Risikofaktor Mensch

29. April 2016
von Christina Geyer
Jährlich kommt es zu rund 8.800 Unfällen in den Bergen. Allein in Österreich, wohlgemerkt. Tendenz: steigend. Und das aus gutem Grund, denn immer mehr Menschen zieht es in die Berge. Während das Interesse an ambitionierten alpinen Touren stetig wächst, nehmen zugleich Können und Kondition ab. Eine gefährliche Kombination. Alpine Ausbildungen können dabei helfen, das Risiko erheblich zu minimieren.
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Foto: Christina Geyer
Alpine Ausbildungen können dabei helfen, das Unfallrisiko in den Bergen erheblich zu minimieren
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Engelbert Leitner in Arco (Italien/Gardasee)
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Ambros Gasser auf einem Klettersteig bei Arco
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Engelbert Leitner & Ambros Gasser unterwegs auf einem Klettersteig bei Arco
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Ambros Gasser am Stubaier Gletscher: Mit einer alpinen Ausbildung die Lücke zwischen Risiko und Bergsport schließen
„Nur weil alles gut gegangen und nichts passiert ist, heißt das noch lange nicht, dass man sicher am Berg unterwegs war“
Engelbert Leitner, Bergführer bei der Alpinschule Innsbruck (kurz: ASI), erzählt, dass manche Menschen mittlerweile schon Schwierigkeiten damit hätten, richtig zu gehen. Er hätte erlebt, dass einige von ihnen ins Stolpern geraten, sobald sie die asphaltierte Straße verlassen. Das war früher nicht so. Engelbert muss es wissen: Der aus Villgraten in Osttirol stammende Bergführer ist bereits vor über 30 Jahren zur ASI gekommen. Er wollte nicht nur an eine Region gebunden sein, dieselben Berge immer und immer wieder besteigen. Also, so hat man ihm gesagt, „gehst' zur ASI – da kommst in der Welt herum“.
Ambros Gasser, der die 1963 von seinem Vater und Pionier Hannes Gasser gegründete Alpinschule übernommen hat, ist wesentlich für die Erweiterung des Angebotsspektrums verantwortlich. Obwohl die Alpinschule heute unter dem Brand ASI Reisen läuft, möchte Ambros den Ursprungsgedanken seines Vaters in Ehren halten. Wichtig ist ihm, dass eine fundierte alpine Ausbildung auch weiterhin fester Bestandteil von ASI Reisen bleibt: „Das ist unsere Kernkompetenz, war die Gründungsvision meines Vaters. Daraus ist die ASI gewachsen“, sagt er.

Menschliches Versagen als Hauptursache von alpinen Unfällen

Die Zahlen der alpinen Unfallstatistik geben dem jungen Geschäftsführer recht: Eine solide Grundausbildung kann auch die Antwort auf steigende Unfallzahlen sein. Denn in den allermeisten Fällen zeichnet menschliches Versagen als Unfallgrund verantwortlich: Überforderung, Selbstüberschätzung und fehlendes Wissen sind hierbei die Hauptursachen.
Das Risiko lässt sich mit der richtigen Vorbereitung und Planung erheblich minimieren, erklärt Engelbert: „Nur weil alles gut gegangen und nichts passiert ist, heißt das noch lange nicht, dass man sicher am Berg unterwegs war“. Ein GPS-Gerät, der richtige Kartenmaßstab und ein Kompass können im Zweifel dabei helfen, die Orientierung zu bewahren und damit ein Versteigen zu verhüten. Natürlich muss man dafür aber erst einmal wissen, wie das Equipment funktioniert und im Notfall eingesetzt wird. Im Idealfall wird man eine Gletscherbergung nie ernstlich durchführen müssen, kommt es aber zum Äußersten, ist es natürlich von Vorteil, sie schon mal geübt zu haben.

Leichtsinn & fehlende Vorkenntnisse

Einige meinen, im Klettersteig-Gehen einen guten Kompromiss gefunden zu haben: Alpines Klettergefühl, ganz ohne große Vorkenntnisse. Die durchgehende Sicherung vermittelt den Eindruck, als könne nichts passieren – immerhin ist man ja permanent gesichert. Doch die Sicherheit ist nur eine vermeintliche. Tatsächlich verhindert eine Sicherung kein Stürzen: Gerade am Klettersteig passieren aufgrund von Leichtsinn und fehlender Vorkenntnisse schwere Unfälle. Auch der leichteste Klettersteig kann gefährlich werden, wenn die Erfahrung fehlt – Stürze sind dann oftmals sogar umso folgenschwerer, als sie in nur schwach ansteigendem Gelände nicht richtig abgefedert werden können.
„Klettersteige umgibt diese Illusion von absoluter Sicherheit. Das wiegt einen im Glauben, es könne ja ohnehin nichts passieren. Natürlich lockt das Amateure an, aber darin liegt halt auch die individuelle Freiheit des Menschen begründet“, führt Engelbert aus. Umso wichtiger ist es, diese Menschen über die bestehenden Risiken aufzuklären und ihnen den richtigen Umgang mit Ausrüstung und Technik zu vermitteln.
 
Die ASI möchte die Lücke zwischen Risiko und Bergsport schließen. Komplett abgesichert werden die Berge (hoffentlich) nie sein, aber eine alpine Ausbildung kann helfen, das Risiko zu minimieren. Zumindest: es um den Faktor des menschlichen Versagens erleichtern.
Die ASI bietet alpine Ausbildungen in folgenden Bereichen an:
  • Klettersteig
  • Sportklettern und Alpinklettern
  • in Fels & Eis (Hochtour)
  • Skitouren
  • Schneeschuhwandern
Beratung und Buchung: www.asi.at / info@asi.at / Tel.: 0512 54 6000

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