Skitourenspass für Jedermann

48 Stunden im winterlichen Rätikon

Touren-Tipps • 2. Februar 2016
von Mario Kempf

An der Grenze zwischen Österreich und der Schweiz finden Skitourengeher ein Juwel. Das Rätikon ist weniger überlaufen als andere Wintersportregionen und sowohl für Einsteiger, als auch für ambitionierte Profis ein lohnendes Ziel. Mario Kempf hat sich in die Region aufgemacht und für uns den perfekten 48-Stunden-Trip voller Skitouren-Spaß zusammengestellt.

Abfahrtspanorama im Rätikon
Foto: Mario Kempf
Abfahrtspanorama im Rätikon

Tag 1

Von Latschau auf die Tilisunahütte

Länge: 7 km, Höhendifferenz: 1.300 m

Freitagmittag – auf in ein hoffentlich perfektes Skitourenwochenende. Mit dem Auto oder Öffis (Bahn/Bus) geht es ins Montafon nach Schruns und weiter bis Latschau. Der Bus hält bei der Talstation der Golmerbahn, wo alternativ auch das Auto kostenlos am großen Parkplatz abgestellt werden kann. Nachdem beide Schutzhütten im Winter geschlossen sind, tragen wir alles Notwendige im eigenen Rucksack.

Die Route verläuft auf der linken Talseite durch eine Waldschneise und unterhalb der Tschaggunser Mittagsspitze vorbei. Danach kommt noch ein kurzer, etwas steilerer Hang, der im Schwarzjoch endet. Vom Joch wird abgefahren oder bei harten Verhältnissen quer abgerutscht. Nach einer kurzen Hangquerung endet die Fahrt in einer kleinen Mulde, wo zum letzten Mal für diesen Tag die Felle angelegt werden.

Nach einer knappen halben Stunde erreicht man die Tilisunahütte, deren offener Winterraum bis zu 16 Personen Platz bietet. Der Winterraum ist gut ausgestattet und bietet u.a. Sanitäranlagen, zwei Schlafräumen und eine gemütliche Stube mit Kochmöglichkeit und Ofen.

Die Tour im Detail
 

Die Tilisunahütte auf 2.211 m
Foto: Mario Kempf
Die Tilisunahütte auf 2.211 m

Tag 2

Weißplatte bis zur Carschinahütte

Länge: 17,5 km, Höhendifferenz: 2.000 m

Nach dem Frühstück geht es via Grubenpass auf die Weißplatte. Der Gipfelanstieg beinhaltet eine Tragestelle im Ausmaß von 80 Höhenmetern – ansonsten ist der Weg problemlos zu bewältigen. Der Gipfel bietet perfekte Sicht auf die ringsum liegenden Berggrößen wie Schesaplana, Sulzfluh und die Drei Türme. Von hier könnte direkt in die Schweiz abgefahren werden, oder man fährt – so wie ich es mache – in direkter Linie zurück zur Tilisunahütte. Als nächstes steht die 2.818m hohe Sulzfluh am Programm, wobei der Aufstieg aufgrund der geringen Steigung etwas Zeit in Anspruch nimmt. Am Wochenende ist man sicher nicht alleine auf diesem tollen und prestigeträchtigen Rätikon-Aussichtsberg. Der Aufstieg wird mit einer genialen, teilweise anspruchsvollen Abfahrt durch den so genannten „Rachen“ belohnt.

Am tiefsten Punkt angelangt heißt es wieder anfellen und sich durch den Wald zur Lindauer Hütte begeben, auf deren Sonnenterrasse es sich angenehmst chillen lässt. Die Lindauerhütte ist ein beliebter Stützpunkt – v.a. aufgrund der freundlichen Wirtsleute und der ausgezeichneten Küche mit regionalen Schmankerln. Wer noch nicht genug und einen schönen Tag erwischt hat, kann noch eine Verlängerung wagen und ein kurzes Stück durch den Wald abfahren um dann zum Drusentor hochzusteigen.

