Nachhaltiges Reisen

Mit dem Zug in die Berge: Ein abgasfreies Abenteuer

Anzeige • 30. Januar 2019
von Robert Maruna

Mit dem Zug in die Berge, auf die Piste und wieder zurück? Und das Ganze mit bloß einem Ticket? Klingt nach abgasfreier Utopie, doch die ÖBB- Railtours machen es mit dem Kombiticket Wintersport möglich. Bergwelten hat die Bloggerin Sabrina (berosa_gogreen) und den Fotografen Josef Wittibschlager auf ihrer Zugreise in die Berge von Wien nach Bad Gastein begleitet. 

Auf grünem Wege in die Berge des Gasteinertals
Foto: Josef Wittibschlager
Auf grünem Wege in die Berge des Gasteinertals

Es ist kurz vor Weihnachten, die Berge sind bereits schneebedeckt und das Quecksilber der Temperaturanzeige klettert Tag für Tag weiter nach unten. Wir treffen Sabrina und Josef am Hauptbahnhof in Wien. Heute morgen ist es besonders kalt und Sabrina versteckt ihr Gesicht unter einem dicken Wollschal. „Ich bin ein bisschen eine Frostbeule“, gibt sie uns augenzwinkernd zu verstehen, während sie ihr großes Boardbag in den Wagon hievt. 

Drinnen angekommen ist es wohlig warm und dank der vielen Ablagemöglichkeiten besteht ausreichend Platz für Snowbaords, Ski, Taschen und Josefs Kameraausrüstung. Der junge Fotograf aus Niederösterreich zählt zu den aufstrebenden Newcomern im Outdoor-Bereich, entsprechend groß ist seine Vorfreude auf die weiße Winterlandschaft: „Im Frühwinter, wenn die Sonne flach steht und Abends hinter den Bergen verschwindet entsteht eine unglaubliche Lichtstimmung“, und genau diese möchte er heute Nachmittag auf unserer Schneeschuhwanderung einfangen. Aber erstmal geht es enstpannt mit dem Zug Richtung Bad Gastein. Mit einem leichten Ruck setzt sich der Railjet in Bewegung.

Frühmorgens am Wiener Hauptbahnhof
Foto: Josef Wittbischlager
Frühmorgens am Wiener Hauptbahnhof

„Das ÖBB-Kombiticket ist eine coole Sache“, meint Josef und wischt mit einem Mikrofasertuch behutsam den Feinstaub von seiner Objektivlinse, „es ermöglicht jungen Menschen die Reise in die Berge zu einem fairen Preis, ohne dabei die Umwelt durch Abgase zu belasten". Sabrina ist von einem kurzen Nickerchen erwacht und klinkt sich in die Unterhaltung ein: „Zugreisen hat viele Vorteile: du kannst schlafen, arbeiten oder einfach nur entspannen. Verkehrsstau gibt es auch keinen und am allerwichtigsten – es ist grüne Mobilität!"

Womit die 30-jährige Lifestyle-Bloggerin mehr als recht hat, Zugreisen ist eine Mischung aus Nostalgie und Nachhaltigkeit: bevor der motorisierte Indivualverker in den 1970er Jahren für jedermann leistbar war, gab es bloß die Bahn, um möglichst schnell von A nach B zu gelangen. Zugfahren war fast so etwas wie Volkssport und „man kann nur hoffen, dass mit dem steigenden Umweltbewusstsein der Gesellschaft der Schienenverkehr eine Art Revival erlebt", so Sabrina. Josef zeigt uns auf dem Display seines Mobiltelefons alte Aufnahmen von Dampflokomotiven, die sich ihren Weg durch die verschneite Landschaft bahnen, „sieht irgendwie kitschig aus, oder?“ murmelt er mehr zu sich selbst, als zu uns. 

Beinahe hätten wir uns dann im Bestaunen digitaler Schwarz-Weiß-Aufnahmen verloren, doch wir haben den Bahnhof von Gastein bereits erreicht und mit einem lauten Pfeifen fährt der Zug am Bahngleis ein.

