Bergsage

Die Nidelgret

Wissenswertes • 13. Oktober 2017

Eine beliebte Sage aus dem Kanton Uri führt uns vor was geschehen kann, wenn man von Gier getrieben ordentlich absahnen will. Hätte sich der junge Melker doch besser mit weniger zufriedengegeben. Hier gibt’s die Geschichte und Tourentipps zur prächtigen Wanderregion.

Kanton Uri Herbst
Foto: Switzerland Tourism
Goldene Stimmung am Klausenpass (1.948 m) im Kanton Uri
  • Ort: Andermatt, Uri
  • Gebirge: Glarner Alpen

Unweit von Andermatt liegt ein großer, weißer Steinblock, an dessen Stelle vor vielen Jahren ein Haus gestanden haben soll, in dem ein altes Weib wohnte. Sie wurde Nidelgret genannt, weil sie, obwohl sie bloß eine Kuh besaß, immer mehr Nidel – also Rahm – hatte als fünfzig der besten Kühe zur Zeit der Sommerfahrt geben.

Eines Abends schlüpfte ein neugieriger Küher in ihren Stall und versteckte sich im Futterkasten, um die Alte beim Melken zu belauschen. Da sah er sie einen großen Eimer vor sich hinstellen und hörte sie, indem sie wunderliche Zeichen oder Geberden machte, immer vor sich hinmurmeln:

„Hexengut und Sennenzoll,
von jeder Kuh zwei Löffel voll.“

Der Eimer füllte sich sofort bis an den Rand mit dem schönsten Rahm, worauf die Alte ihn auf den Rücken nahm und den Stall verließ. Der Küher aber, der sich den Spruch wohl gemerkt hatte, lief voller Freuden nach Hause, um die Kraft der Zauberformel in seinem eigenen Stall zu erproben. Mit zwei Löffeln Rahm von jeder Kuh aber wollte er sich nicht zufrieden geben. Stattdessen murmelte er:

„Hexengut und Sennenzoll,
von jeder Kuh zwei Kübel voll.“

Da aber floss der Rahm in solchen Strömen, dass sich bald Stall und Wohnung des Kühers bis an die Decke damit füllten, so dass er elendiglich in der köstlichen Flüssigkeit ertrank. Auf dem Dach ihrer Hütte saß die Nidelgret und rief: „Der tut's mir nimmer nach!“

Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945. (leicht gekürzt)

Sustenpass Kanton Uri
Foto: swiss-image.ch/Heinz Schwab
Sustenpass im Kanton Uri, 2.224 m

Die Sage heute: Andermatt liegt auf einer beachtlichen Höhe von 1.447 m. Es zählt rund 1.350 Einwohner und ist der Hauptort des Urserentals. Tatsächlich spielt die Alpwirtschaft in Andermatt bis heute eine gewichtige Rolle – nur zwei Prozent der Gemeindefläche sind Siedlungsgebiet, 41 Prozent hingegen Landwirtschaftsfläche.

Andermatt um 1900
Foto: Wikipedia/ Library of Congress
Andermatt um 1900

Tourentipps

Einmal rund um den Ort Andermatt mit herrlichen Ausblicken auf die umliegende Bergwelt.

Wandern • Uri

Andermatt Runde

Dauer
2:30 h
Anspruch
T2 mäßig
Länge
11,8 km
Aufstieg
531 hm
Abstieg
531 hm

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