Reportage

Neue Seethalerhütte – die Bauarbeiten in 2.740 m Höhe gehen weiter

Reportage • 16. Juli 2018
von Christina Schwann

Im Juli 2017 wurde bei Graupelschauer und gerade einmal 3 Grad plus der Spatenstich für den Ersatzbau der Seethalerhütte am Dachstein gesetzt (wir haben berichtet). Christina Schwann war nun neuerlich auf der Baustelle auf 2.740 m und hat sich den aktuellen Baufortschritt angesehen.

Baustelle Seethalerhütte auf 2.740 m, Anfang Juli 2018
Foto: Christina Schwann, ökoalpin
Baustelle Seethalerhütte auf 2.740 m, Anfang Juli 2018

Eigentlich wäre geplant gewesen, im Jahr 2017 die Untergeschosse zu betonieren und den Holzbau aufzustellen – ja, eigentlich. Aber wie so oft im Gebirge spielte auch dieses Mal das Wetter nicht mit. Während für die Aushub- und Betonarbeiten Regen und Nässe eher ein kleines Problem darstellen, muss der Holzbau in einem Zug und das möglichst bei trockenen Bedingungen aufgestellt werden. Als „Deadline“ für die Entscheidung, ob der Holzbau im Jahr 2017 noch aufgestellt werden kann, galt Mitte August. „So eine ‚Stop or Go’-Entscheidung zu treffen, ist schwierig. Keiner von uns kann das Wetter über mehrere Wochen voraussehen,“ so Georg Unterberger vom Österreichischen Alpenverein. „Aber im Endeffekt war die Entscheidung richtig, denn während des Sommers hatten wir drei Wintereinbrüche mit bis zu 3 m eingewehtem Schnee in der Baugrube. Dazu kommen häufig starke Höhenwinde und Nebel, der die Baustelle binnen Minuten völlig einhüllt. Mehr als einmal musste der Hubschrauber unverrichteter Dinge wieder abdrehen“, wie Gerhard Steger, Leiter der Baufirma STEGER Bautauf, ergänzt.

Die Baustelle wurde somit am 18.10.2017 – ironischerweise bei strahlendem Sonnenschein - dichtgemacht und wenig später deckte der Schnee erst einmal alles wirklich zu.

Bagger im Schnee, Sommer 2017
Foto: Gerhard Steger, FA STEGER Bautauf
Bagger im Schnee, Sommer 2017

Wiederaufnahme der hochalpinen Baustelle

Am 20. Juni 2018 war es dann soweit: Die Baustelle wurde vom Schnee frei geschaufelt, das Wetter war strahlend und der erste Hubschrauberflug konnte durchgeführt werden. In nur zwei Tagen wurden 140 Kubikmeter Bauholz auf die Baustelle geflogen. Dabei sind die im Tal gefertigten Modulteile bis zu 10 m lang, 2,70 m breit und bis zu 1,5 Tonnen schwer.

Solch große und schwere Teile zu transportieren, bringt auch den Hubschrauber an seine Grenzen. Die unberechenbaren Höhenwinde, die speziell im Bereich der Südwand des Dachsteins auftreten, und der eigene Downwash verlangen dem Piloten und der Bodenmannschafft vollste Konzentration ab.

Wiederaufnahme der Baustelle Mitte Juni 2018
Foto: Gerhard Steger, FA STEGER Bautauf
Wiederaufnahme der Baustelle Mitte Juni 2018

Erfahrung und Teamarbeit

Erfahrungen konnte die Baufirma Steger und ihre Mitarbeiter u.a. bereits beim kürzlich fertiggestellten Zubau der Salmhütte am Großglockner – wir berichteten – sammeln. Hier war das gleiche Team am Werk: die gleichen Architekten, Stephan Hoinkes und Thomas Heil von dreiplus, sowie die Baufirma Steger mit ihrer Mannschaft. Ein eingespieltes Team und ein Erfolgsrezept, wie der in den folgenden Tagen zügig, Nebel und einem Italien-Tief zum Trotz, aufgestellte Holzbau beweist.

Immer wieder muss der unfertige Holzbau aufgrund schlechten Wetters eingepackt werden.
Foto: Christina Schwann, ökoalpin
Immer wieder muss der unfertige Holzbau aufgrund schlechten Wetters eingepackt werden.

Freitag, der 13. Juli 2018

Ein Glückstag? Jedenfalls kein Unglückstag, denn am Freitag, den 13. Juli 2018 wurden die letzten Dachelemente des Rohbaus versetzt und ein wesentlicher Meilenstein konnte abgeschlossen werden. Ein Fichtenbäumchen aus dem Tal ziert nun den First und – ganz der alten Zimmermannstradition entsprechend – wurde ein Firstbrief mit den Namen aller Mitwirkenden handschriftlich verfasst und im Dach eingebaut.

Noch ist der Holzbau mit Folie eingepackt, denn allzuviel Wasser sollte er nicht abbekommen. In den folgenden Tagen und Wochen – das hängt immer vom Wetter ab und am Dachstein ganz besonders – wird die Holzfaserdämmung angebracht, die Fassade aus steingrauen Aluschindelplatten verschraubt – pro Platte übrigens 9 Mal (!), um den Starkwinden am exponierten Hüttenstandort standzuhalten – und das Kellergeschoss mit Aushubmaterial eingeschüttet. Damit sind die stark wetterabhängigen Bauphasen abgeschlossen und etwas entspannter kann der Innenausbau in Angriff genommen werden.

Die Einweihung der neuen Hütte ist für Dezember 2018 geplant, wo sie gleich auf ihre Wintertauglichkeit getestet werden kann.

Montage der letzten Dachplatte
Foto: Gerhard Steger, FA STEGER Bautauf
Montage der letzten Dachplatte

„Jetzt kann i mir des a vorstelln“

Hüttenwirt Wilfried Schrempf – ein Bär von einem Mann und anfangs skeptisch ob des neuen modernen Baus – ist nun den Tränen nahe, wenn er durch den Rohbau schreitet – alles auf Video festhaltend – und schon genau weiß, wo sein Bett stehen wird, er seine kleine Büroecke einrichten wird, wie die Küche aussehen muss, und, und, und…. „Jetzt kann i mir was drunter vorstellen, jetzt hab i ehrlich a Gaudi damit!“

Und auch Richard Goldeband, Hüttenreferent des Alpenverein Austria, freut sich auf die neue Hütte, die innovative Technik und die speziellen Raffinessen, die sich Stephan Hoinkes und Thomas Heil haben einfallen lassen, um die Hütte bestmöglich inkl. Winterraum zu nutzen. Aber dazu mehr im nächsten Bericht!

Dank der Zurverfügungstellung zahlreicher Bilder von Gerhard Steger (Baufirma STEGER Bautauf) gibt’s hier noch eine Fotogalerie, die den Fortschritt der Bauarbeiten seit dem Spatenstich dokumentiert.

So hat alles angefangen: Spatenstich am 24. Juli 2017

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