Hast du deinen aktuellen Fitnesszustand ermittelt, kannst du auf dieser Basis dein Training individuell anpassen und an deinen Schwächen arbeiten. Im Idealfall lässt du dir sogar einen Trainingsplan von einem Profi erstellen. Im Internet finden sich auch eine Menge kostenloser Trainingspläne, an denen du dich orientieren kannst. Beachte aber dabei, dass jeder Mensch anders auf bestimmte Trainingsreize reagiert und ein Plan, der für jemand anderen funktioniert, nicht auch für dich funktionieren muss. Insgesamt sollte dein Trainingsplan folgende Elemente beinhalten:
Grundlagenausdauer
Das Zauberwort, um lange Trailrunning-Rennen zu überstehen, lautet Grundlagenausdauer. Damit wird die Ausdauerleistung im aeroben Bereich bezeichnet, die Herzfrequenz liegt zwischen 55 und 75 % der maximalen Herzfrequenz. Dein Körper greift hier vorrangig auf Fett als Energiequelle zurück. Der Vorteil dabei: Fett haben die meisten Menschen so gut wie unlimitiert zur Verfügung. Daher hält man Belastungen in diesem Bereich wie langsames Laufen, Radfahren oder Wandern auch sehr lange durch.
Der Großteil deines Trainings (mehr als 75 %) sollte in diesem Bereich stattfinden. Gerade für Laufanfänger kann sich das zu Beginn seltsam anfühlen. Viele Hobbysportlerinnen und -sportler machen nämlich den Fehler, die meiste Zeit in einem zu hohen Pulsbereich zu trainieren, weil sich echtes Grundlagentraining nicht anstrengend genug anfühlt. Dieser Trainingsbereich, der etwas zu hoch für die Grundlage, aber zu niedrig für hochintensive Einheiten ist, ist anstrengend, bringt aber nicht die gewünschte Leistungssteigerung.
75–80 % des Trainings im aeroben Bereich
lockere Dauerläufe, Wandern, Radfahren
Ziel: lange Belastungen effizient bewältigen
Polarisierendes Training
Ein effektivesTrainingsmodell, um deine Ausdauer zu verbessern, ist das sogenannte polarisierende Training: Dabei werden lange, lockere Einheiten im Grundlagenausdauerbereich mit kurzen, hochintensiven Einheiten nahe der maximalen Herzfrequenz kombiniert. Als Faustregel gilt, ungefähr 80 % der Trainingszeit im Grundlagenbereich zu absolvieren, etwa bei lockeren Dauerläufen, während denen man noch plaudern kann, und 20 % im hochintensiven Bereich, zum Beispiel bei Intervallläufen. Diese Trainingsmethode ist nicht nur sehr effektiv, sondern auch angenehm für den Kopf, da du weißt, dass wirklich harte Einheiten schnell wieder vorbei sind.
80 % locker, 20 % intensiv
Intervallläufe, Bergsprints
wissenschaftlich belegte Trainingsmethode im Ausdauersport
Krafttraining & Stabilität
Rosanna Buchauer, eine der erfolgreichsten Trailrunnerinnen Deutschlands, rät allen Hobbyläuferinnen und -läufern, wöchentliches Krafttraining in den Trainingsplan einzubauen: „Denn nur so kann man vermeiden, dass es zu keinen Überlastungen an Bändern und Sehnen kommt.“ Einerseits schützen Muskeln die Gelenke vor hohen Belastungen, wie sie zum Beispiel beim Bergablaufen einwirken. Andererseits macht Krafttraining Bänder und Sehnen widerstandsfähiger, sodass sie auch lange Ausdauereinheiten gut wegstecken.
