Sicherheitscheck

Was ist ein Harscheisen?

Tipps & Tricks • 12. Februar 2018
von Peter Plattner

Im Alltag wird „harsch“ für „unfreundlich“ und „barsch“ verwendet. Und das kann durchaus auch auf Schneeverhältnisse zutreffen! Dann ist es gut ein Harscheisen dabei zu haben. Im Aufstieg ist es nicht nur hilfreich, sondern auch ein Sicherheitsplus. Bergführer Peter Plattner verrät, was ein Harscheisen genau ist und wie es verwendet wird.

Frühjahr: Skitour in den Abruzzen
Foto: argonaut.pro
Klassische Frühjahrssituation auf Skitour: Die durchfeuchtete Schneeoberfläche ist über Nacht gefroren und hart

Was ist Harsch?

Harsch ist der Begriff für eine Schneeart, die durch massiven Windeinfluss oder – wie jetzt im Frühjahr – durch Schmelz- und Gefrierprozesse entsteht. Gemeint ist damit eine stark verfestigte Schneeschicht. Diese kann so hart und „eisig“ werden, dass die Felle beim Aufstieg nicht mehr genügend Halt finden. Die Folge: Man rutscht zurück. Besonders schwierig wird es übrigens bei ansteigenden Querungen.

Einmal abgerutscht gibt es dann auf den harten, glatten Hängen meist kein Halten mehr. Mit zunehmender Geschwindigkeit kann man gar bis zum Hangfuß abrutschen und sich schwere Abschürfungen – oder Schlimmeres – zuziehen. Deshalb empfiehlt sich bei Harsch vorsorglich auch stets das Tragen von Handschuhen und langärmeliger Bekleidung.

Was ist ein Harscheisen?

Die gute Nachricht: Ein Harscheisen kann Abhilfe schaffen. Dabei handelt es sich um ein Teil aus Metall (meistens Aluminium), das an der Tourenbindung befestigt wird und dessen „Zacken“ – ähnlich wie bei einem Steigeisen – beim Aufstieg mit dem Tourenschuh in den harten Schnee gedrückt werden. So kann ein Abrutschen nach hinten und zur Seite verhindert werden.

Ab einer gewissen Härte der Schneeoberfläche oder mit zunehmender Hangsteilheit kommt ein Punkt, wo auch mit Harscheisen nicht mehr sicher aufgestiegen werden kann. Dann heißt es: Ski am Rucksack montieren und auf Steigeisen wechseln.

Harscheisen
Foto: argonaut.pro
Harscheisen: werden an der Skitourenbindung montiert und verhindern ein Abrutschen auf Tour

Welches Harscheisen?

Folgende grundlegende Kriterien müssen beim Kauf und bei der Verwendung von Harscheisen berücksichtigt werden:

  • Das Harscheisen muss zur Tourenbindung passen! Fast jeder Bindungshersteller hat ein eigenes System zur Montage der Harscheisen – dementsprechend sind nicht alle Harscheisen kompatibel.
  • Das Harscheisen muss zur Skibreite passen! Es darf natürlich nicht zu schmal, sollte aber auch nicht zu breit sein. Entsprechend der Mittelbreiten (Breite unter der Bindung) der Ski gibt es Harscheisen von circa 80-130 mm in 10 mm Abstufungen.

Wie wird ein Harscheisen verwendet?

  1. Das Harscheisen einpacken! Viele Tourengeher haben die rund 100 g schweren Dinger den ganzen Winter über im Rucksack mit dabei – eine gute Idee.
  2. Man muss wissen, wie die Harscheisen an der Tourenbindung montiert werden. Bei manchen Modellen ist die Montage sonnenklar und einfach, bei anderen ohne Bedienungsanleitung eine Herausforderung.
  3. Die Harscheisen müssen im Gelände rechtzeitig montiert werden. Klingt trivial, ist es aber nicht! Bereits am Hangfuß muss entschieden werden, ob die Harscheisen angelegt werden oder nicht. Im Steilhang selbst ist es meist schon zu spät, um einen sicheren Platz für die Montage zu finden.

Im Zweifelsfall die Harscheisen lieber einmal zu oft als zu selten aufstecken. Der Gehkomfort mag etwas geringer sein und das Geklapper nerven, aber in Wahrheit ist das vor dem Hintergrund des Sicherheitsaspekts allemal zu vernachlässigen.

Skitourengeher: Harscheisen
Foto: argonaut.pro
Auf Skitour: vor allem an exponierten Stellen und bei Querungen sind Harscheisen eine super Sache

Wie geht man mit einem Harscheisen?

Ganz normal – wie sonst auch. Beim Vorwärtsziehen des Skis löst sich das Harscheisen von selbst und wird beim nächsten Belasten durch den Schuh beziehungsweise das Körpergewicht wieder in den Schnee gerückt.

Harscheisen
Foto: argonaut.pro
Harscheisen: Beim Vorwärtsziehen des Skis löst sich das Harscheisen von selbst aus dem Schnee
Harscheisen
Foto: argonaut.pro
Harscheisen: Beim Belasten durch den Schuh/das Körpergewicht wird das Harscheisen wieder in den Schnee gedrückt

Idealerweise geht man mit Harscheisen immer ohne Steighilfe oder verwendet zumindest nur die kleinste Stufe, denn unter Verwendung der Steighilfe werden die Zacken weniger tief in den Schnee eingedrückt – und somit verringert sich die Wirkung der Harscheisen.

Harscheisen
Foto: argonaut.pro
Harscheisen: Ohne Steighilfe greifen die Zacken am besten, weil sie tief in den Schnee gedrückt werden
Harscheisen
Foto: argonaut.pro
Harscheisen: Je höher die Steighilfe, desto geringer die Greifwirkung der Zacken

Vor allem bei Querungen kann der Ski ohne Steighilfe wesentlich besser „geführt“ beziehungsweise kontrolliert werden – egal ob mit oder ohne Harscheisen.

Die Verwendung von Harscheisen kann und soll eine schlampige Gehtechnik mit Fellen nicht kompensieren! Doch auch mit der besten Aufstiegstechnik wird es bei einer harten, eisigen Schneeoberfläche schnell mühsam. Rechtzeitig montierte Harscheisen erhöhen Komfort und Sicherheit – auch für Experten. 


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