
Günstiges Campingzelt im Test: Reicht ein 25-Euro-Zelt für Trekkingtouren?
Foto: Denis Pscheidl
von Denis Pscheidl
Spezielle Trekkingzelte kosten oft mehrere hundert Euro. Ein einfaches Campingzelt bekommt man beim Discounter hingegen schon für 25 Euro. Ob ihr mit so einem Zelt auf Wanderung gehen solltet oder lieber nicht, hat unser Produktredakteur getestet. Er erklärt euch in diesem Artikel auch die unterschiedlichen Zelt-Arten.
Worum geht's in diesem Artikel?
Bergwelten-Produktredakteur Denis Pscheidl hat ein günstiges Campingzelt vom Discounter getestet und schildert seine Erfahrungen. Taugt ein Zelt für 25 Euro auch für eine Mehrtageswanderung? Welche Ansprüche erfüllt es und welche nicht? Denis gibt dir außerdem einen kompakten Überblick gängiger Zeltarten und bespricht ihre Vor- und Nachteile.
Eine mehrtägige Wanderung oder Fahrradtour nur mit einem Zelt ausgerüstet. Am besten fernab der klassischen Tourismusgebiete und großer Städte. Ein Traum, den bestimmt nicht nur ich, sondern auch viele von euch haben. Wenn man sich dann aber die entsprechenden Zelte aus den Tests diverser Outdoor-Magazine anschaut, fällt einem ganz schnell die Kinnlade runter und der leere Geldbeutel ein. Trekkingzelte, die speziell für Wanderungen konzipiert sind, kosten meist mehrere hundert Euro. Die der schwedischen Edelzelt-Macher und Dauer-Testsieger Hilleberg teilweise weit über tausend.
Deswegen habe ich mir das günstigste Zelt, das ich finden konnte, gekauft und mir einmal angeschaut, was so ein Discounterzelt von richtigen Trekkingzelten unterscheidet und ob man während einer Tour auch darin die Nächte verbringen könnte.

Das Test-Zelt auf einen Blick
Das Zelt: Crivit Basic-Campingzelt (gekauft bei Lidl)
Preis: 24,99 Euro
Art: Kuppelzelt
Wassersäule Außenzelt: 1.000 mm
Wassersäule Zeltboden: 3.000 mmHerstellerempfehlung: „Geeignet für gelegentliches Wochenendcamping im Sommer bei überwiegend schönem Wetter.”
Aufbau und Packmaß
Mit einem Gewicht von nicht einmal zweieinhalb Kilogramm ist das Zelt für seine Preisklasse zunächst überraschend leicht. Damit braucht es sich auch vor Zelten, die mehr als das Zwanzigfache kosten, nicht zu verstecken und lässt sich auch ohne große Probleme auf den nächsten Berg tragen. Das Packmaß von 57 x 14 Zentimetern ist allerdings relativ lang und damit weniger kompakt als viele Zelte, die für Mehrtageswanderungen gedacht sind. In oder an einem großen Rucksack lässt es sich aber trotzdem verstauen.
Beim Aufbau zeigt sich das Kuppelzelt vom Discounter von seiner besten Seite. In nicht einmal 10 Minuten steht es ganz ohne die Hilfe einer anderen Person. Und macht in abgespanntem Zustand auf den ersten Blick eine stabile Figur.

Platzangebot im Zelt
Im Innenraum bietet das getestete Discounterzelt ausreichend Platz für zwei Personen. Auch größere Menschen können sich dank des 2,10 Meter langen Innenzelts noch gut ausstrecken. Ganz ohne Einschränkungen ist das Platzangebot aber nicht. Die Liegefläche ist nur 1,30 Meter breit, also sollte man nicht zu viel Gepäck einplanen. Denn auch im Eingangsbereich unter dem Vorzelt bleibt wenig Raum, eine sogenannte Apsis fällt hier fast komplett weg. Mehr als Schuhe bekommt man dort nicht unter.
Schutz vor Regen
Schwächen zeigt das Discounterzelt bei der Wetterfestigkeit. Das Außenzelt ist nicht wasserdicht, sondern, mit einer Wassersäule von 1.000 Millimetern, nur wasserabweisend. Zwar ist die Höhe der Wassersäule bei Außenzelten nicht so entscheidend, wie man erwarten könnte, sondern vor allem Langlebigkeit und Qualität von Beschichtung und Imprägnierung. Mindestens 1.300 Millimeter sollte sie aber schon haben, um als wasserdicht zu gelten.
Um die Wasserdichtigkeit des Zelts zu prüfen, wurde es im Garten mit einem Wasserschlauch auf verschiedenen Einstellungen gewässert. Leichter Sprühregen perlt ab, bei größeren Tropfen und stärkerer Belastung zeigen sich aber schnell Schwächen: Nach kurzer Zeit tritt an den Nähten auf der Oberseite und um die Belüftung Feuchtigkeit ein und an manchen Stellen beginnt sich das Material vollzusaugen. Auch auf der Innenseite des Außenzeltes wird Feuchtigkeit sichtbar. Für Starkregen ist das Zelt also nicht ausgelegt.
Stabilität und Windfestigkeit
Auch bei der Stabilität ist das Discounterzelt wenig vertrauenerweckend. Bereits bei geringer Belastung geben die sehr fragil wirkenden Glasfaserstangen nach. Glasfaser ist bei Zelten dieser Preisklasse zwar Standard, ist aber bruchanfällig. Bei hochwertigen Trekkingzelten hat sich deswegen das leichtere und stabilere Aluminium als Material für Zeltstangen durchgesetzt. Bei Sturm würde einem das Gestänge des Discounterzelts wahrscheinlich um die Ohren fliegen.
Auch der Hersteller selbst verortet das Zelt eher im Bereich von gelegentlichen Campingtouren und Sommerurlauben bei gutem Wetter. Für Mehrtagestouren oder Wanderungen, bei denen das Wetter unberechenbar ist, eignet sich ein solches Modell also nicht.