Aufgrund der klaren Nord-Süd-Ausrichtung des Durchgangs empfängt einen am obersten Punkt die Nachmittagssonne und beleuchtet die letzte Abfahrt des Tages zur Carschinahütte. Der gemütliche Winterraum inklusive Ofen, elektrischem Licht, Außentoilette und fließendem Wasser bietet 10 Personen Platz. Ein Traum-Panorama und eine Terrasse, die selbst noch die letzten Sonnenstrahlen erreicht, laden zum Verweilen, Träumen und Pläneschmieden ein.
 
Die Tour im Detail

 

Carschinahütte

Tag 3

Vom Talboden zur Lindauerhütte

Länge: 20 km, Höhendifferenz: 1.900 m Aufstieg

Zugegeben: der Abschlusstag ist in dieser Form ein Konditionshammer, doch er kann zum Glück ohne Probleme gekürzt werden. Der Schafberg liegt direkt vor der Hütte und bietet eine interessante – üblicherweise mit Powder überzogene – 37-Grad-Nordabfahrt. Quasi zum Aufwärmen vor dem Frühstück.


Am Talboden wird wieder aufgefellt und es geht retour zur Hütte und ab dort mit dem Rucksack hoch zum Drusentor. Ca. 300 m rechts des eigentlichen Tors liegt eine etwas steilere Zickzack-Variante zu einem höher gelegenen Durchgang. Vorteil dieser Variante ist, dass der nordseitige Hang bereits weiter oben gefahren werden kann. Man trifft, je nach Verhältnissen, auf perfekten Powder oder Harsch – ein Jausenstop in der Scharte ist sicherlich keine schlechte Idee.

Wer die unten gelegene Lindauer Hütte nicht zu spät erreicht, kann das schwere Gepäck dort lagern und noch zu den Drei Türmen hoch steigen. Im dritten Wegviertel befindet sich ein circa 50 Höhenmeter langes Steilstück mit rund 40 prozentiger Steigung – am Besten mit Ski am Rucksack hochstapfen. Danach öffnet sich eine weite Mulde, von der aus die Drei Türme gut auszumachen sind. Pausiert wird – hoffentlich bei Sonne und Windstille – am Großen Turm auf 2.830 m.
Wer möchte kann bei der Abfahrt noch einen Abstecher zum Mittleren Turm machen. Das dortige Gipfelkreuz könnte der kleine Bruder vom imposanten Großglockner-Kreuz sein und ist einen Besuch wert.
Weiter geht’s zur Lindauer Hütte auf einen Kaiserschmarrn, über die meist „planierte“ Forststraße zum Ausgangsort in Latschau und mit einem breiten Grinser heimwärts.

Tour im Detail
 

Service

Anreise:

Auto:
Über den Grenzübergang Lindau oder Hörbranz aus Deutschland:
Pfändertunnel - Rheintalautobahn A14 - Ambergtunnel - Abfahrt Montafon bei Bludenz - ab Bludenz auf der Montafonerstraße L188.

Über den Arlberg:
ebenfalls Abfahrt Bludenz - Montafon - ab Bludenz auf der Montafonerstraße L188.

Aus der Schweiz:
Autobahn von Zürich oder Chur - Abfahrt Gams - (Fürstentum Liechtenstein) - Grenzübergang Tisis (Feldkirch) - Walgauautobahn A14 - Abfahrt Montafon bei Bludenz - ab Bludenz auf der Montafonerstraße L188.

Für alle Varianten gilt: Auf der Monatfonerstraße L188 bis Vandans/Tschagguns und den Schildern zum Parkplatz „Golmerbahn“ folgen. Die Straße schlängelt sich den Berg hoch und endet direkt beim See, wo sich zahlreiche Parkmöglichkeiten befinden.  

