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Skitouren: Die richtige Gehtechnik

Tipps & Tricks • 17. Januar 2018
von Peter Plattner

Der Aufstieg mit Fellen unter den Skiern ist einfach – jeder Mensch der gehen kann, kommt damit einen Berg hinauf. Es gibt aber einige Kniffe, die aus einem kräftezehrenden Hinaufkämpfen mit rutschenden Fellen einen ökonomischen, entspannten und vor allem auch sicheren Aufstieg machen.

Skitouren Gehtechnik
Foto: argonaut.pro
Skitourengehen: Auf die richtige Technik kommt es an

Die Unfallursache Nummer 1 beim Skitourengehen – ein Sturz bzw. Absturz – passiert zwar überwiegend bei der Abfahrt, regelmäßig kommt es aber auch im Aufstieg durch Abrutschen der Felle o. Ä. dazu. Nicht nur Einsteiger, auch Menschen die seit zig Jahren Skitouren gehen, haben sich oft nie wirklich mit der grundlegenden Gehtechnik beschäftigt. Das kann bis zu einem gewissen Grad durch Kraft und Hartnäckigkeit ausgeglichen werden, doch erstens macht das weniger Freude und zweitens funktioniert das spätestens im schwierigen Gelände (eisiger Hang, exponierte Spitzkehre etc.) nicht mehr.


1. Kräfte sparen mit guter Technik

Erfahrene Skitourengeher bewegen sich unabhängig von der Steilheit gleichmäßig und flüssig. Egal ob langsam oder schnell – ein gleichmäßiges Tempo ist der Schlüssel zum Erfolg bzw. zum effizienten Aufsteigen.

Skitouren Gehtechnik
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Einige Voraussetzungen für ein kraftsparendes und sicheres Gehen mit Fellen: großzügige Schritte, gebeugte Knie, der hintere Ski wird mit permanentem „Bodenkontakt“ nachgezogen und der Körperschwerpunkt liegt immer über dem belasteten Ski

Dabei werden eher große Schritte gemacht, die Knie gebeugt und vor allem: die Skier selbst nicht angehoben! Dieses Anheben ist ein klassischer Fehler, der nicht nur bei Anfängern oft gesehen wird. Die modernen Pin-Bindungen besitzen einen so guten Abrollpunkt, dass beim Gehen das Fell nahezu immer in Kontakt mit dem Schnee bleiben kann, der Ski wird am Boden liegend „nachgeschliffen“. Das Anheben des Skis bei jedem Schritt ist nicht nur äußerst anstrengend, sondern bei einer heiklen Spur (z.B. harte Querung) auch gefährlich, weil der Ski nicht präzise der Schneeoberfläche entlang geführt werden kann, sondern jedes Mal aufs Neue „hingeklatscht“ werden muss – ein sauberes, präzises Gehen ist damit unmöglich.

Beim Aufsteigen mit den Fellen gilt es, seinen persönlichen Rhythmus zu finden und sich dabei von den anderen nicht irritieren zu lassen. Tatsächlich sprechen viele Tourengeher hier begeistert von meditationsähnlichen Zuständen.

Doch Obacht: Die Umgebung möchte nicht ausgeblendet werden. Und hartnäckig einer vorhandenen Spur zu folgen, wird irgendwann nicht nur langweilig, sondern ist oft auch gar nicht der beste Aufstiegsweg.


2. Spuranlage

Es gilt, das Gelände bestmöglich auszunutzen, denn eine sich harmonisch dem Gelände anpassende Spur benötigt am wenigsten Kraft und ist oft auch die sicherste. Wie beim Bau einer Passstraße gilt es „Schwachstellen“ zu finden und steilen Hangpartien möglichst auszuweichen.

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Foto: argonaut.pro
Die Aufstiegsspur ist wie eine Visitenkarte: es gilt das Gelände optimal auszunutzen um eine gleichmäßig ansteigende Spur zu legen, die möglichst ohne Spitzkehren auskommt und Gefahrenstellen – etwa Gletscherspalten – ausweicht

Das gelingt gut, wenn die Steighilfe der Bindung extrem sparsam eingesetzt wird. Generell wird diese Steighilfe nur selten benötigt und sinnloser Weise oft viel zu früh hochgeklappt. Im flachen Gelände ist das Gehen damit aber sehr anstrengend, vergleichbar dem Laufen in High Heels. Die großen Stufen der Steighilfe benötigt man übrigens nie wirklich (es sei denn, man muss eine steilere Piste hinaufgehen).

Über die – etwas länger eingestellten – Stöcke unterstützen wir den Aufstieg, besonders dann, wenn die Spur rutschig ist oder es eine kurze Aufsteilung gibt. Apropos: Falls das Fell die Haftung verliert und Sie zurück zu rutschen beginnen, machen Sie nicht den Fehler, sich instinktiv nach vorne zu beugen. Damit hat das Fell noch weniger Druck und Sie rutschen komplett weg. Richtig ist es, zentral über der Bindung stehen zu bleiben, die Fersen zu belasten und cool zu bleiben – die Rückwärtsfahrt wird so gestoppt, meistens.

