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Fund am Gletscher

Wie ein altes Fahrrad auf 3.000 Meter entdeckt wurde

• 22. Mai 2019

Vroni und Susi betreiben den Bergsteiger-Blog Berghasen. Im Sommer 2018 entdeckten sie auf einer Hochtour in den Ötztaler Bergen auf 3.000 Meter ein altes Fahrrad, das aus dem Gletscher ausgeapert ist. Auch wenn es nicht so alt ist wie Ötzi, so ist der Fund geschichtlich dennoch extrem wertvoll. Die Geschichte des Rades werden wir hier in den nächsten Wochen erzählen – auch mit eurer Hilfe: Wir rufen nämlich Kinder zwischen 8–12 Jahren zu einem Schreib-Wettbewerb um das Gletscherrad auf! Einsendeschluss ist der 30. Juni.

Das Gletscherrad an seinem Fundort in den Ötztaler Alpen
Foto: Ötztaler Museen
Das Gletscherrad an seinem Fundort in den Ötztaler Alpen
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Susi, Vroni, auf welcher Tour seid Ihr denn unterwegs gewesen, als Ihr das Rad gefunden habt?

Wir waren für ein Wochenende in Obergurgl im hinteren Ötzal und sind von dort auf Hochtouren gestartet. Die Landschaft der Dreitausender dort ist sehr eindrücklich, aber das Gebiet ist nicht wirklich bekannt für seine Hochtouren. Es ist fast schon ein Geheimtipp. Einmal abgesehen von den Schafen waren es recht einsam von der Hohen Mut Richtung Rotmoosferner. Und dort, auf 3.000 Meter lag plötzlich – verrostet und verbogen – das Rad vor uns.

Was schießt einem da durch den Kopf?

Ehrlich? Wir waren zwei Wochen davor ein Stückchen weiter an der Ötzi-Fundstelle und haben dort noch gewitzelt, dass wir Ötzis Frau finden werden. So fingen wir schnell mit der Scherzerei an, dass das Ötzis Radl ist. Nein, klar wir waren verwundert und haben rumgerätselt. Wir konnten es auch zeitlich schlecht einordnen. Wir dachten dann, ob es womöglich aus Kriegszeiten stammen könnte.

Das Gletscherrad auf seiner letzten Talfahrt
Foto: Ötztaler Museen
Das Gletscherrad auf seiner letzten Talfahrt

Was habt Ihr dann gemacht?

Natürlich haben wir es erst einmal fotografiert und als wir zurück in Obergurgl waren, berichteten wir unserem Hotelier Ronald Ribis davon. Er ist auch Bergführer und entsprechend kennt er die Geschichte der Berge. Er erzählte uns gleich Geschichten aus der Schmugglerzeiten – zum Beispiel, dass noch immer vier Schmuggler vermisst werden, die man noch nicht gefunden hat.

Da war Euch bewusst, dass das Rad historisch spannend sein könnte?

Ja, das war uns zuvor nicht so klar, aber es ist ein bedeutender geschichtlicher Fund. Der Gletscher erzählt auch seine Geschichte. Das ist schon spannend und weckt fast schon einen Entdeckerdrang.

Die Berghasen Susi und Vroni unterwegs am Seelenkogel
Foto: Berghasen
Die Berghasen Susi und Vroni unterwegs am Seelenkogel

Ihr seid so viel in der Bergwelt unterwegs: Hat man da ein Bewusstsein für die Veränderungen, speziell in diesen Höhen?

Natürlich werden wir damit konfrontiert, gerade in diesen Gegenden. Lange Zeit war der Rückgang der Gletscher nur schwer greifbar für uns. Wenn du dort nicht vor Ort lebst, dann siehst du die Veränderung auch nicht. Aber je älter man wird und je öfter man sich in hochalpinen Regionen bewegt, desto bewusster wird einem der Wandel. Auch wenn für uns das sportliche Erlebnis im Vordergrund steht, so gibt es wohl kaum einen Bergsteiger, der nicht über den Tellerrand hinausblickt und reflektiert. Wir können das nicht ausblenden. Und bei uns hat sich jetzt auch das Bewusstsein geschärft, was wir alles noch erleben möchten – bevor es verschwindet.

Geht Ihr denn jetzt auch mit einem anderen Auge über die Gletscher?

Ja, sicherlich. Wie gesagt: Der Entdeckerdrang ist geweckt. Wer weiß, was das Gletschereis noch alles frei gibt.

Vielen Dank für Eure Zeit – und viele schöne Touren diesen Sommer!

Schreibwettbewerb für Kinder

Wie kam das Rad auf den Gletscher? Lasst Eure Fantasie spielen und schickt uns noch bis 30. Juni Eure Geschichten! Alle Infos gibt es hier:

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