Fazit: Für wen sich das günstige Zelt eignet und für wen nicht
Das Discounterzelt kann für Menschen interessant sein, die ein sehr günstiges, leichtes und schnell aufzubauendes Zelt für kurze Campingausflüge suchen. Wer hauptsächlich bei stabilen Wetterverhältnissen unterwegs ist, oder das Zelt nur für Festivals oder Campingplätzen, wo das eigene Auto für den Notfall in der Nähe steht, verwenden will, bekommt hier eine einfache Lösung.
Für Trekking, längere Touren oder Einsätze mit wechselhaftem Wetter ist das Modell aber keine verlässliche Wahl. Dafür braucht es ein Zelt, das robuster und insgesamt wetterfester konstruiert ist.
Das Fazit ist daher klar: Der Preis macht das Discounterzelt vielleicht spannend, doch bei Wetterschutz und Stabilität stößt es rasch an Grenzen. Um die Kinder mal im Garten Zelten zu lassen, mag das reichen, für ernsthafte Outdoor-Touren sollte man die Anforderungen an Material, Konstruktion und Einsatzbereich allerdings genauer prüfen.
Wer ein Zelt für längere Wanderungen sucht, sollte sich vor dem Kauf intensiv mit Zeltarten und Anforderungen der geplanten Tour an das Material beschäftigen. Denn am Ende entscheidet nicht nur der Preis, sondern vor allem, ob das Zelt seinen Anspruch als wetterfeste Schlafmöglichkeit erfüllen kann oder nicht.
Exkurs: Welche Arten von Zelten gibt es?
Falls du jetzt also noch weiter auf der Suche, nach dem perfekten Zelt bist, gebe ich dir zum Abschluss einen kompakten Überblick gängiger Zeltarten – was zeichnet sie jeweils aus und welche Vor- und Nachteile weisen sie auf?

Kuppelzelte:
Bestehen aus zwei sich kreuzenden Stangen. Durch diese Konstruktion sind sie…
unempfindlich gegenüber wechselnder Windrichtung
freistehend und können auch auf steinigem Untergrund aufgestellt werden
in der Lage, hohe Schneelasten zu tragen
Auf der Minus-Seite stehen:
schlechtere Raumnutzung
meist höheres Gewicht
Geodätzelte:
Sind eine Sonderform der Kuppelzelte. Sie bestehen aus mehreren sich kreuzenden Stangen und sind…
noch windstabiler
noch stabiler bei Schneelast
Minus:
noch schwerer
Tunnelzelte:
Bestehen aus mindestens zwei parallel verlaufenden Gestängebögen, die das Grundgerüst bilden. Das sorgt dafür, dass sie…
den vorhandenen Raum durch steile Wände und große Apsiden (Vorzelte) optimal nutzen
auch bei Wind leicht aufzubauen sind, weil das Gestänge im Liegen eingefädelt werden kann
bei richtiger Ausrichtung extrem windstabil sind
Minus:
genau Richtung Wind ausgerichtet werden müssen
zwingend richtig abgespannt werden müssen
nicht einfach versetzt werden können
Firstzelte und Tipis:
Bestehen meist nur aus einem Außenzelt und einer aufrechten Mittelstange. Dadurch sind sie…
sehr leicht
schnell aufzubauen
Minus:
auf festen Boden angewiesen, um stabil gespannt zu werden
Zum Autor

Denis Pscheidls Welt sind die Berge – und die beginnen praktischerweise direkt vor seiner Haustür in Innsbruck. Im Sommer ist er beim Bergsteigen oder Klettern unterwegs, im Winter auf Skitour. Selbst ein kurzer Abstecher an die Deutsche Journalistenschule in München konnte daran nichts ändern und es zog ihn im Anschluss sofort zurück in die Hauptstadt der Alpen. Heute arbeitet er als freier Journalist und schreibt am liebsten über Berge, Umwelt und Wissenschaft. Für Bergwelten verbindet er Praxis mit Recherche und liefert Ausrüstungstipps, die nicht am Schreibtisch entstehen, sondern draußen.


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