Skitouren Gehtechnik
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Die Stöcke aktiv verwenden: ein etwas tiefer gefasster Berg- und von oben gegriffener talseitiger Skistock unterstützen das Gleichgewicht und erlauben es die Felle auch bei Steilstücken satt über die Ferse zu belasten, damit sie einen optimalen Gripp bekommen und nicht nach hinten wegrutschen.

Man sollte nicht über die viel zu steile Aufstiegsspur schimpfen, sondern sie verbessern. Dazu geht man etwas flacher, quert etwas weiter und macht dann anstelle einer Kraft raubenden Spitzkehre einen eleganten Bogen.

Das macht nicht nur Spaß, man bekommt so auch ein Gefühl für das Gelände – und für den Schnee: Denn folgt man nur der niedergetretenen Spur, „spürt“ man den unberührten Schnee nicht, und man kann nicht feststellen, ob er locker oder schon etwas fester (gebunden) ist, ob man tief einbricht oder er noch gut trägt. Und das sind wichtige Informationen zur Beurteilung der Lawinensituation und des Abfahrtsvergnügens.

Wer aber bei einer Modeskitour den verspurten Bereich verlässt, dem muss auch klar sein, dass sich die Lawingefahr erhöht.

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„Bogen-gehen“ – die kraftsparendste Richtungsänderung: aus der Querung einen Ski ausstellen und mit wenigen Schritten über die Falllinie in die neue Richtung gehen

3. Die Spitzkehre

...ist nur dann schwierig, wenn man sie anfangs nicht ordentlich erklärt bekommt und sich dann eine falsche Technik einlernt. Gute Tourengeher kommen bei einer Spitzkehre weder aus ihrem normalen Geh- noch Atemrhythmus und können ihre Skier sehr exakt positionieren – was vor allem bei harten Schneeverhältnissen die Sicherheit erhöht. Bei vielen Touren hat ein Absturz im Spitzkehrengelände oft fatale Folgen. Deshalb ist steiles Gelände nur für Personen geeignet, die souverän Spitzkehren gehen können.

Richtig durch die Spitzkehre in 3 Schritten:

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Die Spitzkehre ist einfach – wenn man sie richtig macht: (1) Aus der Querung einen flachen hangparallelen „Parkplatz“ festtreten und sich stabil hinstellen
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(2) Beide Stöcke stabil in den Schnee rammen und den bergseitigen Ski „scheibenwischermäßig“ umsetzen
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(3) Das Gewicht auf diesen Ski verlagern – immer noch auf den Stöcken abgestützt – und den zweiten Ski durch anheben der Ferse in die neue Richtung bringen

4. Pause

Zur Gehtechnik oder genauer -takik auf Skitouren gehört auch eine clevere Wahl der Pausen. Das ganze macht mehr Freude wenn man Kräfte und Konzentration gut einteilt.

Es gibt zwei Arten von Pausen:

  • Eine kurze, die einige Minuten dauert, um etwas zu trinken, eine Bekleidungsschicht auszuziehen oder den Weiterweg zu besprechen; dabei bleibt der Puls oben, der „Motor warm“. Solche Pausen wird man öfter einlegen.
  • Und eine längere, zum Rasten und Erholen. Dabei wird man die Skier ausziehen, sich etwas Warmes überziehen und in Ruhe einen Riegel essen und etwas trinken. Die Gipfelrast ist ein gutes Beispiel für diese Pause. Allerdings ist das windexponierte Gipfelkreuz der komplett falsche Ort, um eine längere Pause einzulegen: Hier gilt es, einen passenden Platz zu finden, der windgeschützt und absturzsicher (pinkeln!) ist, vor allem aber in der Sonne liegt.
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Wer gleichmäßig und mit guter Technik geht spart Kraft und benötigt weniger Erholungspausen. Spätestens am Gipfel – oder einem geschützten Platz darunter – heißt es aber sich für die Abfahrt herrichten, etwas trinken und essen, vor allem aber den Moment und die Zeit mit Freunden genießen

Wie oft welche Pausen eingelegt werden, hängt von der Gruppe ab. Hier gilt es, ein Klima zu schaffen, in dem auch das schwächste Gruppenmitglied ohne blöde Kommentare eine Pause verlangen darf. Im Idealfall ist dies aber gar nicht nötig, nämlich wenn die erfahrenen Mitglieder erkennen, wann jemand eine Rast benötigt und von selbst stehen bleiben.

Erfahrungsgemäß empfiehlt es sich, nach den ersten 15 bis 20 Minuten, wenn der Körper warm gelaufen ist, kurz stehen zu bleiben, um eine Bekleidungsschicht auszuziehen.


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