Blick über den malerischen Ort Bad Gastein
Foto: Josef Wittbischlager
Blick über den malerischen Ort Bad Gastein

Das Gute am Bahnhof von Bad Gastein ist, er liegt direkt neben der Talstation Stubnerkogel. Theoretisch könnte man schon mit angeschnallten Skischuhen in Wien starten und keine fünf Stunden später bereits die ersten Schwünge auf der Piste ziehen. Skifahren steht allerdings morgen am Programm, heute geht es für uns noch mit den Schneeschuhen in Richtung Graukogel. 

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Foto: Josef Wittibschlager

Schritt für Schritt folgen wir einem tief verschneiten Forstweg, während sich über uns eine Wolkenstimmung zusammenbraut, die ein wenig an eine Szenerie aus Herr der Ringe erinnert: talauswärts herrscht noch ungetrübt blauer Himmel, taleinwärts verdichtet sich die Wolkendecke zu einer beängstigend dunklen Front, dazwischen die Sonne, links und rechts Berge und irgendwo stehen wir. „Hoffentlich schaffen wir es noch rechtzeitig hinauf, bevor die Sonne verschwindet“, ruft uns Josef zu. Wir werfen einen Blick auf die Uhr und beschließen einen Gang schneller zuzulegen. Selbst Sabrina, die bis dato unablässig ihren Instagram-Account mit Content füttert, packt ihr Telefon in die Jacke und wir stapfen wortlos weiter. Es herrscht klirrende Kälte und mit jedem Schritt stößt Josefs warmer Atem eine Dampfwolke vor uns in die Luft. Von oben betrachtet sehen wir wohl wie ein kleiner menschlicher Zug aus, wobei Josef die Rolle der antreibenden Lokomotive übernimmt.

Im lichten Wald des Graukogels
Foto: Josef Wittibschlager
Im lichten Wald des Graukogels

Kurz vor 16:00 Uhr und wir stehen unterhalb des Gipfels im lichten Hochwald. Die Wolken sind uns gnädig geblieben, die letzten Sonnenstrahlen treffen durch die Baumkronen auf eine freie Schneise vor uns. Josef packt Kamera und Objektiv aus, während sich Sabrina mit Schneeschuhen und Stöcke in Pose bringt. „Feinster Pulver!“, und schon wirft sie mit der Vorderfläche des breiten Schuhs den Schnee in die Luft. Der Auslöser Josefs Kamera rattert dahin und keine 10 Minuten später verschwindet die Sonne hinter dem Gipfel des Schareck am Ende des Gasteinertals. „Gerade noch rechtzeitig!“, meint Josef grinsend und beginnt, sichtlich mit den Aufnahmen zufrieden, sein Equipment im Rucksack zu verstauen – einzig die Kamera und ein kleines Objektiv bleiben um den Hals gehängt. Trotz dicker Daunenjacke schlottert Sabrina am ganzen Körper und wir treten zügig den Abstieg ins Tal an. Josef läuft immer wieder vor und zurück: „Die blaue Stunde! Davon habe ich im Zug gesprochen“, die Augen des Fotografen leuchten in der hereinbrechenden Dunkelheit. Von weitem können wir unser Hotel, das Miramonte, bereits erkennen und Sabrinas Gesicht beginnt beim Ausblick auf eine wärmende Dusche wieder aufzutauen.

Die blaue Stunde: Ein letzter Blick über das Gasteinertal, bevor es zurück ins Hotel geht
Foto: Josef Wittibschlager
Die blaue Stunde: Ein letzter Blick über das Gasteinertal, bevor es zurück ins Hotel geht

Der Abend gestaltet sich kurz: Nach einem ausgiebigen und geschmacklich vorzüglichen Abendmahl fallen alle erschöpft, aber glücklich in ihre Betten. Die Wolken haben sich verzogen und es ist sternenklar: Der morgige Tag verspricht nur Gutes.

