Hütten-Know-How

Materialtransport zur Hütte: Methoden und Kosten

Wissenswertes • 22. April 2020

Eine Hütte muss regelmäßig mit Lebensmitteln und Heizmaterial versorgt werden. Wie kommen diese Dinge auf den Berg und wie viel kostet ihr Transport eigentlich? Wir haben recherchiert.

Dreizinennhütte Dolomiten Hubschrauber Materialtransport
Foto: mauritius images/ Gerhard Zwerger-Schoner
Helikopter-Materialtransport auf die Dreizinnenhütte (2.405 m) in Südtirol

Welche Arten des Materialtransports für Hütten gibt es?

1. Materialseilbahn

Zahlreiche Hütten nutzen eine Materialseilbahn für den Materialtransport. Das ist umweltfreundlich und kann auch mehrmals am Tag erfolgen. Umweltschutz beim Materialtransport ist natürlich generell, ganz besonders aber bei in Natur- oder Nationalparks gelegenen Berghütten ein großes Thema.

2. PKW/ Geländefahrzeuge

Viele Schutzhütten können in der schneefreien Jahreszeit mit dem Auto, gegebenenfalls mit einem Geländefahrzeug, erreicht werden. Zu eher exotischen, aber ebenfalls eingesetzten Fahrzeugen gehören Einachser und Unimogs. Im Winter kommen die „Schneekatze“ (Pistenraupe) und Motorschlitten zum Einsatz. Ein beliebtes Wintervehikel ist der Bandvagn – ein Kettenfahrzeug des schwedischen Herstellers Hägglunds.

3. Geländemotorrad

In Ausnahmefällen bringen Hüttenleute kleinere Lieferungen mit ihrem Geländemotorrad oder einer Trialmaschine auf den Berg.

4. Pferd/ Maulesel/ Lamas

Es gibt vereinzelt noch Hütten, die kleinere Lieferungen mit Pferden, Maulesel oder Lamas organisieren. Dabei ist aber eher die Leidenschaft des Hüttenwirtes für diese Tiere, als der praktische Aspekt ausschlaggebend.

5. Helikopter
Hochalpine Schutzhütten werden ausschließlich mit dem Helikopter beliefert. In der Regel sind die Hüttenwirte mit ihren benachbarten Hüttenbetreibern gut vernetzt – so können gemeinsame Transporte vom Talort organisiert werden. Ein wichtiges Thema ist auch der Abtransport von Abfällen und Leergut von der Hütte ins Tal.

6. Drohne

In Zukunft wird Material wohl auch per Drohnen zu schwer zugänglichen Hütten transportiert werden. Erste Test-Flüge wurden bereits erfolgreich durchgeführt. Diese Methode verspricht – zumindest im Vergleich zu Helikoptern – günstig, geräuscharm und vor allem umweltschonend zu sein. Während ein kostenintensiver Hubschrauber zwischen 50 und 170 Liter Kraftstoff pro Stunde verbraucht, fliegt die E-Drohne dank Elektromotor mit null Emissionen. Drohnen sind übrigens bei bis minus 20 Grad einsetzbar – im Hochgebirge nicht unwesentlich.

7. Zu Fuß

Der Materialtransport zu Fuß ist selten geworden. Er kommt beispielsweise noch bei kleineren Hütten im Trentino vor. Durchgeführt wird er von Vereinsmitgliedern.

Materialtransport Drohne Pinzgauer Hütte
Foto: Naturfreunde Österreich
Innovation Material-Drohne: Im Sommer 2017 wurde an der Pinzgauer Hütte (1.700 m) in Salzburg ein Testflug durchgeführt

Wie viel Kilogramm Last kann man damit jeweils auf einmal befördern?

1. Ein Hubschrauber kann maximal 700 Kilo zu einer Hütte befördern.

2. In ein geländetaugliches Fahrzeug wie den Land Rover Defender kann man schon bis zu 1.000 Kilo zuladen.

3. Ein Pferd (Haflinger) oder Maultier kann mit 10 bis 15 Prozent seines Körpergewichtes beladen werden. Mit einem Gewicht von 600 Kilo kann ein Lastenpferd also bis zu 90 Kilo Gewicht tragen. Klarerweise hängt dies auch von der Pferderasse ab.

4. Drohnen sollen in Zukunft bis zu 100 Kilo befördern können. Der angesprochene Testflug erfolgte mit einer Last von 50 Kilo.

Lamas Werfener Hütte
Foto: Andreas Jakwerth
Selten, aber vereinzelt auch für den Materialtransport eingesetzt: Lamas

Wie viel kostet ein Materialtransport per Hubschrauber?

Eine Flugminute mit dem Lasten-Helikopter kostet 30 bis 35 Euro (hängt von der Größe der Maschine ab).

Wie oft müssen Hütten im Schnitt Material transportieren?

Das ist circa alle drei bis vier Wochen notwendig. Im Schnitt werden auf einer Hütte pro Saison 5 bis 15 Tonnen Lebensmittel benötigt. Hinzu kommen noch 1 bis 5 Tonnen Heizmaterial, je nach Lage der Hütte.

Wie viel kostet der Materialtransport einer Hütte im ganzen Jahr?

Je nach Lage und Erreichbarkeit der Hütte kostet den Hüttenbetreiber allein der Warentransport zwischen 8.000 und 14.000 Euro im Jahr. Wenn Nachbarhütten ihren Transport gemeinsam organisieren kann aber einiges an Kosten gespart werden.

Wer baut und finanziert eigentlich Materialseilbahnen? Teilen sich alpine Verbände mit den Hüttenpächtern die Kosten?

Der Neubau einer Materialseilbahn wird von der hüttenverwaltenden Sektion des Alpenvereins getragen. Eine Kofinanzierung durch das jeweilige Bundesland ist möglich. Die außerordentlichen Instandhaltungen übernimmt ebenso die hüttenverwaltende Sektion. Der Pächter (Hüttenwirt) übernimmt in der Regel ausschließlich die Kosten für die Führung (Energie) und ordentliche Instandhaltung der Materialseilbahn.

Materialseilbahn der Oberetteshütte (2.680 m) in den Ötztaler Alpen

Davon abgesehen muss der Hüttenwirt alle Kosten des Materialtransports selbst tragen?

Ja, der Hüttenwirt muss die Kosten für den Materialtransport selber decken – auch per Hubschrauber.

Wie lassen sich die Kosten reduzieren?

Kosten werden manchmal eingespart, indem Fluggeräte genutzt werden, die bereits in der Nähe zum Einsatz kommen – etwa bei Bergbahn-Baustellen (geringere Anflugs-Kosten). Oder indem eben mehrere Hütten ihren Materialtransport gemeinsam organisieren.

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