Drei Wanderer steigen auf felsigem Untergrund in Richtung Gipfelkreuz des Großen Wiesbachhorns

Wandern bei Hitze: Risiken am Berg und wie du dich schützt

Tipps & Tricks
5 Min.
23.06.2026

Foto: Susanne Einzenberger

Werbung

Werbung

Werbung

Werbung

Empfehlungen

Werbung

Werbung

Empfehlungen

von Peter Plattner

Hohe Temperaturen stellen beim Wandern und Bergsteigen eine ernstzunehmende Belastung für den Körper dar. Hitze am Berg kann zu Dehydrierung, Hitzeerschöpfung oder sogar Hitzschlag führen – besonders bei körperlicher Anstrengung und starker Sonneneinstrahlung. Wir erklären, wie der Körper auf Hitze reagiert, wann sie gefährlich wird und was du beim Wandern bei Hitze unbedingt beachten solltest.

Inhalt

  1. 1. Wie reguliert unser Körper seine Temperatur?

  2. 2. Wie viel Flüssigkeit muss man bei Hitze trinken?

  3. 3. Wann wird Hitze gefährlich?

  4. 4. Was kann man bei Hitze tun?

1. Wie reguliert unser Körper seine Temperatur?

Unser Körper funktioniert am besten, wenn die Körperkerntemperatur etwas unter 37 Grad Celsius liegt. Steigt diese Temperatur über circa 42 Grad, hat das massive Auswirkungen und kann letztendlich zum Versagen mehrerer Organe führen.

Beim Bergsteigen kommt zu hohen Temperaturen dann auch noch die körperliche Anstrengung hinzu. Durch verschiedene Arten des Wärmeaustausches versucht unser Körper, die „Hitze“ wieder loszuwerden. Hauptsächlich kommt es zur Bildung von Schweiß und mit seiner Verdunstung zu einem kühlenden Effekt auf der Haut. Damit einher geht aber auch eine verstärkte Durchblutung der Haut, wodurch die Herzfrequenz steigt und letztlich der Kreislauf belastet wird.

Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Luftfeuchtigkeit, denn ab circa 35 Grad Celsius ist die Wärmeabgabe durch Schweißbildung am wichtigsten. Je höher aber die Luftfeuchtigkeit ist (das heißt: je mehr die Luft bereits mit Wasserdampf gesättigt ist), desto schlechter kann der Schweiß verdunsten und desto weniger Wärme wird abgeführt. Deswegen ist nicht so sehr die absolute Temperatur als vielmehr der Taupunkt (dann ist die Luft zu 100 Prozent mit Wasserdampf gesättigt) für unser Wohlbefinden und die Belastung auf den Körper entscheidend. Aus diesem Grund halten wir es in der trockenen Wüste bei 45 Grad besser aus als im feucht-tropischen Regenwald bei 34 Grad Celsius.

Da am meisten Schweiß über Kopf und Oberkörper abgegeben wird, sollte besonders an diesen Stellen möglichst luftige Kleidung getragen werden, um einen optimalen Wärmeaustausch zu befördern. Auf einer langen sommerlichen Klettertour in einer Südwand sollte also ein gut durchlüfteter Helm verwendet werden. Übrigens beschleunigt Wind die Verdunstung des Schweißes auf der Haut, was eine kühlende Wirkung hat.

Werbung

Werbung

Wer sich über einen längeren Zeitraum in heißen Gebieten aufhält, wird einen Gewöhnungseffekt bemerken. Nach zehn bis 14 Tagen wird der Kreislauf weniger belastet und die Leistungsfähigkeit steigt, unter anderem weil der Körper mit einer höheren Schweißbildung reagiert. Schweiß besteht aus Elektrolyten und Wasser. Die Schweißproduktion geht daher auf Kosten des Blutplasma-Volumens – der Körper kann bei extremer Hitzebelastung zunächst bis zu vier Liter Schweiß pro Stunde produzieren, später noch bis zu einem Liter pro Stunde. Das kann massive Flüssigkeitsverluste bedeuten! Ähnlich wie beim Höhenbergsteigen empfiehlt sich daher eine langsame Gewöhnung, in unserem Fall: an die Hitze.


2. Wie viel Flüssigkeit muss man bei Hitze trinken?

Regelmäßiges Trinken ist beim Bergsteigen immer gut. Während es bei uns in den Alpen manchmal noch ausreicht, vor und nach der sportlichen Betätigung ordentlich zu trinken, ist in heißen Gebieten regelmäßiges, über den Tag verteiltes Trinken notwendig, um den Wasser-Elektrolyt-Haushalt im Normbereich zu halten. Die notwendigen Elektrolyte werden normalerweise durch die Nahrung aufgenommen, sodass ergänzende Tabletten nicht notwendig, teilweise sogar kontraproduktiv sind.

Je nach Hitze und Belastung werden in echten Hitzegebieten zwischen 0,5 und 1 Liter Flüssigkeit pro Stunde empfohlen. Bergsteiger sollten in solchen Gebieten nur in Ausnahmefällen aktiv werden, denn diese Flüssigkeitsmengen mitzuschleppen ist praktisch nicht möglich. An besonders heißen Tagen ist es jedoch auch hierzulande eine durchaus gute Idee, mehr Flüssigkeit als gewohnt mitzuführen – bei sportlicher Betätigung steigt der Flüssigkeitsbedarf von etwa 2 Litern auf etwa 4 Liter an. In die Flasche kommt Wasser, eventuell gesüßt mit Fruchtsäften, nur in Ausnahmefällen muss auf Elektrolytgetränke zurückgegriffen werden.

