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Berg-Know-how

Was tun bei Hitze am Berg?

• 29. Juni 2023
4 Min. Lesezeit
von Peter Plattner

Hohe Temperaturen und körperliche Anstrengung sind eine große Belastung für den Körper und steigern das Risiko einer gesundheitlichen Schädigung. Im heutigen Berg-Know-how geht es um die Folgen von Hitze und was wir dagegen tun können. Die Sicherheitsexperten Peter Plattner und Walter Würtl klären auf.

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Bergsteigen bei Hitze: Trotz guter Tourenplanung gerät man manchmal in die Mittagshitze. Luftige Bekleidung, genügend Flüssigkeit, Sonnencreme und Kopfschutz schützen vor Sonneneinstrahlung!
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Während ein Sonnenbrand analog zu einer Erfrierung eine lokale Schädigung des Gewebes bedeutet, entsprechen systematische Probleme wie Hitzekollaps, Hitzeerschöpfung oder Sonnenstich der allgemeinen Unterkühlung. Dabei handelt es sich um Reaktionen des Körpers, die mitunter dramatische Konsequenzen haben können. Sie sollten deshalb unbedingt durch präventive Maßnahmen vermieden werden.

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  • Temperaturregulation des Körpers

    Unser Körper funktioniert am besten, wenn die Körperkerntemperatur etwas unter 37 Grad Celsius liegt. Steigt diese Temperatur über circa 42 Grad, hat das massive Auswirkungen und kann letztendlich zum Versagen mehrerer Organe führen. Beim Bergsteigen kommt zu hohen Temperaturen dann auch noch die körperliche Anstrengung hinzu. Durch verschiedene Arten des Wärmeaustausches versucht unser Körper die „Hitze“ wieder loszuwerden. Hauptsächlich kommt es zur Bildung von Schweiß und mit seiner Verdunstung zu einem kühlenden Effekt auf der Haut. Damit einher geht aber auch eine verstärkte Durchblutung der Haut, wodurch die Herzfrequenz steigt und letztlich der Kreislauf belastet wird.

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    Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Luftfeuchtigkeit, denn ab circa 35 Grad Celsius ist die Wärmeabgabe durch Schweißbildung am wichtigsten. Je höher aber die Luftfeuchtigkeit ist (das heißt: je mehr die Luft bereits mit Wasserdampf gesättigt ist), desto schlechter kann der Schweiß verdunsten und desto weniger Wärme wird abgeführt. Deswegen ist nicht so sehr die absolute Temperatur als vielmehr der Taupunkt (dann ist die Luft zu 100 Prozent mit Wasserdampf gesättigt) für unser Wohlbefinden und die Belastung auf den Körper entscheidend. Aus diesem Grund halten wir es in der trockenen Wüste bei 45 Grad besser aus als im feucht-tropischen Regenwald bei 34 Grad Celsius.

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    Foto: Andreas Lattner
    Starke Sonneneinstrahlung am Gletscher: Kopf- und Nackenbedeckung sind hier Pflicht, um einen Sonnenstich zu vermeiden.

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    Da am meisten Schweiß über Kopf und Oberkörper abgegeben wird, sollte besonders an diesen Stellen möglichst luftige Kleidung getragen werden, um einen optimalen Wärmeaustausch zu befördern. Auf einer langen sommerlichen Klettertour in einer Südwand sollte also ein gut durchlüfteter Helm verwendet werden. Übrigens beschleunigt Wind die Verdunstung des Schweißes auf der Haut, was eine kühlende Wirkung hat.

    Wer sich über einen längeren Zeitraum in heißen Gebieten aufhält, wird einen Gewöhnungseffekt bemerken. Nach zehn bis 14 Tagen wird der Kreislauf weniger belastet und die Leistungsfähigkeit steigt, unter anderem weil der Körper mit einer höheren Schweißbildung reagiert. Schweiß besteht aus Elektrolyten und Wasser. Die Schweißproduktion geht daher auf Kosten des Blutplasma-Volumens – der Körper kann bei extremer Hitzebelastung zunächst bis zu vier Liter Schweiß pro Stunde produzieren, später noch bis zu einem Liter pro Stunde. Das kann massive Flüssigkeitsverluste bedeuten! Ähnlich wie beim Höhenbergsteigen empfiehlt sich daher eine langsame Gewöhnung, in unserem Fall: an die Hitze.

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    Foto: Andreas Jakwerth
    Hitze am Berg: Bei hohen Temperaturen muss viel und regelmäßig getrunken werden.

    Flüssigkeitszufuhr

    Regelmäßiges Trinken ist beim Bergsteigen immer gut. Während es bei uns in den Alpen manchmal noch ausreicht vor und nach der sportlichen Betätigung ordentlich zu trinken, ist in heißen Gebieten regelmäßiges, über den Tag verteiltes Trinken notwendig, um den Wasser-Elektrolyt-Haushalt im Normbereich zu halten. Die notwendigen Elektrolyte werden normalerweise durch die Nahrung aufgenommen, sodass ergänzende Tabletten nicht notwendig, teilweise sogar kontraproduktiv sind. In heißen Gebieten sollte Wasser, eventuell gesüßt mit Fruchtsäften, unseren Durst stillen, nur in Ausnahmefällen muss auf Elektrolytgetränke zurückgegriffen werden. Keinesfalls sind Experimente mit oft schlecht verträglichen Pülverchen zu empfehlen! Achtung: Man kann auch zu viel trinken und den Körper überlasten. Vor allem Wanderer mit riesigen Trinkblasen sind hier mitunter gefährdet.

