
Gerlinde Kaltenbrunner: Auf allen 14 Achttausendern
Foto: Roland Vorlaufer
Nur wenige Frauen erfahren das Zusammenspiel von Triumph und Tragödie so unmittelbar wie Gerlinde Kaltenbrunner. Auf ihren Expeditionen rettete die Oberösterreicherin Leben und sah Menschen sterben. Und sie erfüllte sich ihren großen Lebenstraum: Zwischen 1998 und 2011 bestieg Kaltenbrunner alle Achttausender der Welt. Als dritte Frau überhaupt, als erste Frau ohne künstlichen Sauerstoff.
Text: Veronika Dolna
Auf ein medial inszeniertes Damenwettrennen auf das Dach der Welt wollte sich Gerlinde Kaltenbrunner dabei nie einlassen. Ihr war es nicht wichtig, die Erste zu sein – sie wollte einfach nur oben sein. Deshalb versuchte sie nie, etwas zu erzwingen. Für den K2 brauchte sie vier Anläufe, für den Lhotse drei, für Mount Everest und Dhaulagiri je zwei. Obwohl sie keine Eile hatte, war sie am Ende doch die Schnellste – und musste, nachdem sie geschafft hatte, was keiner Frau vor ihr gelungen ist, eine Erfahrung machen, die schon viele Frauen vor ihr erlebt hatten: die Kritik von männlichen Kollegen.
Manche monierten, dass sie auf die höchsten Gipfel vor allem die Normalwege genommen habe. Kaltenbrunner kann gut über dieser Kritik stehen, ist sie doch eine von wenigen, die alle 14 Achttausender ohne Flaschensauerstoff bestiegen haben. Und jetzt, wo das Lebensziel erreicht ist? „Ich will mich den wunderschönen niedrigeren Bergen zuwenden, die ein wenig abgelegener sind und auch Herausforderungen darstellen“, sagt sie. Auch eine schöne Erfahrung: Es gibt ein Leben nach dem Traum.
Facts: Gerlinde Kaltenbrunner
Geboren: 13. Dezember 1970 in Kirchdorf an der Krems.
Epoche: Achttausender-Ära.
Wer sie zum Klettern brachte: der Pfarrer ihrer Heimatgemeinde, der jeden Sommer mit Jugendlichen wandern ging.
Was sie zur Felsheldin macht: Als erste Frau bestieg sie alle Achttausender der Erde ohne zusätzlichen Sauerstoff.
Lieblingsplatz: die Holzeralm in Spital am Pyhrn. Der Hausberg ihrer Jugend ist für sie immer noch ein Kraftplatz.
Was sie wäre, wenn sie keine Bergkarriere gemacht hätte: Krankenschwester. Den Beruf hat sie gelernt und mehrere Jahre praktiziert.
Was man von ihr lernen kann: In der Ruhe liegt die Kraft – Gerlinde Kaltenbrunner ist eine Lehrmeisterin in Gelassenheit, Selbstdisziplin und Lebensfreude.
Warum sie die Bergsteigergeschichte mitschreibt: weil sie bewiesen hat, dass Frauen auch in großen Höhen genauso leistungsfähig sind wie Männer.

Gerlinde Kaltenbrunner als Mentorin: Summit Scholarship Foundation
Du bist begeisterte Bergsteigerin? Dann melde dich noch bis 31. Jänner 2026 zur Summit Scholarship Foundation, unterstützt von LOWA, an, die Frauen im Bergsport fördert. 2026 steht eine Besteigung des Matterhorns an – mit Gerlinde Kaltenbrunner, Alix von Melle und Ines Papert als Mentorinnen.
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