Achtung: Man kann auch zu viel trinken und den Körper überlasten. Vor allem Wanderer mit riesigen Trinkblasen sind hier mitunter gefährdet.


3. Wann wird Hitze gefährlich?

Beim Bergsteigen können folgende Hitzeschädigungen auftreten:

  • Dehydratation als Folge einer Störung des Wasser-Elektrolyt-Haushaltes: Man fühlt sich zwar ausgelaugt und erschöpft, ist aber noch ansprechbar und orientiert. Der Puls ist hoch, aber die Körperkerntemperatur normal. In einer solchen Situation sollte man rasch etwas trinken, ansonsten steigt die Gefahr eines Hitzschlags. Auch können Koordinationsprobleme (Absturzgefahr) und Muskelschmerzen auftreten.

  • Hitzschlag als Folge einer Störung der Temperaturregulation, oft als Folge einer Dehydratation: Man fühlt sich erschöpft und ist „verwirrt“. Der Puls und die Körperkerntemperatur sind hoch. Wird der Körper nicht rasch aus der Sonne gebracht und abgekühlt, kann er mit Krämpfen und Bewusstlosigkeit reagieren. In letzter Konsequenz kann es zum Herzversagen kommen. Dem „echten“ Hitzschlag geht meist die sogenannte Hitzeerschöpfung voraus. Es gilt das eigene Verhalten sowie das seiner Bergkameraden aufmerksam zu beobachten – und lieber zu früh als zu spät zu reagieren.

  • Sonnenstich als Folge einer Reizung der Hirnhäute durch intensive kontinuierliche Sonneneinstrahlung auf den nicht geschützten Kopf- und Nackenbereich. Man bekommt Kopfschmerzen und einen roten Kopf, weitere Symptome sind Übelkeit und Desorientierung. Werden Kopf und Nacken nicht gekühlt und der Körper aus der Sonne gebracht, drohen Koma und Hirnödem.

Dass Hitze am Berg besonders ernst genommen werden sollte, zeigen auch die Unfallanalysen des Österreichischen Kuratoriums für alpine Sicherheit: Herz‑Kreislauf‑Störungen zu den häufigsten Todesursachen beim Bergsport – ein Risiko, das sich bei Hitze und körperlicher Belastung deutlich erhöht.

Berg & Freizeit

Wie Sonne im Gebirge wirkt

Here comes the Sun! Der Sommer ist zurück – und damit auch die Frage: Wie wirkt Sonne eigentlich im Gebirge? Und wie schützt man sich richtig? Wir verraten es.

Wissenswertes

1 Min.


4. Was kann man bei Hitze tun?

Es gibt verschiedene Parameter, die auf die Wärmebelastung des Körpers wirken. Dabei muss zwischen folgenden Faktoren unterschieden werden:

  • Wetter: Luftfeuchtigkeit, Lufttemperatur, Strahlung, Wind

  • Mensch: allgemeiner Gesundheitszustand, Fitness, Akklimatisation, Flüssigkeitszufuhr

  • Tätigkeit: Aktivität/Anstrengung, Bekleidung (Helm, Kappe), Belastung (Rucksack)

Präventive Maßnahmen bei Hitze am Berg

Abhängig davon ist es empfehlenswert, bereits präventiv auf die steigende Hitzebelastung zu reagieren:

  • Mehr und längere Pausen als sonst einlegen

  • Mehr als üblich trinken

  • Die körperliche Belastung geringer halten

  • Erst Bergsteigen gehen, wenn man ausreichend Hitze-akklimatisiert ist

  • Touren im Schatten bevorzugen

  • Schützende Kleidung tragen

Richtig trinken: Warum das Durstgefühl trügt

Nur auf das Durstgefühl verlassen sollte man sich nicht, denn tatsächlich tritt das oft erst auf, wenn es bereits zu spät ist. Insbesondere vor der Tour sollte ausgiebig getrunken werden, mindestens einen halben Liter sollte man zum Frühstück aufnehmen – was übrigens vor jeder Bergtour eine gute Idee ist.

Erste Hilfe bei (drohendem) Hitzschlag

Bei (drohendem) Hitzschlag gilt es, den Körper zu kühlen, also in den Schatten zu bringen und – wenn möglich – die Haut feucht zu halten (beispielsweise mit einem feuchten Halstuch). Befindet sich ein Bach oder Brunnen in der Nähe, wirkt ein Teil- bzw. Ganzkörperbad oft Wunder. Dabei ist jedoch Vorsicht geboten: Ein zu rasches Abkühlen, etwa durch abruptes Eintauchen in kaltes Wasser, kann den Kreislauf zusätzlich belasten. Besser ist es, langsam ins Wasser zu waten und den Körper schrittweise zu kühlen. Allgemeine Risiken wie Abrutschen oder Abtreiben sind dabei stets zu beachten.

Ein ausgeprägter Hitzschlag ist ein lebensbedrohlicher Zustand, daher unbedingt die Rettungskräfte alarmieren! Bei auftretender Bewusstlosigkeit muss gemäß des Erste-Hilfe-Schemas vorgegangen werden.

Sonnenstich gezielt vorbeugen

Ein Sonnenstich kann durch entsprechende Schutzbekleidung von Kopf und Nacken verhindert werden. Vor allem am Gletscher sind Sonnenhut und hochgestellter Hemdkragen oder Halstuch Pflicht – einige schwören in wüstenähnlichen Gebieten übrigens auch auf einen Sonnenschirm.


    Bergwelten ist der Startpunkt für dein Abenteuer in den Bergen

    Mit Tausenden geprüften Touren, Hütten und Unterkünften sowie Bergwissen von Expertinnen und Experten bist du ideal für die Berge vorbereitet.

    Touren

    Hütten

    Artikel