6:35 Uhr, der Wecker läutet obwohl es noch immer stockdunkel ist. Doch wer zu Sonnenaufgang am Gipfel des Stubnerkogels stehen möchte, muss eben früh raus. Und sich warm anziehen. Die Temperaturanzeige vor dem Fenster zeigt 15° Grad unter Null, vielleicht sollten wir doch noch eine Schicht mehr einpacken. 

Wenn sich das erste Licht des Tages in einer kleinen Wolke bricht...
Foto: Josef Wittibschlager
Wenn sich das erste Licht des Tages in einer kleinen Wolke bricht...

Ein schnelles Frühstück und schon stapfen wir voller Vorfreude zur Talstation Stubnerkogel. Weit und breit ist kein anderer Mensch zu sehen und von einer Liftschlange ist keine Spur – schließlich dürfen wir bereits vor den offiziellen Betriebszeiten mit der ersten Gondel fahren, damit Josef und Sabrina auch wirklich das erste Licht einfangen können. Mit jeder Liftstütze entschwinden wir dem noch schattigen Tal nach oben in Richtung Gipfel. Das Licht wird an zwei kleinen Wolken gebrochen und lässt sie in dunklem Rot erleuchten. Unsere Blicke wandern an der Gondelscheibe entlang auf die gegenüberliegende Bergkette des Tales, die Sonne bahnt sich ihren Weg. 

Oben angekommen geht alles ganz schnell: Josef läuft, Atemwölkchen ausstoßend, wieder wie eine Dampflok auf Hochbetrieb umher und versucht das Motiv, frühmorgendliche Bergstimmung mit Sabrina im Vordergrund, bestmöglich einzufangen. Wir beobachten aus sicherer und vor allem warmer Entfernung vom Inneren der Gipfelstation. Wenig später strahlt die Sonne bereits in ihrer vollen Pracht und die Beiden kehren wieder zu uns zurück. Der Liftbetrieb ist nun auch gestartet und die ersten Wintersportler ziehen ihre Schwünge auf der frischen Piste hinab. Wir schließen uns ihnen an und nach ein paar flotten Fahrten im Skigebiet geht es wieder hinab ins Tal. 

Sabrina und das erste Licht am Gipfel des Stubnerkogel
Foto: Josef Wittibschlager
Sabrina und das erste Licht am Gipfel des Stubnerkogel

Letzter Programmpunkt: Sightseeing in Bad Gastein. Wir besuchen das Wahrzeichen, den Gasteiner Wasserfall, drehen eine Runde durch den Ort und genießen abschließend einen Kaffee auf der Sonnenterasse des Miramonte. Kurze Zeit später stehen wir wieder am Bahnhof und mit einem lauten Pfeifen fährt der Zug am Bahnsteig ein. Der letzte Ton für unsere kleine Abenteuerreise und mit einem leichten Ruck des Wagons geht es wieder zurück in die Stadt, da wo alles begonnen hat.

Das Wahrzeichen von Gastein: der Wasserfall inmitten der Stadt
Foto: Josef Wittibschlager
Das Wahrzeichen von Gastein: der Wasserfall inmitten der Stadt

ÖBB-Rail Tours und das Kombiticket Wintersport:

  • Das Kombiticket beinhaltet die Zugfahrt und einen 1-Tagesskipass (optional sind auch 6-Tagesskipässe zu erwerben)
  • Preis ab 53 € (für Kinder und Jugendlich gibt es natürlich auch spezielle Preise)
  • Die ÖBB-Rail Tours bringen euch nach St. Anton am Arlberg, Bad Gastein, Zell am See, auf das Stuhleck und zu noch vielen weitere Destinationen in Österreich
  • Die Abfahrt ist von allen ÖBB Bahnhöfen in Österreich zu den jeweiligen Zielorten mit einem ÖBB Zug eurer Wahl möglich
  • Alle weiteren Infos zum Kombiticket findet ihr hier

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