Bergsteigerdorf

Sachrang und Schleching – Bayerische Bergsteigerdörfer am Geigelstein

Wissenswertes • 1. August 2017
von Christina Schwann

Das zweite Deutsche Bergsteigerdorf sind eigentlich zwei Orte, die sich aber durch den Geigelstein in den Chiemgauer Alpen so verbunden fühlen, dass sie gemeinsam als ein Bergsteigerdorf auftreten.

Geigelstein Sachrang Bergsteigerdorf
Foto: Chiemgau Tourismus e.V.
Der Geigelstein verbindet und bietet wunderbare Fernsichten

Wie ein Berg zwei Gemeinden verbindet? Ganz einfach, er steht in der Mitte. Flankiert von Schleching mit 569 m im Achental auf der Ostseite und Sachrang mit 738 m im Priental westlich befindet sich der wohl bekannteste Berg des Chiemgaus, der Geigelstein mit 1.808 m.

Verbunden hat die beiden Gemeinden vor allem der gemeinsame Kampf um den Geigelstein, um den Blumenberg des Chiemgaues: in den 1970er Jahren wollte man auf dem Berg ein Skigebiet errichten und die beiden Orte durch eine Skischaukel miteinander verbinden.

Heute sind beide Orte froh und mehr denn je miteinander durch das gemeinsame Naturschutzgebiet (seit 1991) verbunden – mehr als dies eine Seilbahn je hätte schaffen können. Diese Geschichte war wohl auch die Kehrtwende der beiden Orte. Bewusst wandte man sich vom Massentourismus ab und setzte fortan auf Eigenständigkeit, Identität und Brauchtum. Das Ergebnis ist nicht nur die Auszeichnung zum Bergsteigerdorf, sondern vielmehr ist es das Bewusstsein eines jeden Einheimischen, eine Heimat zu haben, die für nachfolgende Genrationen erhalten bleibt.

Sachrang und Schleching machen vor, wie Nachhaltigkeit gelebt werden kann, wie man den Dorfladen wieder revitalisiert, wie man Brauchtum und Tradition für die Dorfgemeinschaft nutzt, wie man den öffentlichen Verkehr ausbaut und Gäste einlädt, sich diese funktionierende Art von Tourismus anzusehen.

Sachrang im Priental

Dazu bieten die Orte nicht nur den Geigelstein als alpinistisches Ziel, sondern zahlreiche weitere Möglichkeiten für Sommer- wie Winteraktivitäten. Die Kampenwand, der Breitenstein, der Weitlahnerkopf und der Spitzstein – um nur einige zu nennen, die beiden Schutzhütten Priener Hütte und Spitzsteinhaus sowie das sanfte Alpenvorland im Norden bieten eine breite Palette an Aktivitäten vom Wandern, Bergsteigen, Klettern bis hin zu Schneeschuhwanderungen und Skitouren.

Beide Orte sind Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen in den Chiemgauer Alpen

Fakten zu Sachrang und Schleching:

  • Anreise Sachrang: mit der Bahn über Prien am Chiemsee nach Aschau, weiter mit dem Bus Nr. 9502 nach Sachrang; mit dem Pkw über die A8, Ausfahrt Frasdorf, weiter bis Aschau und Sachrang.
  • Anreise Schleching: mit der Bahn nach Prien am Chiemsee, weiter mit der RVO-Buslinie 9505; mit dem Pkw übe die A8, Ausfahrt Bernau oder Grabenstätt.
  • Höhenlage: Schleching: 569 m, Sachrang: 738 m
  • Gebirgsgruppe: Chiemgauer Alpen
  • Höchste Erhebungen: Geigelstein (1.808 m), Kampenwand (1.668 m), Btreitenstein (1.661 m)
  • Schutzhütten: Priener Hütte, DAV-Sektion Prien (1.410 m), Spitzsteinhaus, DAV-Sektion Bergfreunde München (1.252 m)
  • Weitere Informationen

Hütten und Touren

Priener Hütte
Hütte • Bayern

Priener Hütte (1.410 m)

Die Priener Hütte steht im Naturschutzgebiet Geigelstein oberhalb der Niederkaseralm in den Chiemgauer Alpen, nahe der Grenze zu Tirol. Das Haus, das 1974 auf 100 Schlafplätze ausgebaut und mit einer Großküche sowie Duschen ausgestattet wurde, hat 365 Tage im Jahr geöffnet. Im Sommer kommen gern Wanderer, Mountainbiker und Familien mit Kindern, im Winter Skitourengeher, Schneeschuhwanderer und Schlittenfahrer, die auf dem Forstweg nach Sachrang rodeln können. Das Haus ist Station der Chiemgau-Tour, auf der drei Tage lang von Hütte zu Hütte gewandert wird. Außerdem ist die Priener Hütte Teil der Via Alpina sowie des Adlerweges.   
Geöffnet
Ganzjährig
Verpflegung
Bewirtschaftet
Spitzsteinhaus
Das Spitzsteinhaus (1.252 m) ist eine große, bewirtschaftete Berghütte im Tiroler Teil der Chiemgauer Alpen. Sie liegt rund 40 Minuten unterhalb des Spitzsteingipfels auf einem Hang und bietet einen herrlichen Rundumblick auf die Zillertaler Alpen, Kufstein, das Kaisergebirge und die Hohen Tauern. Talort ist Erl. Sie ist ein idealer Stützpunkt für Bergwanderer, Mountainbiker und Skitourengeher. Aber auch für Familien stellt die Hütte ein lohnendes Tagesausflugsziel dar. Die Hütte ist außerdem ein gut besuchter Stützpunkt auf den Weiterwanderwegen Königssee-Bodensee und Maximiliansweg, und Teil der Chiemgautour und der Via Alpina.
Geöffnet
Ganzjährig
Verpflegung
Bewirtschaftet
Wandern • Bayern

Breitenstein-Gipfel

Dauer
5:45 h
Anspruch
T2 mäßig
Länge
11,4 km
Aufstieg
1.010 hm
Abstieg
1.010 hm

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