    Hitzeschädigungen

    Beim Bergsteigen können folgende Hitzeschädigungen auftreten:

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    • Dehydratation als Folge einer Störung des Wasser-Elektrolyt-Haushaltes. Man fühlt sich zwar ausgelaugt und erschöpft, ist aber noch ansprechbar und orientiert. Der Puls ist hoch, aber die Körperkerntemperatur normal. Beginnt man nicht rasch zu trinken, steigt die Gefahr eines Hitzschlags. Auch können Koordinationsprobleme (Absturzgefahr) und Muskelschmerzen auftreten.

    • Hitzschlag als Folge einer Störung der Temperaturregulation, oft als Folge einer Dehydratation. Man fühlt sich erschöpft und ist „verwirrt“. Der Puls und die Körperkerntemperatur sind hoch. Wird der Körper nicht rasch aus der Sonne gebracht und abgekühlt, kann er mit Krämpfen und Bewusstlosigkeit reagieren. In letzter Konsequenz kann es zum Herzversagen kommen. Dem „echten“ Hitzschlag geht meist die sogenannte Hitzeerschöpfung voraus. Es gilt das eigene Verhalten sowie das seiner Bergkameraden aufmerksam zu beobachten – und lieber zu früh als zu spät zu reagieren.

    • Sonnenstich als Folge einer Reizung der Hirnhäute durch intensive kontinuierliche Sonneneinstrahlung auf den nicht geschützten Kopf- und Nackenbereich. Man bekommt Kopfschmerzen und einen roten Kopf, weitere Symptome sind Übelkeit und Desorientierung. Werden Kopf und Nacken nicht gekühlt und der Körper aus der Sonne gebracht, drohen Koma und Hirnödem.

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  • Was tun?

    Es gibt verschiedene Parameter, die auf die Wärmebelastung des Körpers wirken. Dabei muss zwischen folgenden Faktoren unterschieden werden:

    • Wetter: Luftfeuchtigkeit, Lufttemperatur, Strahlung, Wind

    • Mensch: allgemeiner Gesundheitszustand, Fitness, Akklimatisation, Flüssigkeitszufuhr

    • Tätigkeit: Aktivität/Anstrengung, Bekleidung (Helm, Kappe), Belastung (Rucksack)

    Abhängig davon ist es empfehlenswert, bereits präventiv auf die steigende Hitzebelastung zu reagieren:

    • Mehr und längere Pausen als sonst einlegen.

    • Mehr als üblich trinken.

    • Die körperliche Belastung geringer halten.

    • Erst Bergsteigen gehen, wenn man ausreichend hitze-akklimatisiert ist.

    • Touren im Schatten bevorzugen.

    • Schützende Kleidung tragen.

    Nur auf das Durstgefühl verlassen sollte man sich nicht, denn tatsächlich tritt das oft erst auf, wenn es bereits zu spät ist. Je nach Hitze und Belastung werden in echten Hitzegebieten zwischen 0,5 und 1 Liter Flüssigkeit pro Stunde empfohlen. Bergsteiger sollten in solchen Gebieten nur in Ausnahmefällen aktiv werden, denn diese Flüssigkeitsmengen mitzuschleppen ist praktisch nicht möglich. An besonders heißen Tagen ist es jedoch auch hierzulande eine durchaus gute Idee, mehr Flüssigkeit als gewohnt mitzuführen. Insbesondere vor der Tour sollte ausgiebig getrunken werden, mindestens einen halben Liter sollte man zum Frühstück aufnehmen – was übrigens vor jeder Bergtour eine gute Idee ist.

    Bei (drohendem) Hitzschlag gilt es, den Körper zu kühlen, also in den Schatten zu bringen und – wenn möglich – die Haut feucht zu halten (beispielsweise mit einem feuchten Halstuch). Befindet sich ein Bach oder Brunnen in der Nähe, wirkt ein Teil- bzw. Ganzkörperbad oft Wunder (dabei allgemeine Risiken von Ertrinken, Abtreiben etc. beachten). Dazu sollte in vernünftigen Mengen getrunken werden. Ein ausgeprägter Hitzschlag ist ein lebensbedrohlicher Zustand, daher unbedingt die Rettungskräfte alarmieren! Bei auftretender Bewusstlosigkeit muss gemäß des Erste-Hilfe-Schemas vorgegangen werden.

    Ein Sonnenstich kann durch entsprechende Schutzbekleidung von Kopf und Nacken verhindert werden. Vor allem am Gletscher sind Sonnenhut und hochgestellter Hemdkragen oder Halstuch Pflicht – einige schwören in wüstenähnlichen Gebieten übrigens auch auf einen Sonnenschirm.

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