
Die Geier der Hohen Tauern
Foto: Peter Podpera
Jedes Jahr bekommt eines der drei Bundesländer, die einen Anteil am Nationalpark Hohe Tauern haben, die Ehre, zwei Bartgeier-Nestlinge im Rahmen einer groß angelegten Feier in die Freiheit zu entlassen. Dabei werden die Kleinen in geschützten Felsnischen ausgesetzt und betreut, bis sie flügge werden.
Doch ehe es hinauf geht in das gut ausgepolsterte Nest hoch oben im Berg, wird es für die Nestlinge noch ungemütlich. Mit Alufolie und Wasserstoff werden ihnen Strähnchen ins Gefieder gefärbt, streng nach vorgezeichnetem Plan. An diesen Strähnen wird man sie später von allen anderen Bartgeiern unterscheiden und so ihre Flugrouten nachvollziehen können.
Das Projekt zeigt Erfolg. Seit fast 30 Jahren werden Bartgeier im Alpenraum freigelassen, und heute besiedeln wieder rund 200 der um 1900 bereits ausgestorbenen Vögel den Alpenbogen von Monaco bis zum westpannonischen Berg- und Hügelland.

Dabei ist der Bartgeier der Letzte in der alpinen Nahrungskette. Er ernährt sich von Aas und Knochen, alles Reste, die zuvor Adler, Kolkrabe und Fuchs übriggelassen haben. Er kann Knochen bis zu einer Länge von 40 cm im Ganzen verschlucken. Und ist ihm doch einer zu sperrig, fliegt er mit ihm hoch hinauf und lässt ihn aus gut 50 Metern herunter auf einen Felsen fallen. Das tut der Geier so oft, bis der Knochen in mund-, Verzeihung: schnabelgerechte Stücke zerbricht.

Tipp: Am 28.Mai wurden im Kalser Dorfertal im Rahmen einer großen Feier die zwei Junggeier-Damen Fortuna und Lea in die Freiheit entlassen. Der Nationalpark Hohe Tauern hat einen Beobachtungsstand eingerichtet, von dem aus die Vögel gut sichtbar sind. Wildbiologe Michael Knollseisen und drei Nationalparkranger sind vor Ort, um interessierten Wanderern eine kleine Einführung in Geierkunde zu geben und Fragen zu beantworten.
Zu erreichen ist der Stand vom Parkplatz Dorfertal aus. Nach einer Stunde Gehzeit am Geschichtenlehrweg Dorfertal liegt er direkt am Weg. Der Stand ist täglich von 9 bis 17 Uhr besetzt.
