PFAS, Ewigkeitschemikalien, Imprägniermittel, Outdoorbekleidung

Wie giftig sind PFAS in der Outdoorbekleidung?

Ausrüstung & Technik
5 Min.
11.06.2026

Foto: Denis Pscheidl

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von Denis Pscheidl

Ist deine Jacke giftig? Gesundheitsschädliche PFAS stecken in vielen Produkten – auch in Outdoorbekleidung. Was Ewigkeitschemikalien sind, ob du deine Jacke jetzt besser entsorgst und wie du PFAS vermeidest, erklärt dir dieser Artikel.

Was ist das Problem mit PFAS?

Über Jahrzehnte waren PFAS so etwas wie der Heilige Gral für die Hersteller von Outdoorbekleidung. Im Gegensatz zum Heiligen Gral schenken PFAS jedoch nicht ewiges Leben, sondern sorgen dafür, dass Kleidung, Schuhe und Ausrüstung wasserdicht bleiben. Sie sind extrem wasserabweisend und zugleich so widerstandsfähig, als hätten sie selbst aus dem Heiligen Gral getrunken. Genau deshalb werden sie auch „Ewigkeitschemikalien“ genannt.

Und genau deshalb werden sie immer mehr zum Problem. Statt mit der Zeit zu zerfallen, reichern sich PFAS nämlich in Flüssen, Seen und unserem Trinkwasser an. Das Dilemma: PFAS sind gesundheitsschädlich. Von Krebs über Schilddrüsen- und Leberschäden bis hin zu Fruchtbarkeitsproblemen werden viele Krankheiten mit den Chemikalien in Verbindung gebracht.


Was sind PFAS bzw. PFC?

PFAS (ausgesprochen ˈpeːˌfas) sind eine Gruppe von über 10.000 synthetischen Industrie-Chemikalien. PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Etwas veraltet werden sie auch als per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) bezeichnet. Dabei handelt es sich um Kohlenstoffketten, deren Wasserstoffatome entweder teilweise (polyfluoriert) oder vollständig (perfluoriert) durch Fluoratome ersetzt wurden. Sie wurden bereits 1938 entdeckt und werden seit den 1940er Jahren in industriellem Maßstab produziert und verwendet.

Diese Struktur sorgt dafür, dass PFAS sowohl Wasser als auch Fett und Schmutz abweisend sind. PTFE (bekannt als Teflon) etwa hat einen der niedrigsten Reibungskoeffizienten aller festen Materialien und sorgt für exzellente Gleiteigenschaften. Außerdem sind PFAS extrem hitzebeständig. Auch andere Chemikalien und Säuren können ihnen kaum etwas anhaben. „PFAS haben extrem tolle Eigenschaften“, sagt Matthias Zessner, Umweltwissenschaftler an der TU Wien und Experte für die Belastung von Trinkwasser mit PFAS. „Deswegen werden sie bei einer Vielzahl von Produkten eingesetzt.“ Antihaft-Pfannen, Feuerlöschschaum, Kosmetika, Zahnseide, Backpapier, Fast-Food-Verpackungen, Lithium-Batterien oder Mikrochips. PFAS sind überall.


Einsatz von PFAS in Sportartikeln

Genau diese Eigenschaften machten PFAS auch für die Outdoor-Industrie interessant. Denn in der Natur finden sich keine anderen Stoffe, die all diese Vorteile vereinen. Deshalb wurden PFAS in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Outdoor-Produkten verarbeitet.

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  • Wasserdichte Membranen:
    In der Gore-Tex Classic Membran beispielsweise sorgt PTFE dafür, dass Kleidung und Schuhe wasserdicht sind und auch bleiben. Durch die mikroskopisch kleinen Poren kann zwar Dampf entweichen (die Membran ist atmungsaktiv), jedoch kein Wasser nach innen dringen.

  • DWR-Imprägnierungen:
    DWR steht für durable water repellent (dauerhaft wasserabweisend). Solche Imprägniersprays bilden einen unsichtbaren Film. Statt dass sich eine Jacke vollsaugt, perlen Wasser und Schmutz einfach von ihr ab.

