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Know-How

Bettwanzen auf Hütten: 6 Tipps zum richtigen Verhalten

• 13. Mai 2024
4 Min. Lesezeit

Bettwanzen feiern weltweit ein wahres Combeback und machen auch vor alpinen Schutzhütten nicht Halt: Was du tun kannst, um dich zu schützen und eine weitere Ausbreitung zu verringern.

Weitwandern von Hütte zu Hütte begünstigt die Verbreitung von Bettwanzen.
Foto: Sam Strauss, Red Bull Media House Publishing
Weitwandern von Hütte zu Hütte begünstigt die Verbreitung von Bettwanzen.
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Woher kommen die Bettwanzen?

Das Wichtigste zuerst: Das Vorkommen von Bettwanzen hat nichts mit fehlender Hygiene zu tun. Vielmehr begünstigen wir durch unsere Mobilität und unser Verhalten ihre Ausbreitung. Außerdem haben sich die kleinen, lästigen Blutsauger in den letzten Jahre einfach gut vermehrt. Ein möglicher Grund könnte das in den 1970er-Jahren ausgesprochene weltweite Verbot von DDT – einem Insektizid, das einst großflächig gegen Malaria und in der Landwirtschaft zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt wurde – sein. DDT reicherte sich nachweislich in der Nahrungskette an und führte zu endokrinen Veränderungen. Das Beinahe-Aussterben des Seeadlers geht beispielsweise auf den Einsatz von DDT zurück. Dass dieses Gift vom Markt genommen wurde, ist unbestritten ein Meilenstein für die Menschheit!

Heute wandern aber dafür auch Bettwanzen wieder vermehrt mit uns mit: im Bus, im Taxi, von gebrauchten Möbeln in unser Zuhause, von Hotel zu Hotel und eben auch von Hütte zu Hütte. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob es sich um alte oder neue Hütten handelt, maximal ist die Bekämpfung von Bettwanzen in Hütten schwieriger, weil Holzvertäfelungen den Tieren gute Verstecke bieten. Maßnahmen zur Bekämpfung von Bettwanzen, sei es chemisch oder thermisch, wirken daher auf Schutzhütten nur bedingt und auch nur so lange, bis wieder neue Wanzen durch Wanderer eingeschleppt werden.

Für den Alpenverein steht fest: Ein Totschweigen der Problematik ist nicht sinnvoll. Vielmehr braucht es eine offensive Information und konkrete Handlungsanweisungen sowohl für Hüttenwirte als auch für Gäste. Die von DAV und ÖAV gemeinsam mit dem Deutschen Umweltbundesamt initiierte Informationskampagne hilft dabei, das Problem nicht nur auf Schutzhütten, sondern in der gesamten Region in den Griff zu bekommen.

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Auf Hütten, auf denen schon mal ein Bettwanzenbefall aufgetreten ist, wirst du deinen Rücksack vermutlich nicht mit ins Schlaflager nehmen dürfen.
Foto: Jan Richard Heinicke, Red Bull Media House Publishing
Auf Hütten, auf denen schon mal ein Bettwanzenbefall aufgetreten ist, wirst du deinen Rücksack vermutlich nicht mit ins Schlaflager nehmen dürfen.

Was kannst du gegen die Ausbreitung von Bettwanzen tun?

  1. Folge den Anweisungen des Hüttenpersonals.
    Auf vielen Hütten wirst du gleich bei deiner Ankunft auf das Problem „Bettwanzen“ aufmerksam gemacht und erhältst vom Hüttenwirt einige Anweisungen. Beispielsweise darfst du den Rucksack nicht ins Schlaflager mitnehmen oder dein Hüttenschlafsack kommt erst mal in die Mikrowelle.

  2. Kontrolliere deinen Schlafplatz bei Tageslicht auf Spuren von Bettwanzen.
    Bettwanzen hinterlassen eindeutige Spuren. Auf Lattenrosten findet man braune Punkte – Kotspuren, die allerdings auch schon älter sein können. Häutungsreste hingegen zeigen einen aktuellen Befall an. Informiere das Personal, wenn dir etwas auffällt.

