Reise Korsika Outdoor Wandern
Foto: Andreas Brunner
Reise

Korsika – die wilde Insel im Mittelmeer

Reise • 11. Mai 2020

Jenseits seiner Traumbuchten lockt Korsika mit Canyons, Gumpen und wilden Brombeeren. Andreas Brunner und seine Freunde haben Wanderschuhe, Klettersachen und Schnorchel eingepackt und das Outdoor-Paradies im Mittelmeer erkundet.  

Bericht: Andreas Brunner

Wenn man Korsika über den Wasserweg erreicht ist der Ankunftsort in den meisten Fällen Bastia im Nordosten der Insel. Wir haben uns für eine Nacht-Fähre aus Savona entschieden. Es ist Mitte September, der größte Touristenandrang der Hochsaison im Juli und August ist bereits vorbei, die Wassertemperatur des Meeres angenehm warm und die der Flüsse weniger frostig als im restlichen Jahr. Die herrlichen Strände lassen wir vorerst aber links liegen und fahren stattdessen über eine der vielen engen und kurvenreichen Bergstraßen ins Herz der Insel. Mitten hinein in die schroffe Gebirgswelt.

Obwohl unser Navi irgendwann nur noch knapp 40 Kilometer bis zu unserem Zielort, dem Camping Tuani im Restonica-Tal, anzeigt, haben wir noch über eine Stunde Fahrt vor uns. Ein Umstand, an den man sich auf Korsika gewöhnen sollte. Dafür verlaufen die Straßen durch wunderschöne Landschaften, die man unterwegs ausgiebig genießen sollte.

Die Stadt Corte im Herzen Korsikas

Die zentral auf der Insel liegende Stadt Corte im Restonica-Tal ist quasi das Sprungbrett in die Berge. Im Umkreis finden sich jede Menge Wander-, Bade-, Kletter- und Canyoning-Möglichkeiten auf engstem Raum. Wir staunen nicht schlecht als wir am Ausgangspunkt für eine Wanderung zu den beiden Seen Lac de Melo und Lac de Capitello einen vollen Parkplatz vorfinden. Vermutlich ist es die Einfachheit dieser schönen Wanderung zu den beiden kristallklaren, fast kreisrunden Gebirgsseen, die jeden Tag viele Besucher in die Abgeschiedenheit lockt.

Wildes Canyoning-Paradies

Wesentlich ruhiger geht es nur ein Tal weiter zu: Im autofreien Tavignano-Tal. Hier haben wir uns eine besondere Tour vorgenommen: Über den Wanderweg, der an der Südflanke in der prallen Sonne Tal einwärts führt, spazieren wir zwei Stunden bis zu den Flussbadestellen an der Ponte di u Russulino. Dabei naschen wir kiloweise Brombeeren, die entlang des Weges wachsen. Unsere Sachen haben wir in einem wasserfesten Rucksack verstaut – auf dem Rückweg wollen wir nämlich dem Fluss folgen.

Es ist eine einfache Canyoning-Tour, die ohne technische Ausrüstung zu bewältigen ist. Der Spaß kommt trotzdem nicht zu kurz: Entlang der Strecke gilt es zahlreiche Schwimmpassagen und kleinere Sprünge von maximal drei Metern zu meistern. Für jene, die es gern etwas aufregender wollen, sind optional auch Sprünge aus bis zu 14 Metern möglich. Das Wasser ist unbeschreiblich klar – zusammen mit dem einzigartigen Farbenspiel des Tavignano-Tals ergeben sich ständig wunderschöne Fotomotive.

Wir folgen dem gesamten Flusslauf bis zurück nach Corte, wo wir am Morgen unser Auto an der Zitadelle abgestellt haben. Rund drei Stunden sollte man für diese Strecke einplanen. Schon lange, bevor wir ankommen, klappern unsere Zähne im kalten Flusswasser, das unsere Körper ganz schön auskühlt. Ein Neoprenanzug wäre für diese Tour sicherlich eine gute Idee gewesen.