  • Alles, was wasserdicht sein soll:
    Neben Jacken und Schuhen findet man PFAS in Zeltböden, Regenhüllen für Rucksäcke, Handschuhen und Skifellen.

  • Skiwachs: Die niedrige Reibung von PFAS sorgt dafür, dass Skiwachse den Ski auch bei nassen Bedingungen gut gleiten lassen.


Welche Gesundheitsrisiken bergen PFAS?

„Es ist klar belegt, dass einzelne Substanzen aus der Gruppe der PFAS unterschiedlichste Krankheiten auslösen können”, sagt Zessner. Krebs, Schilddrüsenerkrankungen, Leberschäden, Fruchtbarkeitsstörungen, sowie eine verminderte Immunantwort werden unter anderem mit PFAS in Zusammenhang gebracht. „Es geht aber nicht darum, dass wenn jemand PFAS in geringen Konzentrationen zu sich nimmt, diese Person sofort irgendwelche Zustände bekommt. Die langfristige Exposition ist das Problem”, erklärt der Experte. Die Hersteller der PFAS wissen bereits seit den 1960er Jahren um die gesundheitsschädliche Wirkung der Chemikalien. Entsprechende interne Studien, etwa der Chemie-Konzerne DuPont und 3M, wurden jedoch jahrzehntelang unter Verschluss gehalten.


Wie kommen PFAS in die Umwelt und unseren Körper?

Produktionsanlagen für PFAS sowie der Einsatz von PFAS-haltigen Feuerlöschschäumen bei Bränden (vor allem aber an langjährig verwendeten Übungsplätzen) sind die größten Quellen für PFAS in der Umwelt. Außerdem gelangen PFAS durch das Sickerwasser aus alten Mülldeponien, den Ablauf von Kläranlagen und die Ausbringung von PFAS-belastetem Klärschlamm in die Natur.

Dafür, dass PFAS auch über die Haut – also etwa durch das Tragen von PFAS-haltigen Regenjacken – in bedenklichem Maße aufgenommen werden, gibt es keine Anhaltspunkte. „Allerdings spielt Outdoor-Ausrüstung auch abseits von Produktion und Entsorgung eine relevante Rolle beim Eintrag von PFAS in die Umwelt”, sagt Zessner. Vor allem durch erneutes Imprägnieren und Waschen, da der Imprägnierspray mit der Zeit von der Ausrüstung abgewaschen werde.


Gesetzliche Entwicklungen rund um PFAS

Aufgrund ihrer besonders gesundheitsschädlichen Eigenschaften wurden bisher drei Gruppen von PFAS in der EU stark beschränkt.

  • PFOS (Perfluoroctansulfonat) ist bereits seit 2010 weitgehend verboten.

  • Das Inverkehrbringen und die Verwendung von PFOA (Perfluoroctansäure), ihren Salzen und verwandten Verbindungen ist seit 2020 durch die EU-Verordnung 2019/1021 verboten.

  • Das Jahr 2026 markiert einen Wendepunkt im Umgang mit PFAS. Seit Januar gelten auch in Deutschland und Österreich Grenzwerte von maximal 0,1 Mikrogramm pro Liter als Summe 20 unterschiedlicher PFAS-Substanzen.

  • PFHxA (Perfluorhexansäure) darf durch EU-Verordnung 2024/26 seit April 2026 nicht mehr in Feuerlöschschäumen zu Ausbildungszwecken verwendet werden und ab Oktober 2026 nicht mehr in Konsumgütern wie Regenjacken, Lebensmittelverpackungen und bestimmten Kosmetika zum Einsatz kommen.

  • Ende 2026 wird die abschließende Bewertung der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) zu einem umfassenden Verbot von PFAS erwartet.

„Bei Verboten einzelner PFAS ist es relativ leicht, diese zu umgehen, indem man einfach andere PFAS-Substanzen mit ähnlichen Eigenschaften herstellt, welche dann nicht vom Verbot gedeckt sind”, sagt Zessner. Deswegen sprechen sich viele Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen für ein umfassendes Verbot der Ewigkeitschemikalien aus.


