Der Himalaya
Wissen

9 Fakten zum Himalaya

Wissenswertes • 6. September 2020
von Martin Foszczynski

Der Himalaya ist das legendärste Hochgebirge der Welt. Jahr für Jahr machen sich zahlreiche Expeditionen auf, um das „Dach der Welt“ – den Mount Everest – zu erreichen. Wie viel weißt du über diese einzigartige Bergregion zwischen dem Indischen Subkontinent und dem Tibetischen Hochland? Wir haben 9 erstaunliche Fakten zusammengestellt.

1. Der Himalaya ist das jüngste Gebirge unseres Planeten

Der Himalaya ist nicht nur das größte und höchste, sondern auch das jüngste Gebirge unseres Planeten. Es entstand vor ca. 10 bis 20 Millionen Jahren durch die vorangegangene Kollision der tektonischen Platten Indiens und Eurasiens (der Hauptkamm sogar erst vor ca. 6 Millionen Jahren). Zum Vergleich: Die ebenfalls jungen Alpen entstanden vor etwa 30 bis 35 Millionen Jahren.

2. Der Himalaya wird immer höher

Nach ihrer Abspaltung vom Urkontinent Pangäa driftete die indische Landmasse mit einer Geschwindigkeit von etwa 9 Metern pro Jahrhundert nach Norden. Hört sich nicht besonders schnell an, doch die nach 6.400 Kilometern erfolgte Kollision mit der eurasischen Platte vor etwa 40 bis 50 Millionen Jahren war gewaltig genug, um das Auffalten des Himalaya zu bewirken.

Das dauert übrigens noch heute an: Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass sich die indische Platte immer noch ca. 2 bis 3,5 cm pro Jahr in die eurasische hineinschiebt und den Himalaya, je nach Region, zwischen 4 mm (Mount Everest) und 10 mm (Nanga Parbat) pro Jahr anwachsen lässt. Diese tektonischen Spannungen sind auch der Grund, weshalb die gesamte Himalaya-Region so stark von Erdbeben und Landrutschen betroffen ist.

Der Himalaya
Foto: mauritius images / Jimmy Chins
Bergsteiger nahe der Ama Dablam in der Khumbu-Region des Himalaya

3. Der Mount Everest, höchster Berg der Erde, lag einmal unter Wasser

Das Gestein auf den über 8.000 Meter hohen Gipfeln des Himalaya lag einst unterhalb des Meeresspiegels. Allerdings ist das rund 450 Millionen Jahre her. Davon zeugen diverse Fossilien, die der Forscher Noel Odell erstmals 1924 im Everest-Fels entdeckte.

4. Im Himalaya befindet sich nicht nur der höchste Berg, sondern auch die tiefste Schlucht der Welt

Das Kali-Gandaki-Tal in Nepal gilt als tiefste Schlucht der Welt. Der Fluss Kali Gandaki durchquert den Hauptkamm des Himalaya und wird zu beide Seiten von 8.000er-Massiven flankiert. Der größte Höhenunterschied, nämlich jener zwischen der Talsohle und dem 12 Kilometer westlich liegendem Gipfel Dhaulagiri (8.167 m), beträgt mehr als 5.600 m. Über Jahrhunderte war das Tal eine wichtige Handelsroute zwischen Tibet und Indien.

Kali Gandaki
Foto: mauritius images / John Warburton-Lee
Das Kali-Gandaki-Tal mit dem Gipfel des Nilgiri (7.061 m) im Hintergrund

5. Der Himalaya ist Heimat von Göttern aus vier Religionen

Im Hinduismus gilt der Himalaya als „Giri-raj“, was „König der Berge“ bedeutet. Und er ist Sitz zahlreicher Götter, wie es in den großen indischen Epen wie dem Ramayana erzählt wird. Bei Göttern besonders beliebt scheint der Kailash im Transhimalaya zu sein. Gleich vier Religionen handeln ihn als heiligsten Berg – die Hindus, Buddhisten, Jainisten und präbuddhistischen Bön. Dabei steht er heute ausgerechnet im Hochheitsgebiet der „gottlosen“ Chinesen.

