
Pilgern auf dem Jakobsweg: Antworten auf die 12 häufigsten Fragen
Foto: AdobeStock/Armando Oliveira
von Werner Kräutler
Pilgern auf dem Jakobsweg boomt wie nie zuvor. Doch welche Route passt zu dir, wann ist die beste Reisezeit – und was gehört wirklich in den Rucksack? Pilger-Experte Werner Kräutler teilt seine Erfahrungen aus 25 Jahren und beantwortet die wichtigsten Fragen rund ums Pilgern nach Santiago de Compostela.
Inhalt
1. Welchen Jakobsweg soll ich gehen?
2. Brauche ich Sprachkenntnisse in Spanien, Portugal oder Frankreich?
3. In welchen Monaten ist eine Pilgerreise auf dem Jakobsweg empfehlenswert?
4. Was muss ich fürs Pilgern auf dem Jakobsweg einpacken?
5. Welche Wanderschuhe brauche ich für den Jakobsweg?
6. Wie orientiere ich mich auf den Jakobswegen in Spanien, Portugal und Frankreich?
7. Wie finde ich Pilgerherbergen und Unterkünfte am Jakobsweg?
8. Wie hoch sind die geschätzten Tageskosten am Jakobsweg?
9. Wie viel Verpflegung sollte ich mitnehmen?
10. Wieviel Tageskilometer sollte ich mir vornehmen?
1. Welchen Jakobsweg soll ich gehen?
Der Jakobsweg ist kein einzelner Pilgerpfad, sondern ein weit verzweigtes Netz aus Routen, das quer durch Europa führt. Es gibt mehrere Dutzend Hauptwege, die sich aus unterschiedlichen Ländern kommend in Richtung Spanien bündeln. Ihr gemeinsames Ziel ist meist die Kathedrale von Santiago de Compostela.
Zu den bekanntesten Strecken zählen
der Camino Francés, der durch das nordspanische Landesinnere führt,
der Camino Portugués in Portugal
der Camino del Norte, der an der nordspanischen Atlantikküste entlang führt,
die Via de la Plata, die von Sevilla in Nord-Süd-Richtung durch Spanien und – teils über Anschlussrouten – weiter bis nach Santiago de Compostela verläuft.
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Die Popularität des Jakobswegs und der einzelnen Routen ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen: Rund 530.000 Pilger erreichten im Jahr 2025 Santiago de Compostela – das sind rund siebenmal mehr Ankünfte als um die Jahrtausendwende. Der beliebteste Weg dorthin war zuletzt der Camino Francés, der bei 40 Prozent der Pilgerankünfte genannt wurde. Knapp dahinter, mit rund einem Drittel der Pilgerankünfte, liegt der Camino Portugués.
Einen guten Überblick über die Jakobswege in Europa bieten gleich zwei Websites:
Die detaillierten Etappeneinteilungen und Streckendaten der beiden Seiten werden durch Herbergslisten ergänzt. Diese führen alle Herbergen entlang einer Etappe auf.
Die Entscheidung über die Wegstrecke hängt sehr stark von der körperlichen Fitness eines Pilgers ab. Es sind vor allem die Höhenunterschiede, die das Pilgern mühsam machen. Deshalb spielt die Grundkondition eine wichtige Rolle.
Werners Tipp: Rund vier Wochen vor Beginn der Pilgerfahrt mit leichtem Training beginnen, das Steigungen und eine 20-km-Strecke umfasst. Dabei können neue Wanderschuhe eingetragen oder Wanderstöcke erprobt werden.
2. Brauche ich Sprachkenntnisse in Spanien, Portugal oder Frankreich?
Es ist immer von Vorteil, sich in der jeweiligen Landessprache unterhalten zu können. Mit Grundkenntnissen in Englisch kommt man vor allem auf den bekannteren Jakobswegen in allen drei Ländern weiter. In den ländlichen Gebieten Frankreichs und teilweise auch Spaniens empfiehlt es sich, die wichtigsten Phrasen zu erlernen, um sich verständigen zu können und vor allem, um Fragen zu formulieren.
3. In welchen Monaten ist eine Pilgerreise auf dem Jakobsweg empfehlenswert?
Wie die Ankunftsstatistiken in Santiago de Compostela (Galicien, Nordspanien) zeigen, sind die Monate Mai und Juni sowie der September jene mit der höchsten Frequenz auf den bekannten Jakobswegen, wie zum Beispiel dem Camino Francés. Kein Wunder, denn vor allem in Spanien gelten die Monate Juli und August als Hitzemonate, in denen die Temperatur locker die 40-Grad-Grenze übersteigen kann.
Werners Tipp: Ratsam ist es, an heißen Tagen eine Etappe bereits vor Sonnenaufgang zu starten.
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4. Was muss ich fürs Pilgern auf dem Jakobsweg einpacken?
In zahlreichen Pilger-Accounts in den sozialen Medien, vor allem auf Facebook, werden ausführliche Diskussionen über die Ausrüstung und das ideale Gewicht eines Pilgerrucksacks geführt. Demnach liegt das Idealgewicht eines Pilgerrucksacks bei etwa 8 kg. Dazu kommen noch das Trinkwasser und gegebenenfalls Essen. Die folgenden Vorschläge sind die Minimalausrüstung für eine Pilgerfahrt:
Reise- und Pilgerpass: Wer plant, in Pilgerherbergen abzusteigen, muss einen Pilgerpass, in Spanien fallweise auch den Reisepass, vorweisen. Verschiedene Jakobsgesellschaften stellen diese Pilgerausweise gegen ein kleines Entgelt aus. In diesen Pass werden die berühmten Herbergstempel eingetragen. Wer eine Pilgerurkunde erhalten möchte, muss den Pass in Santiago vorweisen. So kann belegt werden, dass mehr als 100 km auf einem Jakobsweg zurückgelegt wurden.
Schlafsack: Man sollte auf alle Fälle einen Schlafsack mitnehmen, denn in vielen Herbergen werden lediglich Leintücher und Kopfpolsterüberzüge ausgehändigt. Decken sind nicht in jeder Herberge vorhanden – und wenn doch, werden sie oft wochenlang nicht gewaschen. Eine Schaumstoffmatte ist für all jene Pilgerinnen und Pilger zu empfehlen, die ein Picknick im Freien planen.
Kleidung: Die Beschränkung auf jeweils zwei Stücke zieht eine wichtige Konsequenz nach sich: Die getragene Wäsche wird – mit Ausnahme der Hose – jeden Tag unmittelbar nach Ankunft in der Herberge gewaschen und zum Trocknen aufgehängt. Hin und wieder stehen in den Herbergen auch Waschmaschinen samt Waschpulver zur Verfügung.
2 T-Shirts
2 Hemden
2 Unterhosen
2 Paar Socken (jeweils Funktionskleidung)
1 kurze und 1 lange Hose sowie 1 Hut
Als Schlechtwetterkleidung empfiehlt sich eine leichte Plastikjacke und eine ebensolche Überhose.Wer das zusätzliche Gewicht nicht scheut, ist gut beraten, einen Taschenschirm mitzunehmen.