  3. Schütze deinen Rucksack vor blinden Passagieren.
    Vor allem wenn du von Hütte zu Hütte unterwegs bist, macht es Sinn, einen fest verschließbaren Beutel mitzunehmen, in den du auf der Hütte deinen Rucksack packst. Getragene Wäsche solltest du extra in fest verschließbare Beutel stecken, um die Bettwanzen nicht durch den Geruch anzulocken.

  4. Deponiere deinen Rucksack in größtmöglicher Entfernung zum Schlafplatz.
    Bettwanzen werden von unserer Körperwärme angelockt. Stelle deinen Rucksack – wenn nicht ohnehin vom Hüttenpersonal angewiesen – daher möglichst weit von den Schlafplätzen weg.

  5. Melde eine Sichtung von Bettwanzen sofort.
    Solltest du in der Nacht – im Schein der Taschenlampe – Bettwanzen sichten oder am nächsten Tag Bissspuren am eigenen Körper haben, melde dies sofort dem Hüttenpersonal.

  6. Setze Maßnahmen, um die Bettwanzen nicht mit nach Hause zu nehmen.
    Beutle alle deine Sachen und den Rucksack auf einem weißen Untergrund (z. B. einer Plane) aus. Sollten sich Wanzen unter den Sachen befinden, kannst du sie auf dem hellen Untergrund leicht ausmachen und eliminieren. Zur Sicherheit solltest du Gegenstände und Kleidungsstücke für einige Tage in den Gefrierschrank legen und anschließend bei hoher Temperatur und viel Waschmittel waschen – das vernichtet auch mögliche Eier.

Einfach aber wirkungsvoll: Der Rucksack bleibt in der Garderobe.
Foto: Alexander Papis, Red Bull Media House Publishing
Einfach aber wirkungsvoll: Der Rucksack bleibt in der Garderobe.

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Was tut der Hüttenwirt gegen eine Bettwanzenausbreitung?

Hüttenwirten kommt in der Bekämpfung von Bettwanzen und in der Verhinderung der Ausbreitung eine große Verantwortung zu, die sie alleine nicht bewerkstelligen könnten. Aus diesem Grund ist die Initiative des Alpenvereins immer auf die gesamte Region ausgelegt, denn auch Beherbergungsbetriebe im Tal müssen eingebunden werden. Auf der Hütte selbst stehen dem Hüttenwirt je nach Hüttenausstattung folgende Maßnahmen zur Verfügung:

  • Regelmäßige Kontrolle auf einen Bettwanzenbefall

  • Informationen der Gäste

  • Zur Verfügungstellung von gut verschließbaren Beutel für Rücksäcke.

  • Eigener Raum für Rucksäcke.

  • Zur Verfügungstellung von eigenen Hüttenschlafsäcken, die nach jedem Gebrauch gewaschen oder in der Mikrowelle stark erhitzt werden.

Sollte in einer Hütte dennoch ein massiver Befall festgestellt werden, muss das ganze Haus sehr aufwendig chemisch (mit Insektiziden) oder thermisch (mit hohen Temperaturen) behandelt werden. Eine gewaltige Prozedur, die nur von Profis erledigt werden kann.

Wichtig: Vom prophylaktischen Einsatz von Insektiziden muss unbedingt Abstand genommen werden – sowohl vom Hüttenwirt als auch von Gästen. Werden nicht alle Tiere getötet, bilden die Überlebenden Resistenzen, was – wie bei Antibiotika – dazu führt, dass bald kein Mittel mehr hilft.

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Gut zu wissen

  • Bettwanzen sind nachtaktiv und je nach Entwicklungsstadium zwischen 4 und 8,5 mm groß.

  • Bettwanzen sind blutsaugende Insekten und zählen zu den Lästlingen.

  • Bettwanzenbisse verursachen stark juckende, gerötete Pusteln entlang einer so genannten „Wanzenstraße“, die in der Regel nach ein paar Tagen wieder verschwinden.

  • Bettwanzen könnten theoretisch Krankheitserreger übertragen (wie etwa Steckmücken), was bisher aber nicht beobachtet wurde.

Generell ist ein Bettwanzenbefall auf Hütten immer noch sehr selten. Lediglich 1,5-2 Prozent der Hütten hatten in den letzten Jahren mit einem Befall zu tun, der umgehend bekämpf wurde. Du musst daher nicht generell Angst vor einer Hüttennächtigung haben, aber du solltest wachsam sein und mithelfen, eine Verschleppung der Wanzen zu verhindern.

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