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Was du noch nicht über die Antarktis wusstest

1. Mai 2016
2 Min. Lesezeit
von Christina Geyer
Die Mikrobiologin Birgit Sattler hat für ihre Forschungstätigkeiten bereits an mehr als 20 Polarreisen teilgenommen. Gerade ist ihr erstes Buch Eis.Leben im Tyrolia Verlag erschienen. Darin erzählt sie von ihren persönlichen Erfahrungen in der Antarktis – im ewigen Eis, wo es entweder niemals dunkel oder niemals hell wird. Uns hat Birgit Sattler verraten, wie es ist, sich für einen längeren Zeitraum im ewigen Eis aufzuhalten.
Eis.Leben: Forschungsreise in der Antarktis
Foto: Pexels/Ariel da Silva Parreira
Im ewigen Eis: Birgit Sattler weiß, wie das ist
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Eis.Leben: Forschungsreise in der Antarktis
Foto: Tyrolia Verlag/Birgit Sattler
Es ist ein Leichtes, sich in dieser Weite zu verlieren – auch gedanklich
Eis.Leben: Forschungsreise in der Antarktis
Foto: Tyrolia Verlag/Birgit Sattler
Birgit Sattler am Südpol
Eis.Leben: Forschungsreise in der Antarktis
Foto: Tyrolia Verlag/Birgit Sattler
Die McMurdo Station: die größte Forschungsstation auf dem Kontinent ist ganzjährig besetzt
Eis.Leben: Forschungsreise in der Antarktis
Foto: Tyrolia Verlag/Birgit Sattler
Handarbeit: nach den wertvollen Proben wird meist per Hand gebohrt
Eis.Leben: Forschungsreise in der Antarktis
Foto: Tyrolia Verlag/Birgit Sattler
Auf dem Observation Hill
Eis.Leben: Forschungsreise in der Antarktis
Foto: Tyrolia Verlag/Birgit Sattler
Eis.Leben: Forschungsreise in der Antarktis

Ein Ort der Extreme

Die Antarktis ist der höchste, trockenste, windigste und kälteste Platz der Erde. Es wird entweder monatelang nicht hell oder dunkel, die Temperaturen liegen zwischen -25° im Sommer und -65° im Winter. Birgit Sattler erzählt, dass man mit dem Wind aber am meisten zu kämpfen hat – die tiefen Temperaturen seien da schon eher auszuhalten.

Ein Gefänfnis ohne Gitter

Die Weite und Freiheit der Landschaft trügen: In Wahrheit kann man auch hier sehr gefangen sein. Der eigene Radius ist durch die Gefahr eines rasch eintretenden Wetterumschwunges sehr eingeschränkt, quasi ein Gefängnis ohne Gitter.

Solidarität im Antarktis-Team

Birgit Sattler ist davon überzeugt: Menschen, die wiederholt freiwillig die Antarktis als Ziel aufsuchen, ticken sehr ähnlich. Man könnte es auch eine Art „Gleichgesinntheit“ nennen.

Die Seele kann atmen

Im ewigen Eis fallen unnötige Anstrengungen weg: Man lässt sich nicht mehr so leicht ablenken, alles konzentriert sich auf das Wesentliche. Das Denken findet gewissermaßen in abgespeckter Form statt. In der Antarktis erkennt man schnell, was wichtig ist und was nicht.
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Der Mensch als Eindringling

Als Mensch fühlt man sich in der Antarktis wie ein Stachel, der nicht hingehört, wie eine Plastikblume auf einer glasklaren Scholle, beschreibt Birgit Sattler. Für das Eindringen ins ewige Eis sucht man speziell als Wissenschafter nach Rechtfertigungen – es bleibt aber oft eine Gratwanderung.

Damals & Heute

Eine Reise von heute ist nicht vergleichbar mit den Reisebedingungen von vor hundert Jahren. Heute ist man zumeist ortbar und es gibt fast immer einen doppelten Boden. Die Pioniere von damals waren dagegen völlig auf sich selbst gestellt und hatten oft monatelang keinen Kontakt zur Außenwelt.

Flexibilität ist gefragt

Ob schlechtes Wetter in der Antarktis zermürbend ist? Es hilft, etwas flexibler im Denken zu sein und zu improvisieren, verrät Birgit Sattler. Es liegt an einem selbst, wie gut man mit widrigen Umständen umzugehen weiß – gutes Wetter lässt sich eben nicht erzwingen.

Der Disney-Charakter der Antarktis

So pathetisch es auch klingen mag: Die Antarktis hat, wenn man ihre historische Entwicklung kennt, ihre Würde verloren, urteilt Birgit Sattler. Zwar ist sie zweifelsohne immer noch ein extremer Ort, aber Erreichbarkeit und menschliche Motivation haben sich stark verändert: Es geht heute um Rekorde, um das „Abhaken“ von geographischen Orten.

Der grausamste und zugleich herrlichste Ort der Welt

Die Antarktis ist in ihrer Natur unverzeihlich: Fehler haben dort unvergleichlich größere Konsequenzen als im normalen Alltag. Diese permanente Ausnahmesituation wirkt wie eine Sucht auf uns „Eisjunkies“. Man sehnt sich, schwärmt Birgit Sattler, nach dieser Reduktion allen Denkens und Handelns. Man könnte es auch „Ent-zeit-ung“ nennen.
Ihr wollt mehr erfahren zum Leben im ewigen Eis? Dann empfehlen wir euch Birgit Sattlers Buch Eis.Leben (Tyrolia Verlag).

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