Von Höhe und Schwierigkeit

Sind hohe Berge auch die schwierigsten?

Blog • 12. August 2016
von Christina Geyer

Hohe Berge haben so etwas an sich. Etliche wollen auf ihnen stehen und sich mit einem Gipfelfoto brüsten. Da darf man schon einmal fragen, warum das eigentlich so ist. Sind die hohen Berge wirklich auch die schwierigsten?

Großglockner im Nationalpark Hohe Tauern
Foto: mauritius images / Gerhard Wild
Der höchste Berg Österreichs: Der Großglockner (3.798 m) im Nationalpark Hohe Tauern

Die höchsten Berge des Alpenraums haben eine magische (fast schon magnetische) Wirkung auf ambitionierte Bergsteiger. Während die höchsten Berge der Welt, also jene Erhebungen über 8.000 m, allein schon aufgrund ihrer Höhe mit ganz anderen Herausforderungen aufwarten, stellt sich bei den höchsten europäischen Bergen schon die Frage, ob sie allein aufgrund ihrer Höhe auch schwierig sein müssen.

Eine Spurensuche

Es ist so eine Sache mit der Klassifizierung von Bergen, denn die lassen sich in der Regel gar nicht so leicht einteilen und kategorisieren. Für Georg Rothwangl vom Österreichischen Alpenverein ist der Fall klar: „Bergsteigen ist (noch) eine Männerdomäne – und Männer stehen halt sowas von auf Messen, Längenvergleiche, Zahlen und Statistiken.“

Zurechnung und Schwierigkeit folgen aber keiner genauen Definition. Insbesondere Grenzberge stiften Verwirrung, wenn es darum geht, Superlativen festzulegen. Ein Beispiel: Mit 2.995 m ist eigentlich der Dachstein der höchste Berg der Steiermark. Aber: Er liegt eben nicht nur in der Steiermark, sondern auch in Oberösterreich. Geht es nun also darum, die höchste geteilte Erhebung zu definieren oder jene, die zur Gänze in einem Bundesland allein liegt? Dann nämlich wäre die Hochwildstelle (2.747 m) der höchste Berg der Steiermark.

Damit jedoch nicht genug. Auch die Beurteilung von Schwierigkeit und Beanspruchung unterliegt keinem exakten Berechnungsmuster. Ist die technische Schwierigkeit gemeint? Der Schwierigkeitsgrad der kniffligsten Stelle? Die Gesamtschwierigkeit? Die Dauer der Tour?

Zugspitzmassiv im Wettersteingebirge
Foto: Freeimages/Beate W
Bayerisches Wettersteingebirge: Alpenpanorama vom Zugspitz-Massiv aus

Allein in Österreich gibt es knapp 700 Berge mit einer Höhe von über 3.000 m, davon übrigens 573 in Tirol. Es ist nahezu unmöglich, eine solche Vielzahl an Bergen chronologisch nach Schwierigkeit zu ordnen. Die Popularität eines Gipfels gibt nur wenig Auskunft über seine Schwierigkeit.

Der Großvenediger (3.657 m) etwa ist „nur“ der fünfthöchste Berg Österreichs, aber um ein Vielfaches häufiger bestiegen als die dritthöchste Erhebung, die Weißkugel (3.738 m). Das liegt nun aber weniger an der technischen Machbarkeit als an der Erschließung. Der Großvenediger ist nicht nur leichter zu erreichen als die Weißkugel, er bietet auch gleich drei Hütten als Stützpunkt entlang seiner Aufstiegsroute.

Das Verrückte an den höchsten Bergen, die fälschlicherweise oft im selben Atemzug als die schwierigsten genannt werden, ist, dass „alle hohen Berge relativ einfach zu erreichen sind“, wie Georg Rothwangl erklärt. „Ganz selten ist der Normalweg schwieriger als IV (Schwierigkeitsskala UIAA) – also mit Bergführer für so ziemlich jeden machbar.“

Unser Fazit: Die Höhe eines Berges gibt nicht unbedingt Auskunft über seinen Schwierigkeitsgrad. Auch die Popularität eines Gipfels ist in der Hinsicht wenig aussagekräftig. Oft sind es die versteckten, vielfach unbeachteten Berge wie der Große Törlwieskopf (2.374 m) am Hochkönig in Salzburg oder der Kleine Buchstein (1.990 m) im Gesäuse, die technisch um vieles herausfordernder sein können als die mitunter gut erschlossenen Gipfel mit klingenden Namen.

Das könnte dich auch interessieren

Kurz hinter der Höllentalangerhütte, die Plattenfluchten des „Bretts“ bereits im Blick.
Die Besteigung des höchsten Gipfels in Deutschland, der 2.962 m hohen Zugspitze, durchs Höllental ist Wanderung, Klettersteig, Gletscher- und Hochtour in einem. Durch den großen Höhenunterschied bleibt die Tour immer eine große Herausforderung! Gemeinsam mit der Berg- und Skischule „vivalpin“ haben wir diesen Klassiker unter den grandiosen Bergtouren für euch zusammen gestellt. 
Bergwelten am Großvenediger
175 Jahre Erstbesteigung

Bergwelten am Großvenediger

Der Nebel hat uns längst verschlungen. Wir stapfen durch schweres Grau, ohne erkennbaren Anhaltspunkt, ohne Orientierung. Wo der Himmel aufhört und der Schnee beginnt, wissen wir schon seit Stunden nicht mehr. Der Großvenediger zeigt sich uns von einer bitterkalten Seite.
Maggy & Anja und der Gran Paradiso vom Rifugio Chabod
82 Viertausender gibt es in den Alpen. Die meisten befinden sich in der Mont Blanc-Gruppe oder im Monte Rosa-Massiv. Also dort, wo es auch uns noch im Rahmen unseres 7 European Summits-Projekts hinführen wird. Wir starten erst einmal mit einem gemütlichen Viertausender in den Grajischen Alpen, dem klangvollen Gran Paradiso (4.061 m) in Italien.
Überdimensionierter „Aussichtskarabiner“ am  Start der Tour zum Triglav
7 European Summits

Grande Finale am Triglav

Der Triglav ist mit 2.864 Metern der höchste Berg Sloweniens und der Julischen Alpen. Kaum so hoch wie die Zugspitze, bietet dieses im Herzen des wunderschönen Triglav-Nationalpark gelegene Massiv dennoch eine große alpine Vielfalt und sogar einen Gletscher. Erzählungen nach, muss jeder Slowene einmal in seinem Leben neben dem „Aljažev stolp“ gestanden haben. Dieses Wahrzeichen markiert den höchsten Punkt des Landes und ist kein Kreuz, sondern eine winzige Schutzhütte mit Rundumpanoramablick – und unser letztes Ziel im Rahmen unseres Seven European Summit Projektes.

Bergwelten entdecken