Flussbadestellen an der Ponte di u Russulino

Es gäbe noch vieles zu entdecken im Restonica-Tal, aber uns zieht es ans Meer weiter. Bei einem Zwischenstopp im sonnigen Klettergarten von Cuccia brüten wir noch einmal richtig in der Mittagshitze. Je länger der Tag dauert, desto mehr wird uns bewusst, dass der September auf Korsika immer noch zu heiß ist, um in Felswänden abzuhängen. Der Ruf nach Abkühlung wird von Route zu Route stärker, bis wir ihm schließlich nachgeben und nach Sagone an der Westküste fahren. An diesem malerischen Küstenabschnitt verbringen wir einige Tage und müssen nicht mal aufs Klettern verzichten: am Strand von Porto lässt sich sowohl das Meer als auch der korsische Granit genießen.

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Foto: Andreas Brunner
Im Klettergarten von Cuccia

Meer und Felsen

Tags darauf werden Kletterpatschen und die Flip-Flops wieder gegen Trekkingschuhe getauscht – wir wählen den Capu d'Orto als Ziel aus. Der Berg erhebt sich inmitten der wilden und rot schimmernden Felslandschaft der Calanche. Am Wegesrand trifft man auf die unglaublichsten Felsformationen, die berühmten Tafoni, an denen auf Korsika auch vielerorts geklettert werden darf. Auf den 1.000 Höhenmetern aufwärts bietet sich den Augen jede Menge Abwechslung. In unserem Rücken liegt die Küstenstadt Porto, nördlich davon der Nationalpark Scandula, dem wir ebenfalls einen Besuch abstatten.

Der Nationalpark liegt auf einer Halbinsel an der Westküste uns ist lediglich vom Meer aus oder durch lange Wanderungen erreichbar. Wir wählen den Seeweg, um nochmal eine andere Perspektive zu erleben. Die Scandula ist eine der schönsten und atemberaubendsten Landschaften Korsikas und als Nationalpark auch besonders geschützt. Normalerweise könnte man die Küste auf eigene Faust erkunden, leider herrscht an diesem Tag eine derart raue See, dass keine Boote für individuelle Erkundungstouren ausgeliehen werden. Wir müssen uns mit einem der größeren Touristenboote begnügen und nehmen Platz zwischen knapp 40 rüstigen Senioren. Unsere Schnorchel-Ausrüstung muss an diesem Tag leider im Rucksack bleiben. Wir können uns lediglich vorstellen wie spektakulär es wäre in diesen wunderschönen Becken zwischen bizarren Felsformationen zu tauchen. Der Kapitän lässt sich leider nicht zu einem kurzen Zwischenstopp überreden.

Bizarre Felsformationen am Fuße des Capu d'Orto

Insel der Flussbadestellen

Wofür Korsika neben köstlichem Käse, wilden Kräutern und Kastanien noch berühmt ist, sind seine Gumpen – die Flussbadestellen. Über Jahrmillionen perfekt ausgespülte Becken mit kristallklarem Wasser – darin zu schwimmen ist ein Erlebnis, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte. Am schönsten soll der Purcaraccia-Canyon im Südosten der Insel sein. Leider ist dort Regenwetter vorhergesagt und wir entscheiden uns für den wesentlich näher an unserer Unterkunft liegenden Vecchio-Fluss nahe Vivario. Das stürmische Wetter und der Regen der letzten Tage haben das sonst so saubere Wasser in eine bräunliche Suppe verwandelt. Aus dem Restonica-Tal wissen wir, wie klar das Wasser hier normalerweise sein kann. Nichtsdestotrotz genießen wir einen phantastischen Tag und entdecken viele spannende und schöne Sprungmöglichkeiten in die Becken entlang des Flusses.

Als wir einige Tage später den Ziocu-Canyon besuchen, hat das Wasser wieder die gewohnte korsische Qualität und Klarheit. In diesem Canyon, der sich nahe des Dorfes Soccia befindet, ereignete sich im Sommer 2018 eine schlimme Tragödie. Fünf Menschen kamen bei einer Canyoning-Tour ums Leben. Durch ein plötzlich auftretendes Gewitter und starken Regen schwoll der Fluss binnen Sekunden zu einer Flutwelle an und wurde so für die Gruppe zu einer tödlichen Falle. Es macht deutlich, dass diese Canyons, so malerisch sie bei gutem Wetter auch wirken, auch Gefahren bergen. Wer den Ziocu-Canyon auch an gewitterträchtigen Tag ohne Risiko genießen möchte, sollte im oberen Bereich bleiben, wo sich zahlreiche schöne und einfach zu erreichende Becken befinden.