Körperpflegemittel:
Zahnpasta
Zahnbürste
Nassrasierer
Kamm
Feste Seife in einer Seifendose
Sonnenschutzcreme
Werners Tipp: Ich empfehle, ein echtes österreichisches Kulturgut mitzuführen: den unvergleichlichen Hirschtalg für die Fußpflege.
Reiseapotheke:
Blasenpflaster
Heftpflaster
antiseptischer Puder
Creme gegen Muskelprobleme aller Art
Flickzeug: 2 Nadeln, Zwirn, Einfädler
5. Welche Wanderschuhe brauche ich für den Jakobsweg?
Viele Pilgerstrecken führen über Kies- und Schotterwege. Deshalb ist es empfehlenswert, Schuhe mit etwas härterer Sohle zu wählen, um die Fußsohlen zu schonen. Neue Schuhe sollten unbedingt eingetragen werden, um üble Überraschungen am Weg zu vermeiden.
Empfehlenswert ist außerdem die Mitnahme von Espadrilles, also leichten Freizeitschuhen, die nach Absolvierung der Etappe und in der Herberge getragen werden können.

6. Wie orientiere ich mich auf den Jakobswegen in Spanien, Portugal und Frankreich?
Während noch vor wenigen Jahren Kartenmaterial mitgeführt werden musste, übernehmen nun gewichtslose Apps diese Arbeit. Wie bereits oben angeführt, eignen sich die beiden Apps Camino Ninja und Gronze Maps zur Orientierung auf vielen Wegen.
Kartenmaterial ist auch in den Pilgerführern abgedruckt. Zudem sind viele Wege – vor allem in Frankreich und Spanien –ausgezeichnet beschildert oder mit den berühmten gelben Pfeilen markiert.
7. Wie finde ich Pilgerherbergen und Unterkünfte am Jakobsweg?
In Sachen Herbergslisten entlang der Wegstrecken hat sich in den letzten Jahren vielleicht am meisten getan. Die bereits zitierten Apps Camino Ninja und Gronze Maps listen auch die kleinen Herbergen an jedem Weg auf. Mit anderen Worten: Man hat vor Beginn einer Etappe die volle Übersicht, wo Pilgerherbergen existieren, wie weit sie entfernt sind und wie viele es gibt. Die jeweiligen Distanzen sind penibel angeführt, ebenso die Preise für ein Bett oder ein Zimmer. Restaurants und Supermärkte in den Orten an der Strecke sind ebenso verzeichnet und erleichtern die Planung der Verpflegung am Weg.
Reservierungen sind in den öffentlichen Herbergen, die meist von den Gemeinden betrieben werden, nicht möglich. Wer dort zuerst kommt, mahlt zuerst. Privat geführte Unterkünfte sind etwas teurer, Reservierungen sind dort meist über die beiden Apps, per Telefon oder via Booking.com möglich.