Bahn und Bus:
Bahn bis „Bludenz“ Bahnhof - Montafoner Bahn (MBS) bis „Vandans“ - mit dem Bus zur „Golmerbahn“
 

Hütten und Stützpunkte

Tilisuna Hütte
Hütte • Vorarlberg

Tilisunahütte (2.211 m)

Die Tilisunahütte (2.211 m) liegt am Tilisunasee im Montafon, südlich von Tschagguns und nördlich der Sulzfluh, an der Grenze zwischen Vorarlberg und der Schweiz. Wanderer, Kletterer, Mountainbiker, Schneeschuhwanderer, Skitourengeher und Familien mit Kindern erfreuen sich am außergewöhnlichen Panorama mit Blick ins Lechquellengebirge. Das Gebiet im Rätikon ist berühmt für seine Murmeltiere, die man aus nächsten Nähe beobachten kann. Die Sonnenterrasse ist ein herrlicher Platz zum Verweilen, serviert wird einfaches aber hervorragendes regionales Essen. Beliebte Ausflugsziele von der Hütte aus sind Sulzfluh, Schwarzhorn und Weißplatte.
Geöffnet
Jun - Okt
Verpflegung
Bewirtschaftet
Carschinahütte
Hütte • Graubünden

Carschinahütte (2.236 m)

Die Carschinahütte (2.236 m) neben der Carschinafurgga liegt im Rätikon, eine Gebirgsgruppe, die den zentralen Ostalpen zugeordnet ist. Sie ist ein Schutzhütte des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) am Fuß der Sulzfluh-Südwand im Schweizer Kanton Graubünden. Die Hütte ist relativ leicht zu erreichen. Und jeder Bergler kann seiner Leidenschaft auf den Wegen und Gipfeln rund um das Carschina-Schutzhaus nachgehen. Die Sulzfluh (2.818 m) bietet ausgiebig Möglichkeiten zum Klettern. Wer weiter will, kann zu den Dri Türm in der Drusenfluh-Gruppe, auf die Drusenfluh (2.830 m) oder auch zur Schesaplana. Die Hütte lockt Genießer, die von St. Antönien aufsteigen, um auf der Carschinahütte einzukehren. Familien, die mit ihren Sprösslingen rundum wandern und Murmeltiere beobachten wollen. Ambitionierte Bergsportler kommen mit den Mountainbike, auf Ski und Schneeschuhen herauf. Haben Klettergurt, Karabiner, Klemmkeile, etc. oder ein Klettersteig-Set im Gepäck. Oder ihre Rucksäcke bergen all jene Sachen, die sie auf mehrtägigen Touren durch das Rätikon brauchen. In Begleitung geländegängiger Vierbeiner.
Geöffnet
Jun - Okt
Verpflegung
Bewirtschaftet
Die Lindauer Hütte mit Bergpanorama
Hütte • Vorarlberg

Lindauer Hütte (1.744 m)

Die Lindauer Hütte (1.744 m) steht am Ende des Gauertals im Montafon und ist von Gipfeln und Nordabhängen des Rätikon umrahmt. Am Ausgang des Hochgebirgstales liegen die Orte Tschagguns, mit dem Ortsteil Latschau, und Schruns. Sie liegt am Fuße der Drei Türme (Großer Turm - 2.830 m) und wird von Sulzfluh und Drusenfluh flankiert. Diese drei Gipfel zählen zu den zehn höchsten Gipfeln des Rätikons. Hütte und Gipfel sind zu einem eindrucksvollen Ensemble verschmolzen.  Die Lindauer Hütte wurde bis zum Beginn der Wintersaison 2016 um ein Schlaf- und Personalhaus erweitert. Das Schutzhaus hat punkto Gastronomie und Beherbergung Hotel-Niveau erreicht. Im Sommer wird es von Wanderern, Bergsteigern, Kletterern und Mountainbikern aufgesucht. Bei Schnee verwandelt sich die Hütte in ein Winterschloss, das Rodler, Schneeschuh- und Skitourengeher magisch anzieht. 
Geöffnet
Jan - Dez
Verpflegung
Bewirtschaftet
Aufstieg zum oberen Drusentor

Bergwelten entdecken