Welche PFAS-freie Alternativen gibt es mittlerweile?

Bei vielen Herstellern von Outdoor-Ausrüstung hat mittlerweile ein Umdenken begonnen. Seitdem die Umweltschutzorganisation Greenpeace im Jahr 2011 in ihrer Detox-My-Fashion-Kampagne die Branche öffentlich kritisierte, haben sich mehrere Hersteller und Zulieferer verpflichtet auf PFAS zu verzichten. Einer der Vorreiter ist VAUDE. Nach Jahren der Forschung und Entwicklung vermeldete der deutsche Produzent von Outdoorausrüstung 2021, dass seine gesamte Ourdoorkleidung frei von PFAS ist. Seit der Sommerkollektion 2025 seien auch die letzten verbleibenden Produkte PFAS-frei.

Weitere PFAS-freie Alternativen:

  • Gore Tex ePE Membran aus expandiertem Polyethylen.

  • Membranen von Dermizax und Sympatex mit bis zu 45.000 Millimetern Wassersäule.

  • Deuter stellt seit 2020 nur noch Rucksäcke ohne PFAS her.

  • Nikwax ist einer der Vorreiter bei PFAS freien Imprägniermitteln.


Wie kann ich PFAS-freie Produkte erkennen?

Die Liste ist selbstverständlich noch viel länger. So kannst du PFAS-freie Produkte erkennen:

  • Schaue auf Kennzeichnungen und Produktinformationen: Sind Produkte als PFC-frei oder PFAS-frei gekennzeichnet kannst du davon ausgehen, dass Alternativen verwendet wurden.

  • Vorsicht bei Kennzeichnungen wie PFOA-frei oder PFOS-frei: Diese PFAS sind ohnehin schon verboten. Solche Kennzeichnungen können darauf hindeuten, dass andere PFAS verwendet wurden. Genauso wie wenn keine explizite Kennzeichnung vorhanden ist.

  • Herstellerangaben überprüfen: Viele Hersteller stellen auf ihren Webseiten technische Datenblätter und Pflegehinweise zur Verfügung, die Aufschluss über die verwendeten Materialien geben.

  • Auf Nachhaltigkeitssiegel achten: Bei vielen Nachhaltigkeitssiegeln wie Oeko-Tex ist der Einsatz von PFAS verboten. Einen Überblick über die Glaubwürdigkeit der Siegel bekommst du bei siegelklarheit.de.


Und jetzt … Alles entsorgen?

Eigentlich sind PFAS also gar nicht der heilige Gral, sondern vielmehr vergleichbar mit dem vermeintlichen Gral aus „Indiana Jones“ – da zerfällt jeder, der aus ihm trinkt, zu Staub.  Aber was bedeutet das jetzt für deine Outdoor-Ausrüstung? Alles entsorgen?

Bloß nicht. Denn für dich als Träger beispielsweise einer Jacke mit PFAS besteht keine Gefahr. Die Nachhaltigste Ausrüstung ist die, die du schon besitzt. Also sorge dafür, dass deine Jacke oder andere Ausrüstungsgegenstände möglichst lange verwendet werden können – durch adäquate Pflege und Reparatur. Doch Vorsicht: Das Gegenteil gilt für Skiwachse und Imprägniermittel. Diese gelangen direkt in die Umwelt und sollten nicht aufgebraucht, sondern im Sondermüll entsorgt werden.

Zum Autor

Denis Pscheidls Welt sind die Berge – und die beginnen praktischerweise direkt vor seiner Haustür in Innsbruck. Im Sommer ist er beim Bergsteigen oder Klettern unterwegs, im Winter auf Skitour. Selbst ein kurzer Abstecher an die Deutsche Journalistenschule in München konnte daran nichts ändern und es zog ihn im Anschluss sofort zurück in die Hauptstadt der Alpen. Heute arbeitet er als freier Journalist und schreibt am liebsten über Berge, Umwelt und Wissenschaft. Für Bergwelten verbindet er Praxis mit Recherche und liefert Ausrüstungstipps, die nicht am Schreibtisch entstehen, sondern draußen.