8. Wie hoch sind die geschätzten Tageskosten am Jakobsweg?
Die Höhe der Kosten ist individuell und orientiert sich am Anspruch an das Essen und die Unterkunft. Wer in öffentlichen Herbergen schläft, Frühstück und Abendessen selbst zubereitet und nur einmal am Tag ein Restaurant besucht, sollte folgende Kosten pro Person und Tag einplanen:
Spanien und Portugal: rund 50 €
Österreich: rund 80 €
Schweiz: rund 100 €
Frankreich: rund 70 €
9. Wie viel Verpflegung sollte ich mitnehmen?
Viele Jakobswege verlaufen in ländlichen Gegenden, in denen Lebensmittelgeschäfte rar sind. Daher ist es dort ratsam, Verpflegung selbst mitzuführen. Vielfach bieten Herbergen auch einfache Gerichte am Abend an.
Werners Tipp: Ich empfehle, lokalen Käse und lokale Wurstwaren in einer Menge mitzunehmen, die für eine Zwischenmahlzeit und ein Abendessen ausreicht.
Wichtiger als das Essen ist vor allem an heißen Tagen das Mitführen von Trinkwasser. In vielen ländlichen Gebieten ist Brunnenwasser keinesfalls zu empfehlen. Daher sollte man sich vor dem Beginn der Etappe mit mindestens einem Liter Wasser versorgen. Vielfach gibt es Trinkwasser in den Herbergen zu kaufen.
Werners Tipp: Eine darin aufgelöste Magnesiumtablette ist nicht zu verachten. Bevor die Wasservorräte zu Ende gehen, sollte man sich in den Bars am Wegesrand umschauen.

10. Wieviel Tageskilometer sollte ich mir vornehmen?
Das hängt vom Fitnesslevel des Pilgers und vom Gelände der Etappe ab. Grundsätzlich gilt Folgendes:
30 km und mehr pro Tag sind für junge Pilger locker machbar.
Ältere Personen sollten sich auf 20 bis 25 km pro Tag einstellen.
Jede Übertreibung der Anstrengung kann in einer schmerzhaften Muskelentzündung enden, die schlimmstenfalls zu einem abrupten Abbruch der Pilgerreise führt.
11. Was tun im Fall einer Verletzung?
Bei einer Verletzung im Ausland gilt die Rückseite der österreichischen E‑Card – die Europäische Krankenversicherungskarte – in allen EU‑Mitgliedstaaten sowie in den Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums (Norwegen, Island, Liechtenstein), in der Schweiz und in weiteren Ländern, etwa in Großbritannien. Sie deckt medizinisch notwendige Behandlungen während eines vorübergehenden Aufenthalts, wie Urlaub oder Dienstreise, ab und erfolgt nach den jeweiligen Bestimmungen des Gastlandes.
12. Allein pilgern auf dem Jakobsweg: Wird Einsamkeit zum Problem?
Viele Pilgerinnen und Pilger sind sich unsicher, ob sie den Weg allein oder mit Partnern, Freunden oder Bekannten gehen wollen.

Werners Erfahrung: Wer fürchtet, unterwegs einsam zu sein, kann beruhigt aufbrechen. Auf den meisten Routen begegnet man zahlreichen anderen Pilgern. Wer allein startet, findet meist schon am ersten Tag Anschluss. Die gemeinsamen Anstrengungen auf dem Weg nach Santiago formen eine Art Schicksalsgemeinschaft, in der jeder auf jeden achtet. Wer die Bilder von ankommenden Pilgern in Santiago kennt, sieht meist ganze Gruppen auf den Fotos. Das sind meistens Menschen, die sich auf dem Weg kennengelernt haben und zu Freunden geworden sind.
Drei Profi-Tipps zum Pilgern auf dem Jakobsweg
Wähle eine passende Rucksackstrategie: Auf Werners zahlreichen Pilgerfahrten hat es sich bewährt, den Rucksack zu strukturieren. Das gelingt, indem man Kleidung, Verpflegung und Sanitärmittel, gegebenenfalls auch mitgeführtes Essen, in eigenen Plastikbehältern verstaut. So kommt nichts durcheinander und das Aus- und Einpacken ist ruckzuck erledigt.
Packe eine circa zwei Meter lange, dünne Schnur und ein paar Wäscheklammern ein: Wenn die Wäsche über Nacht einmal nicht trocken wird, kann man sie an der Schnur, die am Rucksack befestigt ist, trocknen.
Eine Bauchtasche ist praktisch, um darin Geld, Pilgerpass, Schlüssel, Sonnencreme und andere Utensilien zu verstauen.
Zum Autor
Werner Kräutler hat in den letzten 25 Jahren 15 Jakobswege in Europa begangen. Für Bergwelten fasst er seine Erfahrungen zusammen und gibt praktische Tipps zur Routenwahl, Vorbereitung, Ausrüstung sowie zu Unterkünften und Kosten.

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