Monte Colodri. Der kurze Steig ist ideal für Familien und Einsteiger geeignet und bietet herrliche Ausblicke über das Sarcatal und den Gardasee.
Abstieg auf der Rückseite über Laghel und Castel nach Arco.

4. Via Ferrata Rio Sallagoni

Schwierigkeit: A (Stellen B/C)
 
Nördlich der Sportklettermetropole Arco führt durch eine enge Schlucht der Klettersteig von Dro hinauf zur Burg Drena. Der Steig durch die teilweise sehr enge Klamm und warte mit einigen sportlichen Querungen auf, bei denen unsere Kleinsten etwas Unterstützung benötigen. Die abenteuerliche und urwaldähnliche Umgebung der Schlucht versetzt die Begeher in eine eigene Welt. Besonders an heißen Tagen ist der Steig entlang des kühlen Bachs eine tolle Tour.

 

Klettersteige • Trentino-Südtirol

Rio Sallagoni

Dauer
2:00 h
Anspruch
A/B leicht
Länge
2,2 km
Aufstieg
201 hm
Abstieg
201 hm

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