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Bergsteigerdorf

Mallnitz: Das Tor in die Hohen Tauern

• 16. April 2020
3 Min. Lesezeit
von Christina Schwann

Stützpunkt eines der größten Bahnvorhaben der Monarchie und Inspiration für die Gründungsväter des Alpenvereins – Christina Schwann stellt uns das Bergsteigerdorf Mallnitz inmitten der faszinierenden Gebirgslandschaft des Nationalparks Hohe Tauern in Kärnten vor.

Blick auf Mallnitz und ins Seebachtal
Foto: Peter Angermann, Mallnitz
Blick auf Mallnitz und ins Seebachtal
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Auch heute noch ist die Fahrt mit der Tauernschleuse der ÖBB durch den Tauerntunnel von Böckstein im Salzburger Gasteinertal nach Mallnitz in Kärnten eine imposante Angelegenheit. Der Bau dieser alpenquerenden Bahnstrecke, die den für die Monarchie bedeutenden Adriahafen von Triest als Ziel hatte, wurde von höchster Stelle vorangetrieben: Kaiser Franz Josef I. bewilligte 1901 die Streckenführung persönlich. Schon während des acht Jahre dauernden Tunnelbaus wurde das gerade mal 300 Einwohner zählende Dorf Mallnitz durch die zahlreichen Bauarbeiter aus den verschiedensten Teilen der Monarchie zu einem multikulturellen Städtchen. Die Bahn selbst öffnete das Tor zu Europa.

Historischer Alpenvereinsboden

Angezogen von der Schönheit der Gebirgslandschaft der Hohen Tauern, der einzigartigen Lage des Ortes und sicherlich auch der gesellschaftlichen Anreize, war der junge Edmund Mojsisovics Edler von Mojsvár schon um 1860 von Mallnitz äußerst angetan. Hier konnte der Student der Geologie und Paläontologie seiner Leidenschaft, dem Bergsteigen, nachgehen und sich mit Gleichgesinnten messen. Gemeinsam mit seinen Kameraden Paul Grohmann und Guido Freiherr von Sommaruga gründete er 1862 den Österreichischen Alpenverein.

Nach einem Zerwürfnis mit dem Vorstand des damaligen Alpenvereins, engagierte sich Mojsisovics auch bei der Gründung des Deutschen Alpenvereins, der 1869 ins Leben gerufen wurde. 1873 traf er zudem Dr. Karl Arnold aus Hannover, der auf sein Anraten die Sektion Hannover des Deutschen Alpenvereins gründete. Gemeinsam setzten sie zahlreiche Projekte zur Erschließung der Bergwelt der Hohen Tauern um. Eines dieser Projekte war der Bau der ersten Hannoverhütte am Elschesattel. Auch die Mallnitzer selbst ließen sich von der Euphorie anstecken und gründeten 1902 eine eigene Sektion Mallnitz.

Mojsisovics wurde noch zu Lebzeiten für seinen Einsatz für Mallnitz und für den Alpenverein mit der Ehrenbürgerschaft versehen. Die Fertigstellung des Bahntunnels erlebte er allerdings nicht mehr, denn er verstarb 1907 in seiner Villa in Mallnitz an einem Krebsleiden.

Die Gebirgswelt der Hohen Tauern – im Hintergrund der Ankogel – begeisterte schon um 1860 die Gründer des Alpenvereins

Große Projektideen

Mallnitz entwickelte sich dank Eisenbahn und der mittlerweile zahlreichen finanzstarken Deutschen Sektionen des Alpenvereins, die die Berge mit Schutzhütten und einem Wegenetz erschlossen, außergewöhnlich gut. Auf einem Werbeplakat von 1930 steht geschrieben: „Mallnitz – das Tor in die Welt der Hohen Tauern“.

1950 wurde der erste Sessellift errichtet, 1966 die Ankogelbahn. Danach reiften Pläne für ein riesiges zusammenhängendes Skigebiet, das zehn Gletscher vom Gasteinertal über Rauris, das Mölltal bis Mallnitz umschließen sollte. Dazu waren abenteuerlich große Hotelkomplexe mit Tennisplätzen, Bars und Restaurants in pompösem Stil geplant.

Das Megaprojekt scheiterte nicht an den damals schon auf dem Tisch liegenden Plänen eines Nationalparks, sondern schlichtweg an der Finanzierung. Relativ zeitgleich konnte auch ein Stauseeprojekt der Energiewirtschaft im Seebachtal zu Fall gebracht werden und mit dem Symbolkauf der Hochalmspitze durch den Österreichischen Alpenverein 1988 die Verbindung mit dem damals schon bestehenden Mölltaler Gletscherskigebiet vereitelt werden.

Auf einem Werbeprospekt aus dem Jahr 1930 wirbt Mallnitz mit dem Slogan: „Tor in die Welt der Hohen Tauern“

Trendwende

1986 wurde Mallnitz mit der Gründung des Nationalparks Hohe Tauern zur Nationalparkgemeinde – seither hat die Erhaltung und sanfte Nutzung der Natur oberste Priorität. Die Faszination Berg sollte für Einheimische wie für Gäste spürbar und erlebbar werden, was in Mallnitz mit seiner langen Alpintradition an Erstbesteigungen und imposanten Gipfeln wie dem alles dominierenden Ankogel (3.246 m), aber auch der Hochalmspitze (3.360 m) und dem Säuleck (3.086 m), nicht schwierig ist.

Heute ist das Bergsteigerdorf Mallnitz mit dem Tauernhöhenweg, sechs bedeutenden Schutzhütten, herausfordernden Gipfelbesteigungen und Kletterrouten wieder in den Mittelpunkt des klassischen Bergsteigens gerückt. Die professionelle Zusammenarbeit der Sektion Mallnitz mit den zahlreichen Deutschen Sektionen in der ARGE Tauernhöhenwege sichert die hohe Qualität des Wegenetzes und den ausgezeichneten Zustand der Hütten. Darüber hinaus hat sich Mallnitz mit dem Bios-Nationalparkzentrum engagiert weiterentwickelt, ist Mitglied in der Initiative Alpine Pearls und darf sich heilklimatischer Kurort nennen.

Wandern am Goslarer Weg

Fakten: Bergsteigerdorf Mallnitz, Kärnten

  • Ortschaften: Mallnitz, Stappitz, Rabisch, Dösen
  • Seehöhe: 1.191 m
  • Gebirgsgruppen: Hohe Tauern, Ankogelgruppe, Goldberggruppe, Reißeckgruppe
  • Wichtigste Gipfel: Hochalmspitze, (3.360 m), Ankogel (3.246 m), Säuleck (3.086 m), Maresenspitze (2.915 m), Geiselspitze (2.974 m).

Alpenvereinshütten:

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