Schweizer Pioniere

Johann Jakob Weilenmann auf dem Piz Buin (3.312 m)

Historisches • 3. April 2018

Der Mitbegründer des Schweizer Alpenclubs bereiste zunächst als Kaufmann die weite Welt. Zum Bergsteiger wurde er erst spät – und schaffte es doch als Erster auf den Gipfel des imposanten Piz Buin.

Piz Buin
Foto: mauritius images/ Martin Siepmann
Piz Buin

„Das Herz fühlt sich ergriffen von der feierlichen Stimmung, die durch den unermesslichen Raum weht.“ Mit diesem Satz beschrieb Johann Jakob Weilenmann seine Gefühle, als er am 14. Juli 1865 zusammen mit drei weiteren Bergkameraden als Erster auf dem 3.312 m hohen Gipfel des Piz Buin stand.

Die Weite des Raums dürfte ihm zu diesem Zeitpunkt längst kein fremdes Phänomen gewesen sein – hatte er doch bereits ferne Länder bereist. Allerdings ohne große bergsteigerische Ambitionen. Diese hegte er erst nach 1850, also bereits in seinen 30ern, als er in seine Heimat St. Gallen zurückgekehrt war. Damals gehörte er mit Sicherheit zu den weitgereistesten Bergführern der Schweiz – ein bemerkenswerter Kontrast zur Lebensgeschichte anderer Schweizer Alpenpioniere wie Johann Joseph Benet oder Melchior Anderegg, die in ihrer Jugend die Gäste lokaler Hotels durch die heimische Bergwelt führten.

Johann Jakob Weilenmann im Jahrbuch des Schweizer Alpenklub, 1896/97
Foto: Jahrbuch des Schweizer Alpenklub
Johann Jakob Weilenmann im Jahrbuch des Schweizer Alpenklub, 1896/97

Von New York nach Brasilien

Weilenmann wurde am 24. Januar 1819 als Sohn eines Privatschulleiters in St. Gallen geboren. Dort machte er im Textilhandelshau Johann Conrad Fehr eine Berufslehre. Es war auch dieses Unternehmen, das den jungen Textilkaufmann nach New York und später nach Pernambuco (im heutigen Recife) in Brasilien schickte. In Brasilien legte Weilenmann eine umfangreiche Insektensammlung an, die er später dem Polytechnikum Zürich schenken sollte.

Erst nach 1850 kehrte Weilenmann über London nach St. Gallen zurück. Nun begann seine zweite Karriere als Alpinist. Er begann mit dem Bergsteigen und konnte in den 60er Jahren – meist im Alleingang – etliche Gipfel erstbegehen und hochalpine Routen erforschen. Seine Expeditionen spielten sich dabei vor allem im Wallis, in Graubünden und in Tirol ab. Zu Weilenmanns Erstbegehungen gehören u.a. das 3.399 m hohe Fluchthorn (1861), der 3.549 m hohe Große Ramolkogel (beide Tirol) und 1865 schließlich der 3.312 m hohe Piz Buin auf der Grenze zwischen der Schweiz und Österreich.

Es war der 14. Juli – ausgerechnet jener Tag, an dem einer 7er-Seilschaft rund um Edward Whymper auch die Erstbesteigung des Matterhorns von Zermatt aus gelang (beim Abstieg kam es zu einer Absturztragödie mit vier Toten). Die Erstbegehung des imposanten Piz Buin war ein nicht minder halsbrecherisches Unterfangen. Weilenmann machte sich mit seinem Kaufmannskollegen Joseph Anton Specht aus Wien sowie zwei Bergführern – dem Paznauner Gamsjäger Franz Pröll und dem Viehhändler Jakob Pfitscher aus dem Passeiertal – um 2 Uhr morgens von der Alpe Großvermunt auf der Bielerhöhe auf.

Bielerhöhe/ Silvrettapass

„Unermesslicher Raum“

In nur achteinhalb Stunden schaffte es die Viererseilschaft über den Vermuntgletscher, den Ochsentaler Gletscher und die Buinlücke zum Piz Buin-Gipfel und wieder zurück. Beim „Steinmannli“ ließen sie in einer Flasche eine Nachricht zurück. Darin notierte Weilenman unter dem Eindruck des Gipfelpanoramas, das über hunderte Gletscher hinweg vom Dom im Wallis im Westen bis zu den Ötztaler Gipfeln im Osten reichte: „Das Auge schwelgt im Anblick der rings am Himmelssaum funkelnden Firne, das Herz fühlt sich ergriffen von der feierlichen Stimmung, die durch den unermesslichen Raum weht.“

Zwei Jahre vor seinem größten Gipfelsieg, 1863, gehörte Johann Jakob Weilenmann zu den Mitbegründern des Schweizer Alpenclubs. Eine weitere Leistung, die dem einstigen Textilkaufmann einen Platz unter den bedeutendsten Schweizer Alpenpionieren sichert.


Johann Jakob Weilenmann

  • Geboren: 24. Januar 1819 in St. Gallen
  • Leben: Textilkaufmann, Insektensammler, Bergführer und Alpenpionier, Mitbegründer des SAC.
  • Erstbesteigungen: Muttler (1858), Fluchthorn (1861), Ramolkogel (1862), Piz Buin (1865), Crast’ Agüzza (1865), Mont Blanc de Cheilon (1865), Helsenhorn (1887)

Piz Buin

  • Höhe: 3.312 m
  • Erstbesteigung: 14. Juli 1865
  • Gebirge: Silvretta

Tourentipp

Trotz seiner respekteinflößenden Erscheinung, durch die exponierten Grate und vereisten Flanken, ist der Große Piz Buin (3.3.12 m) ein beliebtes Skihochtourenziel an der Grenze zur Schweiz und Österreich. Wir stellen euch die hochalpine Frühjahrstour im Detail vor.

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