Der Gipfel des Kailash wurde noch nie bestiegen, nicht einmal von Reinhold Messner – und das, obwohl er 1985 als erster Mensch eine Genehmigung zur Besteigung erhielt. „Nur wer frei von jeglicher Sünde ist, könnte das schaffen“, heißt es in Tibet – Messner verzichtete. Gläubige Buddhisten messen den 52 Kilometer langen Pfad um den Berg übrigens mit ihrer Körperlänge aus.

Kailash
Foto: Toni Siller
Pilger auf dem Weg zum Kailash im Transhimalaya

6. Der sagenumwobene Yeti ist vermutlich ein Braunbär (Falls nicht: Weibliche Yetis haben Hängebrüste)

Für Sherpas und Yak-Hirten aus Nepal, Bhutan und dem tibetischen Hochland steht es außer Zweifel: Der sagenumwobene Schneemensch existiert! Sie beschreiben das Fabelwesen als große Kreatur mit langem dunklem Fell und unangenehmem Geruch.

Auch Reinhold Messner wollte in den 1980er Jahren einen Yeti gesichtet haben, änderte dann aber seine Meinung radikal: Der Schneemensch sei schlicht ein Braunbär. Forscher aus dem Umfeld der Oxford-University scheinen diese Erklärung zu bestätigen. Sie untersuchten das Erbgut von 30 vermeintlichen „Bigfoot“-Haarproben. Fast alle Proben stammten von bekannten Säugetieren, insbesondere von Braunbären (zwei wiesen allerdings Ähnlichkeiten mit dem Erbgut urzeitlicher Eisbären auf). Der japanische Himalaya-Forscher Makoto Nebuka weist außerdem darauf hin, dass die Bezeichnung „Yeti“ nur eine dialektische Abwandlung des Wortes „Meti“, mit dem die Einheimischen einen Braunbären bezeichnen, sein könnte.

Für alle, die trotzdem noch Zweifel an der Nicht-Existenz des Yeti haben, noch ein wichtiger Tipp: Der bhutanische Schriftsteller Tsering Tashi empfiehlt, dass man vor weiblichen Yetis die Flucht bergab ergreifen sollte, weil ihre hängenden Brüste das Hinablaufen erschwerten. Im Fall eines männlichen Yetis heißt die Richtung bergauf – dann stolpert er nämlich über sein langes Fell.

Yeti
Foto: Nmnogueira/ Wikipedia
Angeblicher Yeti-Skalp im Kloster von Khumjung, Nepal

7. Tibeter haben ein Höhenluft-Gen

Das tibetische Hochland liegt auf über 4.000 Höhenmetern, wo die Luft rund 40% weniger Sauerstoff enthält als auf Meeresniveau. Tibeter sind auch bekannt dafür, dass sie dünne Höhenluft besser vertragen als beispielsweise europäische Himalaya-Reisende. Der Grund dürfte in einer Mutation ihrer Gene liegen, die sich vor etwa 8.000 Jahren zutrug. Bei etwa 88 Prozent der heutigen Tibeter ist diese Variation feststellbar. Sie bewirkt, dass bei Sauerstoffmangel die für den Sauerstofftransport zuständigen roten Blutkörperchen nicht anschwellen, was unter extremen Bedingungen zu Höhenkrankheit und Herzversagen führen kann. Ein Forscher-Team der Berkeley-Universität in Kalifornien fand heraus, dass keine andere Population moderner Menschen diese Gen-Variante (EPAS1) besitzt.

8. Im Himalaya leben die schwindelfreisten Tiger der Welt – auf über 4.000 m Höhe

Es war bekannt, dass Tiger an den Berghängen Bhutans ansässig sind – 2010 stellte sich heraus, dass sie sich noch viel höher hinaufwagen, als man es jemals vermutet hätte. Durch Berichte in Panik geratener Einwohner stutzig gemacht, besuchte Wildlife-Experte Alan Rabinowitz mit einer BBC-Filmcrew den besagten Ort auf über 4.000 Meter Höhe. Dort ging neben Füchsen, Affen, Schneeleoparden und Schwarzbären tatsächlich auch ein Tiger-Pärchen in die Kamerafalle. Um es vor Wilderern zu schützen, bleibt der genaue Standort geheim.

