Dreitausender

Bergportrait: Marmolata (3.343 m)

Wissenswertes • 17. Januar 2020
von Katrin Rath

Die „Königin der Dolomiten“, wie die Marmolata gerne genannt wird, ragt 3.343 Meter in den italienischen Himmel und rund um sie ranken sich zahlreiche Sagen und Geschichten. Wir stellen den höchsten Gipfel der Dolomiten im Detail vor.

Marmolata
Foto: Unsplash / Vincentiu Solomon
Königin der Dolomiten: Die Marmolata mit ihrem Gletscher

Höhe und Lage

Mit ihren 3.343 Metern ist die Marmolata, oder auf italienisch: Marmolada, der höchste Berg der Dolomiten. Sie liegt in der Marmolatagruppe in der Region Trentino-Südtirol. Genau genommen ist der Dreitausender ein Gratrücken, bestehend aus der Punta Penia (höchster Punkt, 3.343 m), der Punta Rocca (3.309 m), der Punta Ombretta (3.230 m), dem Pizzo Serauta (3.035 m) und der Punta Serauta (3.069 m). Die „Königin der Dolomiten“ fällt im Süden steil ins Ombrettatal ab, während sie im Norden in sanfter Neigung zum Passo Fedaia hin ausläuft. Auf dieser Seite befindet sich auch der Ghiacciaio della Marmolada, der einzige größere Gletscher der Dolomiten.

Direkt am höchsten Punkt der Marmolata, auf der Punta Penia, befindet sich eine kleine Schutzhütte, die bereits im Ersten Weltkrieg von einer österreichischen Garnison erbaut wurde. Wer hier schon nicht einkehrt sollte zumindest das stille Örtchen aufsuchen – aufgrund der ausgesetzten Lage wird das Geschäft am Berg zum Erlebnis.

Toilette Capanna Punta Penia
Foto: mauritius images/ hwo
Das Klohäuschen bei der der Capanna Punta Penia auf 3.343 m

Geschichte und Geschichten

Bereits im Jahr 1802 kamen drei Priester, ein bischöflicher Richter und ein Chirurg dem höchsten Punkt der Marmolata sehr nahe –sie gelangten bis zum Höhenkamm bei der Punta di Rocca (3.309 m). Im Abstieg verunglückte einer der Priester, was die Mythen und Sagen wieder neu befeuerte. 

Der Legende nach gab es in früheren Zeiten nämlich gar keinen Gletscher am höchsten Berg der Dolomiten, sondern lediglich ertragreiche Almwiesen. Eines Sonntags sollen zwei Bauern nicht mit ins Tal zum Gottesdienst gekommen zu sein, um die Heuernte noch vor dem nächsten Niederschlag ins Trockene zu bringen. Weil sie die Feiertagsruhe missachtet hatten, begann es heftig zu schneien –  so lange, bis die gesamte Alm von einem riesigen Gletscher bedeckt war. In einer anderen Fassung der Sage erzählt man sich, dass die Bauern von einer gottlosen Gräfin zur Arbeit gezwungen wurde. Als es zu schneien begann, konnten sich die armen Bauern in Sicherheit bringen, während die Gräfin unter den Schneemassen begraben wurde.

Marmolatagletscher
Foto: mauritius images / UtCon Collection / Alamy
Der Marmolatagletscher im Jahr 1917

Kein Wunder also, dass sich erst 54 Jahre später wieder jemand an die Marmolata-Besteigung wagte. Am 25. August 1856 brach eine Sechsergruppe bestehend aus drei Priestern (andere als beim ersten Versuch), einem Adelsspross, einem Führer und einem Gamsjäger vom Passo Fedaia Richtung Punta di Rocca auf. Sie beanspruchen die Erstbesteigung des zweithöchsten Punkts der Marmolata für sich, ohne in ihrem Bericht etwas darüber zu lesen waren.

Als der Mitbegründer des Österreichischen Alpenvereins, Paul Grohmann, im Juli 1862 dort oben ankam, konnte er keinerlei andere Aufstiegsspuren finden. Der Österreicher war es auch, dem mit den beiden Bergführern Angelo und Fulgenzio Dimai die Erstbesteigung der 34 Meter höheren Punta Penia gelang.

Paul Grohmann
Foto: mauritius images / Historic Images / Alamy
Erstbesteiger der Marmolata und Mitbegründer des ÖAV: Paul Grohmann

Im Ersten Weltkrieg war die Marmolata dann Grenzberg zwischen Österreich-Ungarn und Italien. In diese Zeit der Gebirgskriege fällt auch eines der größten Lawinenunglücke der Alpingeschichte, bei dem rund 300 österreichische Soldaten in einer riesigen Nassschneelawine den Tod fanden. Insgesamt kamen in Südtirol an diesem Tag mehrere Tausend Soldaten in dutzenden Lawinen ums Leben. An manchen Frontabschnitten starben sogar mehr Soldaten durch Lawinen als durch feindlichen Beschuss.

Tourentipps

Skitour auf die Punta Rocca

Skitour auf die Punta Penia

Gut zu wissen

Ihren Namen hat die Marmolata angeblich ihrem Aussehen zu verdanken – der Fels sehe ähnlich aus wie Marmor.

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