Inseltour

Tageswanderung auf Mallorca: Von der Küste in die Berge

Touren-Tipps • 14. August 2017
von Lea Hajner

Die Rennradfahrer haben schon längst entdeckt, dass Mallorca abseits des „Ballermanns“ unglaublich viel zu bieten hat – nun erkunden auch verstärkt Wanderer die Naturschätze der Baleareninsel. Orangenhaine, Schluchten, ein Stausee und Berge: Lea Hajner stellt uns eine abwechslungsreiche Tageswanderung vor.

Wandern Mallorca
Foto: Lea Hajner
Kurz nach dem Cuber-Stausee

Dass Mallorca abseits des „Ballermanns“ so einiges zu bieten hat, dürfte sich mittlerweile rumgesprochen haben. Bei den Rennradfahrern, den Mountainbikern und seit einigen Jahren auch verstärkt unter den Wanderern. Am Fernwanderweg GR-221, der durch die Serra de Tramuntana (deutsch: Trockenmauer Gebirge) führt, eröffnen immer mehr Hütten und auch die Ausschilderung schreitet voran. Die meisten Abschnitte sind gut mit dem Bus erreichbar und lassen sich auch einzeln entdecken. Ein Teilstück, das landschaftlich von allem etwas beinhaltet, bietet sich auch als Tageswanderung an.

Von Port de Sóller zum Cúber Stausee (879)

Die Strecke führt vom Meer, durch die Orangenanbauregion bei Sóller und weiter auf verschlungenen Pfaden durch Olivenhaine zur Hochebene am Stausee Cúber. Der See auf 750 m dient unter anderem zur Trinkwasserversorgung der Hauptstadt Palma.

Wir sind faul und bleiben im Zuge unserer Mehrtageswanderung lieber noch eine Stunde länger am Meer. Schließlich gibt es das zuhause nicht. Schon ab Mitte Mai ist das Wasser angenehm warm und die Bäume an der Promenade spenden willkommenen Schatten. Als Wanderer fällt man hier auf jeden Fall aus der Reihe. Das ändert sich aber ganz schnell wenn man in Sóller ankommt, einer wunderschönen Stadt im Hinterland. Bis hierher führt ein Weg durch die Orangen- und Zitronenhaine. Wer aber, wie wir, die Zeit am Strand vertrödelt hat, kann mit der alten Straßenbahn bis Sóller fahren. Früher wurden auf den Gleisen die Zitrusfrüchte bis zum Hafen transportiert, von wo sie nach Spanien, Frankreich und weiter in alle Welt exportiert wurden. Der Leuchtturm in der Bucht diente übrigens genau diesen Handelsschiffen als Orientierungshilfe. 

Port de Sóller - der Ausgangspunkt der Tour

In Sóller, einer typisch mallorquinischen Stadt, geht es an der alten Kathedrale und den Tapas-Läden vorbei weiter in die Berge. Der Weg führt durch enge Gässchen. Hinter den Zäunen stehen schwerbeladene Zitronen- und Orangenbäume, die man am liebsten sofort ernten möchte. Bei der Kirche in Biniaraix zweigt der Weg von der Straße ab und es geht weiter auf den alten Pilgerwegen in die Schlucht hinein. Der Weg ist gepflastert und dank der vielen Stufen ist der Aufstieg ungewohnt sanft. Es zahlt sich trotzdem aus hier bereits am frühen Morgen zu gehen, denn ab Mittag brennt die Sonne unerbittlich vom Himmel.

Wir verlassen die Stadt in Richtung Schlucht

Auf die Hochebene

Entlang des ausgetrockneten Bachbetts geht es weiter durch die Schlucht „Barranc de Biniaraix“. Die einmalige Landschaft der „Serra de Tramuntana“ wurde übrigens bereits 2011 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Immer wieder sehen wir eine gewaltige Trockenmauer, die an einer Stelle reparaturbedürftig geworden ist. Es muss unglaublich viel Arbeit sein, so eine Mauer wieder aufzubauen oder gar neu aufzustellen. Doch was einmal gut sitzt, das hält. Manchmal jahrhundertelang.

Der Weg wandelt sich schließlich zu einem Höhenweg und führt durch einen kleinen Wald zum Pass Coll de L’Ofre. Wer mag könnte hier einen Abstecher zum Gipfel des Puig de L’Ofre (1.091 m) machen, wir ziehen es vor weiterzugehen. Umgeben von betörend duftenden wilden Kräutern haben wir nun freien Blick auf den Cúber Stausee.

Der Stausee ist erstaunlich gut gefüllt und lädt richtig zum Schwimmen ein, Verbotschilder können wir keine entdecken. Nachdem das letzte Baden am Strand mittlerweile doch einige Stunden her ist, lasse ich mich ins kühle Wasser fallen. Herrlich erfrischend und das inmitten der schönsten Berglandschaft Mallorcas.

Abkühlung im Stausee - auch das kann Mallorca sein

Für die meisten Fernwanderer geht der Weg noch ein paar Stunden weiter zum Refugi Tossals Verds. Wer sich den Tagesausflug ausgesucht hat, kann von hier den Bus zurück nach Sóller nehmen und sich die redlich verdienten Tapas in der malerischen Altstadt gönnen.

Gut zu wissen:

  • Die Buslinie 354 fährt zweimal täglich (nicht öfter und auch nicht sonntags) zum Cúber Stausee.
  • Die Straßenbahn von Port de Sóller nach Sóller fährt von April bis Oktober ca. zweimal die Stunde.
  • Wer will kann den Weg auch in die andere Richtung gehen und in der Früh zum Cúber Stausee mit dem Bus fahren. Dabei sollte man aber auch an festes Schuhwerk, ausreichend Wasser und seine Knie denken, es sind doch einige Höhenmeter im Abstieg!
  • Am Cúber Stausee selbst gibt es keine Verpflegung oder Wasser zu kaufen, das gleiche gilt für den gesamten Weg ab Biniaraix.

 

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