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Ski(hoch)touren im Frühjahr: Worauf es ankommt

Wissenswertes • 16. März 2022
3 Min. Lesezeit

Im Hochgebirge liegt immer noch genügend Schnee und während einige ihre Ski bereits im Keller verstaut haben, ist das Frühjahr für viele der Höhepunkt ihrer Skitourensaison. Einige Punkte gilt es dabei allerdings zu beachten. Wir klären euch über die Besonderheiten von Skitouren im Frühjahr auf.

Skitour Piz Buin
Foto: Julian Rohn / Bergwelten Magazin
Skihochtour auf den Piz Buin (Bildmitte)
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Skitouren im Frühjahr unterscheiden sich grundlegend von jenen im Hochwinter: Es müssen besondere Verhältnisse herrschen und auf Tour muss man sich etwas anders verhalten.

Firn

  • Im Frühjahr ist es einfach das Größte, in perfekt aufgefirntem Schnee abzufahren. Dies ist aber nur möglich, wenn ...

    • die Nacht klar und dementsprechend kalt war und der Schnee gefroren ist.
    • man zum richtigen Zeitpunkt abfährt. Also wenn die hart gefrorene Schneeoberfläche durch die Sonneneinstrahlung beginnt, weich zu werden, aber immer noch tragfähig ist – bevor sie also durchnässt ist und man „einbricht“.
    Skitourengeher bei einer Skitour im Frühling
    Foto: mauritius images / Bernd Ritschel
    Es gibt nichts Besseres, als im perfekten Firn hinunterzuzischen, wie hier im Wettersteingebirge

    Zeitplan

    Im Frühjahr muss man rechtzeitig mit dem Aufstieg beginnen, um das ideale Abfahrts- beziehungsweise Firnfenster zu erwischen. Das bedeutet: Früh aufstehen und oft noch im Dunkeln mit der Stirnlampe starten. Im Zweifelsfall ist man besser zu früh als zu spät dran.

    Auf dem Gipfel eine Zeit lang abwarten und die Aussicht genießen, bis der Schnee auffirnt, ist kein Problem. Ist man allerdings zu spät dran und bricht bereits knietief ein, ist das nicht nur ein skifahrerisches Problem, sondern aufgrund von Nassschneelawinen auch eine echte Gefahr. 

    Umdrehen

    Egal ob man nun zu spät aufgebrochen ist, die Nacht doch nicht so klar war oder es wärmer als erwartet ist – jeder hat auf Frühjahrstouren schon die Erfahrung gemacht, vor dem Erreichen des geplanten Zieles umdrehen zu müssen, weil die Verhältnisse ganz einfach nicht passen.

    „Rechtzeitig umdrehen“ lautet daher die Devise. Nicht warten, bis es gefährlich wird, sondern die Tour dann abbrechen, wenn man noch sicher zum Ausgangspunkt zurückkehren kann, ohne im durchfeuchteten Schnee abfahren zu müssen oder an exponierten Stellen von Nassschneelawinen bedroht zu werden.

    Unterwegs auf den Lofoten in Norwegen
    Foto: mauritius images / Cavan Images / Alamy
    Ein früher Aufbruch zur Skitour ist im Frühjahr unumgänglich. Auf dem Foto: Unterwegs auf den Lofoten in Norwegen

    Hüttenzustiege / -abstiege

    Viele klassische Stützpunkte für Frühjahrsskitouren sind nur durch lange, enge Täler oder mittels Hangquerungen erreichbar, die mit steigender Erwärmung von Nassschneelawinen bedroht sind.

    Am Freitagmittag nach der Arbeit anreisen und am Nachmittag noch schnell auf die Hütte aufsteigen funktioniert dann ebenso wenig, wie nach Ende der Tour nachmittags noch ins Tal abzufahren. Das muss bei der Planung berücksichtigt werden und es empfiehlt sich, beim Hüttenwirt nachzufragen, wie er die aktuelle Situation beurteilt (bzw. welche Unterkunft im Tal er für einen frühen Aufstieg empfehlen kann).

    Harsch- und Steigeisen

    Nicht nur zu nasser Schnee, auch hart gefrorener Firn kann im Aufstieg (und auch in der Abfahrt) zum Problem werden. Nämlich dann, wenn man keine  Harscheisen dabei hat und mit den Fellen keinen sicheren Halt im hart gefrorenen Firn findet. Aufgrund der lawinentechnisch oft stabilen Firnsituation wählt man im Frühjahr gerne steilere Anstiege und Abfahrten aus, bei denen ein Ausrutscher aber oft fatale Folgen haben kann.

    Auch wenn kein Felsabbruch oder Ähnliches am Hangfuß wartet, über den man abstürzen kann – wer einen gefrorenen Firnhang hinunterrutscht, wird sich ziemlich sicher üble Abschürfungen zuziehen. Handschuhe und bedeckte Unterarme auch während des Aufstiegs sind deshalb immer eine gute Idee. Ab einer gewissen Steilheit und in engeren Rinnen ist es oft sinnvoller, in gerader Linie direkt mit Steigeisen an den Füßen und den Skiern am Rucksack aufzusteigen – dass man dann für die Abfahrt ein entsprechend sicherer und guter Skifahrer sein muss, versteht sich von selbst.

    Harscheisen auf Tourenski
    Foto: mauritius images / go-images
    Harscheisen verhindern ein Abrutschen, vor allem bei steilen Querungen auf hart gefrorenem Schnee
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    Winterverhältnisse

    Aufgepasst: Nur weil im Tal bereits alles blüht, bedeutet das nicht, dass im Hochgebirge nicht noch tiefwinterliche Verhältnisse herrschen können. Wenn es in tiefen Lagen regnet, bedeutet das auf den Bergen oft noch erheblichen Schneefall: tiefe Temperaturen, stürmische Winde, schlechte Sichtverhältnisse und vor allem ein Anstieg der Lawinengefahr durch Neu- und/oder Triebschneeprobleme. Vor allem auf mehrtägigen Durchquerungen sind das entsprechende Wissen und Können sowie eine adäquate Ausrüstung absolute Grundvoraussetzungen.

    Gletscher & Grate

    Gleiches gilt in noch stärkerem Maß für Skihochtouren, also wenn man sich im vergletscherten Gelände bewegt und einen Felsgrat zum Gipfel begehen muss. Hier könnt ihr nachlesen, wie man einen Gletscher mit Skiern richtig begeht und welche Ausrüstung man benötigt.

    Skihochtouren, eventuell sogar im Rahmen einer mehrtägigen Durchquerung von Hütte zu Hütte, verlangen ein umfassendes skialpinistisches Können und zählen nicht umsonst zur Königsdisziplin im Bergsport. 

    Nicht zu vergessen: Da dabei oft die Viertausend-Meter-Grenze erreicht wird, gilt es auch, das Höhenproblem bzw. eine gute Akklimatisierung zu berücksichtigen – also mehr Zeit einzuplanen und aus dem Wochenende eventuell eine ganze Woche zu machen.

    Mit der entsprechenden Ausbildung oder einem Bergführer / einer Bergführerin an seiner Seite lässt sich das alles aber entsprechend berücksichtigen und unvergesslichen Frühjahrstouren steht nichts mehr im Weg.

    Interview

  • Wir wollten vom Lawinenforscher Christoph Mitterer vom lawinen.report wissen, was es genau mit der Lawinensituation im Frühjahr bzw. der Nassschneeproblematik auf sich hat und wie Skitourengeher darauf reagieren können.

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