Talisman am Berg

5 Bergsportler und ihre Glücksbringer

Blog • 16. März 2017
von Sissi Pärsch

Wenig Gewicht, viel Bedeutung: Wer sich als Profi am Berg bewegt, der lebt nicht ungefährlich. Wir haben uns deshalb bei Bergsportlern nach Glücksbringern umgehört. Das interessante Fazit: Aberglauben spielt keine Rolle. Der Talisman hilft vielmehr beim Fokussieren, erinnert an die eigene Stärke – und daran, worauf es wirklich ankommt. 4 Alpinisten und ihre Glücksbringer.

 

1. Tamara Lunger

Profi-Bergsteigerin aus Südtirol, Italien

Tamara Lunger und ihr Glücksbringer

„Ich habe zum einen eine Kette mit Glücksbringern von meiner Mama, zwei Freunden und einem Wallfahrtsort, die ich auf jeder Expedition dabei habe. Die Anhänger sind aus Holz, Leder, Metall und Knochen – es ist also von allem etwas dabei.

Aber zudem hat mir meine Mutter für meine erste Expedition einen Schnürsenkel in braun (ästhetisch nicht so schön ...) mit 5 integrierten Knöpfen geschenkt. Sie symbolisieren uns als Familie. Sie meinte: „Er wiegt nicht viel, aber bedeutet viel. Er soll dir Glück bringen. Niemand kann uns als Familie jemals trennen!“ Ich lege ihn immer am Abflugtag an und nehme ihn bei meiner Rückkehr wieder ab …

Ich habe ihn sogar im Basecamp vom Everest schon einmal verloren. Es waren 1.000 Leute vor Ort – und jemand hat ihn mir wieder gebracht. Das war definitiv ein Zeichen!“

2. Andri Ragettli

Freeski Gesamt-Weltcup-Sieger aus Laax, Schweiz

Andri Ragettli und sein Goldstück

„Mein Glücksbringer habe ich fast immer in meiner Skihose, ein kleines Goldstück, das mir meine Mama aus Burma mitgebracht hat. Als Freeskier bin ich sehr abhängig von meinem mentalen Zustand. Oft vergesse ich, was ich schon erreicht habe wenn es mal nicht so gut läuft. Das Goldstück soll mich an meine Erfolge und meine Ziele erinnern.

Deshalb habe ich auch eine kleine Kristallkugel. Im März 2016 habe ich den Gesamtweltcup gewonnen und die Mini-Version der Kristallkugel lässt mich meine Erfolge nicht vergessen. Wenn ich mal am Podium vorbei schramme, helfen mir die Glücksbringer weiter an mein Ziel zu glauben.“

3. Alexander Bayerl

Berg- und Skiführer aus Bayern, Deutschland

Alexander Bayerl
Foto: Alexander Bayerl / Maier Sports
Alexander Bayerl

„Mein Glücksbringer ist ein Foto meiner Tochter – a ganz a herziges: 8 Monate alt mit dem Papa beim Babschwimmen... Und das begleitet mich tatsächlich. Im Herbst vergangenen Jahres habe ich einen Gast durch die Watzmann Ostwand geführt. An einer Stelle dachte ich mir „Hey da drüben ist ein cooler Tritt“ und mache einen Schritt auf die linke Seite – und in der nächsten Sekunde rauscht rechts an mir ein faustgroßer Stein vorbei. Der hätte mich problemlos aus der Wand geputzt.“

4. Angelika Kaufmann

Freeriderin und Skiführerin in Lech am Arlberg, Österreich

Angelika Kaufmann und ihr Glücksschweinchen

„Mein größter Schutzengel ist meine Mama, die leider 1997 an Leukämie verstorben ist. Sie steht mir in allen Situationen und Momenten bei – ich habe einfach das Gefühl, dass sie von „dort oben“auf mich schaut. Zu einer Expedition nach Kirgistan 2014 haben mir meine engsten Vertrauten symbolische Glücksbringer mitgegeben, die mich seitdem begleiten: mein Glücksschwein aus Stoff von meiner besten Freundin mit einer Plakette der Maria Mutter Gottes um den Hals, die ich von meiner Oma habe. Im Winter habe ich beim Skifahren immer meinen geweihten Ullr (Schutzpatron der Skifahrer) dabei.

Ich fühle mich einfach zusätzlich gestärkt und beschützt, vor allem weil sie von Menschen kommen, die mir nahe stehen. Bei meinem Beruf ist die mentale Stärke entscheidend und wenn mich ein Glücksbringer dabei unterstützt, ist das doch super.“

5. Jérémie Heitz

Schweizer Freeride World Tour-Fahrer & Star von „La Liste

Der Glücksbringer von Freerider Jérémie Heitz aus dem Himalaya

„Meinen Talisman habe ich seit September 2015. Ich war mit Samuel Anthamatten mit dem Bike im Himalaya unterwegs, um in der Annapurna-Gebirgskette potentielle Skiabfahrten auszukundschaften. Mitten in der Reise haben wir uns einen Tag Pause gegönnt. Wir frühstückten entspannt in 4.000 m Höhe auf der Terrasse unserer Lodge, als uns dieses wunderschöne Kloster mitten in den Felsen ins Auge stach. Wir mussten einfach hin. Nach Stunden kamen wir oben an und ein sehr alter Mönch begrüßte uns. Er betete für uns, gab mir ein ganz einfaches Band und sagte: 'Das wird dich in den Bergen beschützen'. Seitdem trage ich es und glaube auch, die Kraft zu spüren.“


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