5 Fragen an Bergmenschen

Angelika Rainer: „Ich versuche das Beste aus der Situation zu machen"

Interview • 8. April 2020
von Robert Maruna

Dass Angelika Rainer die vermutlich beste Eiskletterin der Welt ist, weiß man, seit die 33-Jährige Südtirolerin als erste Frau die schwerste Drytooling-Route der Welt „A Line above the Sky“ (D15) wiederholen konnte. Wir haben ihr fünf Fragen gestellt, wie sich ihr aktuelles Leben und der Alltag ohne die Berge gestaltet.

Angelika Rainer träumt gerade vom Eisklettern in Island
Foto: Matteo Meucci
Angelika Rainer träumt gerade vom Eisklettern in Island

Bergwelten: Wo bist du gerade?

Ich bin gerade zu Hause in Meran in Südtirol

Wie gestaltet sich nun dein alltägliches Leben?

Aus arbeitstechnischen und familiären Gründen habe ich meinen Wohnsitz bei meiner Mutter in Meran, wo ich geboren und aufgewachsen bin. Normalerweise verbringe ich aber viel Zeit bei meinem Freund, mit dem ich seit über 10 Jahren zusammen bin. Da die offiziellen Maßnahmen uns nun dazu auffordern, dass wir uns am Wohnort aufzuhalten haben, sehen wir uns leider schon seit über einem Monat nicht mehr. Um die ganze Sache weniger schlimm zu machen, versuche ich mir vorzustellen, dass ich gerade auf einer Reise oder Expedition bin (lacht). Auf der anderen Seite freut sich meine Mutter, dass ich ihr in dieser eintönigen Zeit Gesellschaft leiste.

Wie holst du dir die Berge nach Hause?

Glücklicherweise haben wir eine wunderschöne Aussicht auf das Etschtal zwischen Meran und Bozen und auf die umliegenden Berge und noch dazu eine Terrasse, auf der wir die Sonne genießen können.

 

Angelika verweilt gerade gemeinsam mit ihrer Mutter in Meran, aber freut sich schon wieder auf das Klettern am richtigen Fels
Foto: Angelika Rainer
Angelika verweilt gerade gemeinsam mit ihrer Mutter in Meran, aber freut sich schon wieder auf das Klettern am richtigen Fels

Wie hältst du deinen Körper und Geist gerade fit?

Ich betreibe fünf Mal die Woche Balkentraining um meine Finger und Arme fit zu halten. Außerdem fahre ich viel auf dem Heimtrainer, mache Bauch- und Körperspannungsübungen und zum Ausgleich viel Stretching. All dieses Training hatte ich in letzter Zeit etwas vernachlässigt, da der sonnige Fels und das Eisklettern mich immer wieder nach draußen gelockt hatten. Nun versuche ich das Beste aus der Situation zu machen und an meinen Schwächen zu trainieren. Um meinen Geist zu fordern, lese ich momentan sehr viel.

Wovon träumst du, wenn du an die Berge denkst?

Der Frühling ist für mich eine besonders schöne Zeit im Freien: alles wird Grün und die Frühlingsblumen beginnen zu sprießen. Insofern ist es natürlich sehr schade, gerade diese Zeit nicht draußen zu verbringen. Natürlich fehlt mir das Klettern sehr, aber noch mehr sind es die Freunde, mit denen ich normalerweise meine Zeit beim Klettern und in den Bergen verbringe.

Mehr zum Thema

Bergwelten stellt 5 Fragen an die bayerische Bergsteigerlegende Hermann Huber
Eines ist sicher: Wir alle verbringen nun viel Zeit daheim und nicht draußen. Doch die Berge können wir uns auch nach Hause holen. Wege, wie man das schafft, gibt es wohl ganz viele: Vom Stubenhocker bis zum Bergfex – wir stellen nun täglich 5 Fragen an Menschen aus dem Bergwelten-Umfeld und gewähren euch so Einblick in ihren neuen Alltag innerhalb der eigenen vier Wände. Den Anfang macht die bayerische Bergsteigerlegende Hermann Huber. Mit seinen 89 Jahren ist er immer noch extrem aktiv – nur aktuell eben nicht in den Bergen.
Nadine Wallner ist Freeride Doppel-Weltmeisterin und lebt für die Berge
Nadine Wallner, 30, ist zweifache Gewinnerin der Freeride World Tour und bereist das halbe Jahr den Globus, auf der Suche nach frischem Powder. Mittlerweile macht die Red Bull-Athletin und Bergführer-Aspirantin aber auch mit anspruchsvollen Kletterprojekten auf sich aufmerksam. Wir haben nachgefragt, womit sie nun ihre Zeit daheim verbringt und wie sie ihren Körper und Geist fit hält.
Auch für Gerlinde Kaltenbrunner, die erfolgreichste Höhenbergsteigerin aller Zeiten, müssen die Berge vorerst warten
Gerlinde Kaltenbrunner, 49, zählt unbestritten zu den erfolgreichsten Höhenbergsteigerinnen aller Zeiten: Sie war die dritte Frau, die alle 14 Achttausender bestieg und die erste, der dies ohne zusätzlichen Sauerstoff gelang. Wir haben nachgefragt, wie sie nun ihr Leben in den eigenen vier Wänden verbringt und welchen Bergen sie in ihren Träumen begegnet.

Bergwelten entdecken