Wintersport im urbanen Umfeld

Rodeln in deutschen Großstädten

Touren-Tipps • 8. Februar 2016
von Uli Wittmann

Rodeln in der Großstadt? Das kann unterschiedlich ausfallen. Von langen wilden Ritten über den schneidigen Schlittenberg, bis zu Bummelfahrten über „Erhebungen“, gegen die jeder Maulwurfshügel wie die Eiger-Nordwand erscheint. Testen wir doch die 16 Landeshauptstädte auf ihre Rodeltauglichkeit. Los geht diese Serie mit den vier Bundesländern: Baden-Württemberg, Bayern, Berlin und Brandenburg.

Rodeln im Mauerpark in Berlin
Foto: mauritius images
Rodeln im Mauerpark in Berlin

Rodeln in Berlin

Von wegen überall nur platter märkischer Sand. Berlin überzeugt mit seinen Rodelqualitäten. Ein Magnet für alle Schlittenfreunde in der Bundeshauptstadt ist der Teufelsberg. Er besteht aus Kriegsschutt, und zwar 26 Millionen Tonnen davon. Hier in Wilmersdorf rasen bei der ehemaligen Abhörstation die Schlittenfahrer hinunter. Atemberaubend ist auch der Blick über Berlin!
Der allseits beliebte Volkspark Friedrichshain wird auch von Schlittenpiloten geschätzt. Gut 150 Meter lang ist die dortige Rodelbahn. Sie führt von Hügel herab, auf dem im Krieg zwei riesige Flaktürme standen. Jetzt ist der Mont Klamott, so die Bezeichnung der Berliner, im Winter ein Treffpunkt für groß und klein. Berlin bietet am Hahneberg eine Rodelbahn mit mehr als 500 Metern und noch viele andere Schlittenberge. Die Goldmedaille geht somit ganz klar an die Spree!
 
Rodeltour: Teufelsberg Berlin
 

Brandenburg: Schlittenfahren in Potsdam

 Da haben die Potsdamer mit dem Park Babelsberg eine wundervolle grüne Lunge und dann ist dort, offiziell, das Rodeln verboten. Im Wildpark bieten sich einige lohnende Rodelpisten. Ebenfalls rasante Rodelbahnen bieten sich im Potsdamer Forst. Hier ist der Telegrafenberg der Hotspot für alle Schlittenpiloten. Flott geht es vom Ruinenberg hinunter. Das Angebot an offiziellen Schlittenhügeln ist eher durchwachsen. Potsdam darf sich über einen gerade noch Mittelfeldplatz freuen!
 
Rodeltour: Wildpark Brandenburg
 

Schloss Solitude bei Stuttgart
Foto: mauritius images/ Markus Lange
Schloss Solitude bei Stuttgart

Baden-Württemberg: Rodeln in Stuttgart

Carl Eugen, Herzog von Württemberg, wollte im Sommer Schlittenfahren und ließ dafür Salz in der Solitudeallee aufschütten. So die Legende. Die wahrscheinlich beliebteste Rodelbahn in der Landeshauptstadt Stuttgart ist vor dem Schloss Solitude. Sie ist perfekt für Familien. Es geht eher moderat bergab – dafür hält das Schlittenvergnügen lange an, befindet man sich doch auf der wahrscheinlich längsten Schlittenbahn der Neckarmetropole.
Offiziell ist die Rodelbahn bei der Wernhalde im Stadtteil Degerloch. Wer hier durch die Waldabfahrt zur Bopserhütte brettert, sollte seinen Schlitten gut im Griff haben.
Ein beliebter Familientreff im Schnee ist der Bismarckturm am Gähkopf. Wer hier oben auf 409 Metern Höhe steht, hat einen tollen Blick auf Stuttgart. Die Rodelbahn ist eher kurz, aber breit genug, damit die großen und kleinen Schlittenfahrer einander ausweichen können.

Ein Höllenritt für fortgeschrittene Rodler ist der Wangener Höhenweg hinunter ins Neckartal. Mit solchen tollen Rodelbahnen, gehört Stuttgart ganz klar zu den vorderen Plätzen im Rodelbahn-Ranking der Landeshauptstädte. Zu einem Medaillenplatz fehlt aber ein Stückchen.
 
Rodeltour: Schloss Solitude Stuttgart
 

Der winterliche Olympiapark in München
Foto: mauritius images/ Günter Lenz
Der winterliche Olympiapark in München

Bayern: Rodeln in München

Was die Rodelqualität angeht, ist die bayerische Landeshauptstadt ein klarer Medaillenkandidat. Trotz gescheiterter Olympiabewerbung. Womit wir beim Thema sind. Eine positive Hinterlassenschaft der Olympischen Sommerspiele 1972 in München ist der Olympiapark. Die Münchener lieben ihn. Im Winter treffen sich hier alle, die gerne rodeln und dabei in der Stadt bleiben wollen. 56 Meter erhebt sich der Olympiaberg. Er besteht aus Schutt von im Krieg zerstörten Häusern. Heute ist der Olympiaberg, von Einheimischen „Großer Schuttberg“ genannt, der höchste Berg Münchens; wenn wir den okkupierten Wallberg am Tegernsee und Herzogstand am Kochelsee, außen vor lassen. Auf dem Olympiaberg findet sich für jeden Rodler die passende Strecke. Von rasant steil bis hin zu bajuwarisch gemütlich ist alles dabei.

Die Isar-Metropole bietet eine Menge Rodelbahnen, die auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind. Der Luitpoldberg („kleiner Schuttberg“), die Maximiliansanlagen an der Isar oder der Hügel zu Füßen der Bavaria an der Theresienwiese. Hier entleeren im Spätsommer betrunkene Oktoberfestbesucher gerne ihre flauen Mägen. Egal, im Winter ist alles wieder weg. München bekommt für seine vielfältigen Rodelbahnen die Silbermedaille!
 
Rodeltour: Olympiaberg in München
 

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