Plantsch-Spaß im Vecchio-Fluss nahe Vivario

Surf-Spot Korsika

​Damit haben wir gar nicht gerechnet: Für unseren letzten Tag auf der Insel sind ungewöhnlich hohe Wellen vorhergesagt. Für Gelegenheits-Surfer wie uns eine unverhoffte Chance, die wir natürlich nutzen wollen.

Wir fahren an den Farinola-Strand am Nordzipfel der Insel. Einer der wenigen Spots am Mittelmeer wo die Wellen tatsächlich öfter groß genug zum Surfen sind. Für eine Gebühr von 10 Euro pro Stunde kann man sich direkt am Strand ein Surfbrett inklusive Neoprenshirt ausleihen. Und schon kann der Spaß beginnen!

Nach dem Verzehr von einigen Litern Salzwasser gelingt es mir die vor vielen Jahren in Portugal erworbenen Surffähigkeiten zumindest ansatzweiße wieder hervorzukitzeln. Der krönende Abschluss unseres Abenteuer-Trips auf einer der schönsten, wildesten und ursprünglichsten Inseln im Mittelmeer.

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Foto: Andreas Brunner
Korsika - wir kommen wieder!

Infos und Adressen: Korsika (Französische Region), Mittelmeer

Allgemeines
Korsika ist die Insel mit den höchsten Bergen im gesamten Mittelmeerraum – insbesondere die Tafoni-Felsen sind bei Kletterern sehr beliebt. Einige Zahlreiche Flüsse eignen sich zum Baden und teilweise für Canyoning-Touren. Wanderer und Trekker kommen in den wunderbaren, vom Duft der Wildkräuter erfüllten Tälern auf ihre Kosten – mit dem GR20 wartet hier sogar ein wahrer Leckerbissen unter den europäischen Weitwanderwegen. Die rund 1.000 Kilometer lange Küste bietet zudem jede Menge Traumbuchten und Strände.
Im Winter verwandelt sich die Insel in ein Skitoureneldorado – sofern es genügend schneit, was nicht jedes Jahr der Fall ist.

Anreise
Neben der Fähre vom italienischen oder französischen Festland ist auch eine Anreise mit dem Flugzeug möglich. Mit der Bahn anzureisen empfiehlt sich nur bedingt, da die Fahrpläne der Züge und jene der Fähren nicht gut abgestimmt sind. Dadurch hat man mit langen Wartezeiten zu rechnen.
Aus Frankreich gibt es Schiffsverbindungen von Marseille, Nizza und Toulon. Aus Italien starten Fähren von Savona, Genua, Livorno und Piombino.
Die Fähren steuern verschiedene Häfen auf der ganzen Insel an (in unserem Fall Bastia von Savona aus). Die Dauer der Überfahrt variiert je nach Entfernung und Fährentyp zwischen zwei bis sechs Stunden.

Weiterkommen
Der große Vorteil einer Anreise mit Fähre und Auto ist, dass man auf diese Weise viele der entlegenen Kletter-, Wander- und Canyoning-Gebiete der Insel unkompliziert erreichen kann. Das öffentliche Verkehrsnetz auf Korsika ist eher schlecht ausgebaut.
Generell sollte man sich auf verwinkelte und enge Gebirgsstraßen einstellen. Die Fahrtzeiten sind dementsprechend etwas länger als gewohnt, dafür erlebt man wunderbare Landschaften.

Camping
Auf der Insel gibt es jede Menge Campingmöglichkeiten und äußerst idyllische Plätze, um sein Zelt aufzuschlagen. Im Restonica-Tal ist beispielsweise der Camping Tuani sehr zu empfehlen. An der Küste haben wir uns eine Ferienwohnung gemietet.

Zum Autor:
Andreas Brunner, 31 Jahre alt, stammt aus Feldthurns in Südtirol. In seiner Freizeit ist er so oft wie möglich in den Bergen unterwegs, egal ob Klettern, Bergsteigen oder Skitourengehen. Nebenher verdient er in der Kletterhalle Vertikale in Brixen als Kletterlehrer das nötige Kleingeld für seine Leidenschaft, das Reisen. Hier geht es zu seinem Blog: www.suedtirolalpin.it

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