Extremalpinist im Gespräch

Alexander Huber: „Der Berg lässt sich nicht bezwingen“

Interview • 20. April 2016
von Simon Schöpf

Alexander Huber ist der Inbegriff des Extremalpinismus: Er steigt auf über 8.000 Meter (Cho Oyu, Himalaya), schiebt die Schwierigkeitsgrade des Felskletterns mit Seil (Open Air 9a+, Schleierwasserfall) sowie auch ohne (Kommunist 8b+, free solo) nach oben. Auch im Alpinen zählen seine Routen zu den Schwersten weltweit (PanAroma 8c, Westliche Zinne), kurz: extremer geht’s nicht.

Doch ist ein Alexander Huber auch mal gemütlich unterwegs? Wir haben den Huberbua zum bodenständigen Interview getroffen.

Erhaben am Gipfel des Silla im Fitz-Roy-Massiv, Patagonien.
Foto: Archiv Huberbuam / Timeline Production
Überaus erhaben am Gipfel der Silla im Fitz-Roy-Massiv, Patagonien.
Der Mount Asgard auf Baffin Island: Auch ein Lieblingsplatz von Alexander Huber.
Foto: Archiv Huberbuam / Timeline Production
Der Mount Asgard auf Baffin Island: Auch ein Lieblingsplatz von Alexander Huber.

Bergwelten: Wie würdest du jemanden, der noch nie am Berg war, das Gefühl beschreiben?

Alexander Huber: Es ist das Gefühl der Erhabenheit, das man am Berg bekommt. Das kommt einerseits daher, dass man dort oben ja wirklich über den Dingen steht. Man steht erhaben und hat einen Überblick über die Umgebung und die Landschaft. Aber erhaben auch in dem Sinne, dass man einfach viele Dinge, die einem im Leben beschäftigen, ausblenden kann. Ausblenden, das ist ein bisschen so wie ein Reset, der einen wieder auf Null bringt. Und einem die wichtigen Dinge im Anschluss ganz anders wahrnehmen lässt.

Alexander Huber beim Klettern

Gibt es eine Person, mit der du gerne einmal einen Hüttenabend verbringen würdest?

Auf jeden Fall immer mit meinen Freunden! Weil genau das ist es auch, was im Endeffekt mein Leben, unser Leben ausmacht: Der Freundeskreis, das ist die wirkliche Heimat, in der ein Mensch zu Hause ist. Und mit diesen Menschen verbringe ich immer gern einen Abend am Berg und in einer Hütte. Aber natürlich, ich war auch schon viel in der Welt unterwegs, es ist auch immer eine Bereicherung, neue Menschen kennen zu lernen ...

Alexander Hubers Lieblingstouren in den heimischen Berchtesgadener Bergen

ALEXANDER HUBER - Free Solo, Trailer

© Timeline Production

Auf der Hütte, lieber Kaspressköndel oder Kaiserschmarrn?

Am liebsten zuerst Kaspressknödel, dann Kaiserschmarrn, Bier dazu.

Wie erholst du dich von deinen anstrengenden Expeditionen? Geht ein Alexander Huber auch mal gemütlich wandern?

Am liebsten wirklich dahoam! Der Weg auf die Almen des Berchtesgadener Landes ist für mich mit das Sinnstiftendste überhaupt. Gemütlich eine halbe, dreiviertel Stund’  auf die Alm raufgehen, oben ein kühles Bier genießen. Manchmal mit Freunden oder Familie, manchmal auch einfach alleine und schauen, wer oben ist. Und wenn keiner oben ist, dann ist’s auch gut.

Gibt es einen Lieblingsplatz für dich?

Das Purtschellerhaus, die Gotzenalm, sehr gern geh’ ich auf den Ettenberg, auf die Kneifelspitze ... es gibt so viele schöne Flecken im Berchtesgadener Land! Bald kommt auch ein Buch heraus, da sind meine Favoriten nachzulesen (Anm.: Birgit Eder – Alexander Huber: Die Berchtesgadener Bergwelt erleben, Servus Verlag 2016).

Der nächste Urlaub: Karwendel oder Karibik?

(lacht) Ich war gerade in der Karibik! Allerdings zum Klettern auf Kuba ... aber mei, so gesehen, was ist denn Urlaub? Am Ende bin ich doch am liebsten daheim. Auch wenn ich weiß, dass Reisen und andere Kulturen kennen zu lernen wirklich sinnstiftend ist. Das sehe ich auch als wirklich wichtig in unserer Zeit an.

Alexander, danke für das Interview!

Bergwelten-Sendung

Grönland
Grönland - einsam, eisig und fremd. Hubert von Goisern und Alexander Huber begeben sich auf eine musikalische und alpine Entdeckungsreise zum Berg ohne Namen. Doch es geht nicht nur um dessen Erstbesteigung, sondern auch um das Erleben einer fremden Kultur, der atemberaubenden Landschaft und ihrer Bewohner.

Tourentipps im Berchtesgadener Land

Purtschellerhaus
Hütte • Salzburg

Purtschellerhaus (1.694 m)

Mitten durch das Purtschellerhaus (1.694 m ) verläuft die Staatsgrenze zwischen Deutschland und Österreich – die Gaststube befindet sich in Bayern, die Toilette in Salzburg. Am Boden ist das Übertrittsgebiet mit einem dicken Strich markiert. Weil es nach dem Zweiten Weltkrieg verboten war, von Deutschland nach Österreich überzutreten, trafen einander Menschen im Purtschellerhaus, um miteinander zu plaudern. Es war die einzige Möglichkeit zur direkten Kommunikation. Von der Terrasse des Hauses in den Berchtesgadener Alpen bietet sich Wanderern, Tagesausflüglern und Kletterern ein überwältigender Blick über den Salzburger Tennengau, die Stadt Salzburg und das Lattengebirge. Das Schutzhaus ist Stützpunkt für erfahrene Bergsteiger, die über den Normalweg auf den Hohen Goll gehen können. 15 Minuten oberhalb des Purtschellerhauses befindet sich ein Klettergarten mit Kletterrouten in den Schwierigkeitsgraden III bis VI. Im Winter ist das Haus wegen der hoher Lawinengefahr nicht zugänglich.
Geöffnet
Mai - Okt
Verpflegung
Bewirtschaftet

Buchtipp

Birgit Eder / Alexander Huber

Die Berchtesgadener Bergwelt erleben

Hardcover, 64 Seiten, Preis: 4,99 €

ISBN: 978-3-7104-0092-6

Die Berchtesgadener Bergwelt erleben
Buchtipp: Die Berchtesgadener Bergwelt erleben

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