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Berg-Know-How

Gefahrenmuster: Gleitschnee

• 11. Februar 2019
1 Min. Lesezeit

Gleitschneerisse in der Schneedecke können heimtückisch sein – vor allem bei schlechter Sicht oder, wenn sie von nachfolgenden Neuschneemengen überdeckt werden. Dadurch können Schneebrücken entstehen, die bei der Belastung durch Wintersportler in sich zusammenbrechen. So kann es zu Spaltenstürzen im nicht vergletscherten Gelände kommen, Grund genug sich dem Gefahrenmuster „gm.2 Gleitschnee“ zu widmen.

Gleitschneelawinen sind ein häufiger Anblick im freien Gelände, nicht nur im Frühjahr
Foto: Lawinenwarndienst Tirol/Christoph Mitterer
Gleitschneelawinen sind ein häufiger Anblick im freien Gelände, nicht nur im Frühjahr
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Gefahrenmuster

Unter Gleitschnee versteht man „hangparallele Bewegungen der gesamten Schneedecke“. Solch eine Bewegung wird vorwiegend von der Bodenrauhigkeit beeinflusst: je glatter der Untergrund, desto eher muss mit dem Auftreten von Gleitschneelawinen im Steilgelände gerechnet werden. Typischerweise sind Gleitschneelawinen auf steilen Wiesenhängen oder glattem (felsigem) Untergrund zu beobachten.

Als Folge des Setzungsprozesses gleitet jede im geneigten Gelände abgelagerte Schneedecke aufgrund der Schwerkraft irgendwann talwärts. Dabei bilden sich Gleitschneemäuler, also gut sichtbare, teilweise mehrere Meter tiefe Risse in der Schneedecke. Solche Gleitschneemäuler gelten entgegen einer alten, leider schwer auszurottenden „Lehrmeinung“ nicht als günstige, sondern durchwegs als ungünstige Kriterien hinsichtlich eines möglichen Lawinenabgangs. Ein Gleitschneemaul deutet auf die Möglichkeit einer Gleitschneelawine hin, sagt jedoch nichts darüber aus, ob und wann die Schneemasse tatsächlich abgeht. Gleitschneelawinen zählen hinsichtlich des Abgangszeitpunktes zu den am schwierigsten vorhersagbaren Lawine:  diese können bei allgemein stabilen Schneeverhältnissen zu jeder Tages- und Nachtzeit, sowohl am kältesten als auch am wärmsten Tag eines Winters abgehen oder den gesamten Winter über bestehen bleiben, ohne sich zu lösen. Zudem sind Gleitschneelawinen nicht durch Zusatzbelastung auszulösen.

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Erkennen

Trotz der Unberechenbarkeit hinsichtlich ihres Abgangszeitpunktes lassen sich Gleitschneelawinen leicht erkennen: Sie kündigen sich zumeist über längere Zeiträume durch gut sichtbare Gleitschneemäuler an. Außerdem ist auffallend, dass Gleitschneelawinen über mehrere Winter betrachtet sehr häufig an denselben Stellen abgehen. Regen und massive Erwärmungen erhöhen natürlich die Wahrscheinlichkeit von (Gleitschnee-) Lawinenabgängen. Ebenso begünstigend für die Ausbildung von Gleitschneelawinen ist ein frühes, massives Einschneien, da die Bodentemperatur noch relativ warm ist. 

Tipp

Bei der Routenplanung darauf achten, dass Bereiche unterhalb von Gleitschneemäulern gemieden werden bzw. einen entsprechend großen Respektabstand im Auslaufbereich dieser Lawinenart einhalten.

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