Bhutan
Foto: mauritius images/ Alamy
Tiger-Darstellung an der Wand eines buddhistischen Dzong-Klosters in Bhutan

9. Eine Everest-Expedition kostet fast soviel wie ein Einfamilienhaus

Zahlreiche kommerzielle Expeditionsveranstalter bieten heute Everest-Besteigungen für Hobbybergsteiger an. Die Kosten reichen von 28.950 Euro inklusive Flug und Hotel bis zu 75.000 Euro, inklusive Gipfelgebühr.

Bei den günstigen Angeboten muss freilich für diverse Zusatzleistungen draufgezahlt werden. Wer Sauerstoff braucht, legt circa 2.500 Euro für fünf Flaschen drauf, ein persönlicher Sherpa kostet etwa 5.500 Euro extra. Als Reaktion auf die wachsenden Müllberge auf dem Dach der Welt fordert die nepalesische Regierung mittlerweile von jedem Expeditionsteilnehmer eine „Müllkaution“ in der Höhe von 4.000 Dollar ein.

Basisilager des Mount Everest
Foto: Furtenbach Adventures
Basisilager des Mount Everest

Das Himalaya-Gebirge von oben

Dem Team von Teton Gravity Research ist es erstmals gelungen, die Himalaya-Gebirgskette von oben und in HD zu filmen. Die beeindruckenden Aufnahmen starten im Tal und enden am Dach der Welt.

The Himalayas from 20,000 ft.

The aerial cinema experts at Teton Gravity Research release the first ultra HD footage of the Himalayas shot from above 20,000 ft. with the GSS C520 system, the most advanced gyro-stabilized camera system in the world. Filmed from a helicopter with a crew flying from Kathmandu at 4,600 ft.

Mehr zum Thema

Reinhold Messner im Himalaya
Reinhold Messner folgt alten Handelsrouten, begegnet unterschiedlichsten Kulturen und erlebt die Schönheit des Himalaya zu Lande, zu Wasser und aus der Luft. Start seiner Reise ist Nepals Hauptstadt Kathmandu. Millionen von Gläubigen bevölkern zu Saga Dawa, dem höchsten buddhistischen Feiertag, ihre Straßen - und Reinhold Messner ist mitten drin.
Mount Kailash
Er wurde unzählige tausend Male umwandert, aber bis zum heutigen Tag noch nie bestiegen: Der Kailash. Einer Pyramide gleich und ganzjährig mit Schnee bedeckt ragt er im tibetischeen Gangdisê-Gebirge rund 6.700 Meter hoch. Er beeindruckt nicht nur durch seine außergewöhnlich symmetrische Form, sondern auch durch die mystische und spirituelle Dimension, die ihm Pilger, Gläubige und Abenteurer seit jeher zuschreiben.  
Mount Everest: Die Saison ist eröffnet
Heute ist es soweit: Das Expeditionsteam von Furtenbach Adventures setzt zum Gipfelsturm an. Die letzte Nacht hat es knapp unterhalb der sogenannten Todeszone auf 7.920 m in Camp 4 am Mount Everest verbracht. Im 3. Teil unseres Interviews sprechen wir mit Expeditionsleiter Lukas Furtenbach über Reinhold Messner, Selbstbetrug und die Berechtigung von künstlichen Hilfsmitteln.
Khan Tengri (7.010 m), „The Serp“
Charakteristische Nebengipfel, delikate Details, steinerne Muster – einige Berge sind mit einem besonderen Blickfang ausgestattet, der ihrem höchsten Punkt glattweg die Schau stiehlt. Wir stellen euch zehn besonders faszinierende „Nebendarsteller“ im Ensemble der Weltberge vor.

Bergwelten entdecken