Starke Muskeln lassen dich außerdem ökonomischer laufen. Gerade beim Trailrunning solltest du unbedingt Stabilisierungsübungen für deine Beinachsen machen, um dein Gleichgewicht zu verbessern und Verletzungen an Gelenken, Sehnen und Muskeln vorzubeugen. Klassische Übungen dafür sind zum Beispiel der einbeinige Stand auf einer Balancematte, Ausfallschritte, Kniebeugen oder die Standwaage.
mindestens 1-2 Krafteinheiten pro Woche
Fokus auf Beinachsen, Rumpf & Gleichgewicht
sehr wichtig für Verletzungsprävention
Ausfallschritt
© Katharina Löffler
Beweglichkeit
Ein weiterer Tipp von Trailrunnerin Rosanna Buchauer: Mobilisierung- und Dehnübungen zur Routine werden lassen. „Ich habe mir angewöhnt, jeden Morgen 15 Minuten zu mobilisieren, Übungen mit der Black Roll zu machen und zu dehnen. Das tut meinem Körper unglaublich gut und ist mittlerweile eine Routine wie Zähneputzen für mich geworden.“
Regelmäßiges Mobility-Training schützt deinen Körper vor Verletzungen und hält ihn langfristig gesund. Bestandteile einer Mobility-Routine können zum Beispiel Übungen mit einer Schaumstoffrolle oder einem Ball sein, mit denen du verklebte Faszien lockerst. Faszien sind ein Teil des Bindegewebes, der deine Muskeln und Organe wie eine Haut umschließt und sie stützt. Können deine Faszien gut gleiten, vergrößert das den Bewegungsradius deiner Gelenke und beugt Verspannungen vor. Auch klassisches Dehnen und Yoga-Übungen wie der herabschauende Hund oder die tiefe Yoga-Hocke halten dich beweglich.
Mobility-Training beugt Verletzungen vor
Dehnen, Yoga, Faszienarbeit
Regeneration
Training macht dich schwächer, nicht stärker. Erst in den Regenerationsphasen nach dem Training wächst deine Leistung. Daher sind Pausen im Trainingsplan essenziell, um sich zu verbessern, aber auch um Verletzungen und Überlastungen zu vermeiden. Laufen ist ein High Impact Sport, der deinen Muskeln, Gelenken und Sehnen einiges abverlangt. Vor allem zu Beginn deiner Laufkarriere brauchen die Strukturen Zeit, um sich an die neue Belastung anzupassen. Gönn dir daher genug lauffreie Tage und spür an diesen Tagen in deinen Körper hinein: Zwickt das Knie oder schmerzt der Fuß? Das können Symptome dafür sein, dass du es etwas übertrieben hast. In der Regel klingen solche Beschwerden nach ein paar Tagen wieder ab und gehören am Anfang einfach dazu. Werden sie langfristig nicht besser, ist das aber ein Anzeichen dafür, dass du an deinem Trainingspensum oder Laufstil etwas verändern solltest.
Damit du nach einem intensiven Training möglichst schnell wieder fit bist, solltest du außerdem darauf achten, dass du genug schläfst und dich gesund und nährstoffreich ernährst. Auch Dehnübungen, Massagen, Eisbäder oder lockere Ausgleichstrainingseinheiten können angenehm sein. Vergiss außerdem nicht, dass Stress deine Regeneration beeinflusst: Arbeit, Training und am Abend noch Freunde treffen geht sich während einer Wettkampfvorbereitung wahrscheinlich nicht immer aus. Du musst für dich selbst herausfinden, inwieweit du bereit bist, für den Erfolg im Rennen auch mal Abstriche im Sozialleben zu machen.
Erholung und Pausen als Bestandteil des Trainingsplans verstehen
Schlaf, gesunde Ernährung, wenig Stress
Kathi’s Erfahrung: Struktur im Training zu haben, ist in gewisser Weise ein befreiendes Gefühl: Der Blick auf den Trainingsplan nimmt einem die Entscheidung ab, ob die Motivation heute hoch genug für Intervalle ist. Mit dem Kopf sollte man trotzdem dabeibleiben, vor allem, um die Signale seines Körpers richtig zu deuten. Nur wenige Wochen nachdem ich hochmotiviert mit dem Lauftraining gestartet habe, war schon die erste Sehne im Fuß überlastet. Ergebnis: Fast zwei Monate Laufpause. Hätte ich mein Trainingspensum langsamer gesteigert und von Beginn an Kraft- und Mobility-Übungen eingebaut, hätte ich das wahrscheinlich vermeiden können.