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Die Naturfreunde präsentieren

Sicher mit Kindern am Klettersteig

Wissenswertes • 17. Juli 2022
2 Min. Lesezeit

Für einen Klettersteig lassen sich auch Kinder und Jugendliche schnell begeistern. Mit dem richtigen Know-how wird das Abenteuer „Via Ferrata“ mit Sicherheit ein tolle Erfahrung für die ganze Familie! Gemeinsam mit den Naturfreunde präsentieren wir euch sieben Tipps für ein sicheres Klettersteig-Erlebnis mit den Kleinsten.

Kind im Klettersteig
Foto: Schimanek / Naturfreunde
Besonders wichtig: Sowohl Kinder als auch Erwachsene benötigen für einen Klettersteig eine vollständige, normgerechte Ausrüstung
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Text: Mag.a Marianne Mailer-Gebhart mit fachlicher Unterstützung von Martin Edlinger, Abteilungsleiter Bergsport bei den Naturfreunden Österreich und Roland Groll, Mitglied des Ausbildungsteams der Naturfreunde Österreich.

1. Geeigneter Steig

Am besten wählt man einen explizit für Kinder empfohlenen Klettersteig. Oder man kennt die Route schon aus eigener Erfahrung und kann einschätzen, ob das Kind dem Vorhaben gewachsen ist – auch im wörtlichen Sinn: Denn hoch angebrachte Drahtseile oder weit auseinanderliegende Tritte machen es den Kleineren schwer bis unmöglich, alle Passagen zu bewältigen. Auch Zustieg und Rückweg sollten weder zu lang noch gefährlich sein.

2. Planung

Eine gelungene Tour beginnt bei der gemeinsamen Planung: mit dem Studieren von Topos, Wetterbericht und Bewertungen. Mit Kindern sollte man grundsätzlich nur bei stabiler Witterung unterwegs sein. Wer Klettersteig-Neulinge mitnimmt, sollte sich vorher über Schlüsselstellen und mögliche Notausstiege Gedanken machen. Reichlich Zeit muss auch für das Sichern und Rasten einkalkuliert werden.

3. Erfahrene Begleitung

Auf einem Klettersteig sollte jedes Kind von einer versierten Begleitperson unterstützt werden. Diese muss mit der Seilsicherungstechnik auf Klettersteigen gut vertraut sein sowie ausreichend Kondition und Kraftreserven mitbringen, sodass sie sich in erster Linie auf ihren Schützling konzentrieren kann. Unerfahrenheit, Planungsfehler und übermäßiger Ehrgeiz von Erwachsenen können den Spaß verderben und das Risiko erhöhen.

Begleitperson mit Kind im Klettersteig
Foto: Schimanek / Naturfreunde
Auf einem Klettersteig sollte jedes Kind von einer versierten Begleitperson unterstützt werden

4. Ausrüstung

Sowohl Kinder als auch Erwachsene benötigen eine vollständige, normgerechte Ausrüstung: Steinschlaghelm, Handschuhe, gutes Schuhwerk, ein Klettersteigset mit einfach zu bedienenden Karabinern (am besten das Kind vor dem Kauf probieren lassen!) sowie einen Klettergurt. Für Kinder empfehlen sich Brust-Hüftgurt-Kombinationen, ab dem Jugendalter ist ein Hüftgurt meist ausreichend.
Die Erwachsenen haben in ihrem Rucksack ein Erste-Hilfe-Paket, ein Handy, Reserve-Kleidung sowie ausreichend Getränke und Verpflegung.

5. Seilsicherung für Kinder

Da die Fangstoßdämpfer von Klettersteigsets erst bei einem Körpergewicht über 40 kg auslösen, müssen leichtere Kinder zusätzlich mit einem Dynamikseil gesichert werden. Die richtige Sicherung – HMS-Nachstiegssicherung im steilen Gelände und auch die Sicherung bei Quergängen – erfordert neben dem Know-how auch einiges an Zeit. Sehr stark frequentierte Klettersteige sollten daher gemieden werden.

6. Schwierigkeit und Länge

Schwierigkeitsgrad und Länge der Tour müssen dem individuellen Leistungsniveau der Jüngsten entsprechen. Um Kinder nicht an die Grenzen ihrer Kondition und Konzentration zu bringen, sind kürzere Steige mit überschaubaren Zu- und Abstiegen zu bevorzugen. Klettersteige im Hochgebirge sind für Kinder und Jugendliche ohne entsprechende Erfahrung nicht geeignet.

Da sich Kinder in ihrer mentalen und physischen Entwicklung (Größe, Kraft, Ausdauer, Erfahrung …) stark unterscheiden können, sind unsere Altersempfehlungen als Richtwerte zu verstehen: Generell wird bis zum Alter von etwa 9 Jahren geraten, Routen im Schwierigkeitsgrad A bis B mit höchstens 600 Höhenmetern auszuwählen. Die gesamte Tour, inklusive Zu- und Abstieg, sollte nicht länger als drei Stunden dauern. Mit fitten Kids über 10 Jahren kann man im Allgemeinen schon Klettersteige bis zum Schwierigkeitsgrad C und mit maximal 1.000 Höhenmetern begehen.

Kind im Klettersteig
Foto: Schimanek / Naturfreunde
Mit der richtigen Länge und dem passenden Schwierigkeitsgrad sind Klettersteige auch für Kinder ein wahrer Genuss

7. Vom Leichten zum Schweren

Klettersteige erfordern schon wegen ihrer Exponiertheit einiges an Mut, aber auch Kraft und Ausdauer. Um Kinder und Jugendliche nicht zu überfordern, gilt es, immer mit leichten, kurzen Steigen zu beginnen und sich langsam an anspruchsvollere Touren heranzutasten. Die eigenen sportlichen Ambitionen sollten bei der Auswahl des Ziels keine Rolle spielen.

Die Naturfreundejugend bietet spezielle Kurse zum Thema „Mit Kindern am Klettersteig“. Weitere Infos auf der Website der Naturfreundejugend.

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