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Auf nach Südamerika

Expedition Bolivien: In 3 Schritten zur mentalen Stärke

• 22. Mai 2018

Über ihre Vorbereitung und das Training für die körperliche Fitness haben Christian Holzer, Roman Koller, Mike Eder und Michael Kopitsch bereits in den letzten Beiträgen berichtet. Sie wollen in Bolivien einige 6.000er über Eis- und Mixed-Routen erklimmen und verraten diesmal, wie sie sich mental auf dieses Vorhaben vorbereiten und warum man immer einen Plan B haben sollte. 

Nachdenklich am Schwobn
Foto: Michael Kopitsch
Nachdenklich am Schwobn

Egal ob ich in eine Alpintour im Gesäuse einsteige oder meinen ersten Schwung in einer Steilrinne setze: „Vom Kopf her muss es passen!“ Wenn man nun darüber nachdenkt, in einem fremden Kontinent  tausende Kilometer fernab der Heimat 6.000 Meter hohe Gipfel zu erklettern kommt man rasch ins Grübeln. Immer wieder drängt sich die Frage auf, ob wir unserem Ziel gewachsen sind? Vertragen wir die Höhe gut? Werden wir das Wetter richtig einschätzen können? Fragen über Fragen häufen sich dabei in unseren Köpfen. Gerade beim Bergsteigen hat man eine große Spannweite zwischen Erfolg und Niederlage. Wobei gesagt werden muss, dass wir es nicht als Versagen sehen, wenn wir eine Route abbrechen müssen.

Sicherlich gibt es vereinzelt Parallelen zu anderen Sportarten, doch wenn ich beispielsweise in einem Wettkampf versage, hat dies eine weitaus andere Tragweite, als wenn mir beim Klettern 15 Meter über dem rachitischen Schlaghaken ein Griff ausbricht.

Das Thema der mentalen Vorbereitung lässt sich sehr breit auffächern, wir stellen euch unsere drei Schwerpunkte vor:

Immer einen Plan B haben

Eine gewisse „Altersvorsorge“ beim Alpinismus ist es, immer einen Plan B zu haben. Erkennt man schon im Voraus, dass es wenig Sinn macht in eine Route einzusteigen, sollte man ein Alternativziel auswählen – oder gegebenenfalls einen Rasttag einlegen. Verbissen eine Tour zu erzwingen bringt weder Freude noch Erfüllung. Um hier Alex Lowe zu zitieren: „Der beste Bergsteiger ist derjenige, der am meisten Spaß hat.“

Sonnenaufgang Hochalmspitze
Foto: Christian Holzer
Sonnenaufgang Hochalmspitze

Es gilt natürlich auch, sich über unvorhergesehene Dinge Gedanken zu machen. Das Rettungsnetz ist in Bolivien ein anderes als in den Alpen. Es gibt keinen Hubschrauber, der dich innerhalb von 20 Minuten aus der Wand fliegt. Nun stellt sich natürlich für uns auch die Frage:  „Was machen wir, wenn sich einer von uns verletzt?“ Mit einer Gruppenstärke von 4 Personen haben wir eine bessere Chance eine behelfsmäßige Kameradenrettung im Hochgebirge durchführen zu können als zu zweit. Auch beim Bewegen auf einem  Gletscher haben wir als 4-er Seilschaft bessere Chancen, einen Spaltensturz halten zu können. Zusätzlich sind 3 von uns ausgebildete aktive Bergretter.

Als Team stark sein

Das Wissen, dieses Abenteuer mit guten Freunden zu bestreiten, lässt uns dem Reisetermin mit Spannung entgegenfiebern. Jeder hat in seiner alpinen Laufbahn verschiedene Schwerpunkte gesetzt, worauf wir innerhalb der Gruppe zurückgreifen können. Es beruhigt dabei sehr, dass man gegeben Falls die Führungsverantwortung abgeben kann, weil man vielleicht einen schlechten Tag hat oder dem Seilpartner die Art der Kletterei besser liegt.

Expedition Großer Möseler
Foto: Roman Koller
Expedition Großer Möseler

Um uns in dieser Hinsicht besser kennenzulernen, haben wir im Vorfeld diverse gemeinsame Touren im Fels und Eis unternommen und wissen über die Vorlieben der anderen Bescheid.

Sich selbst kennen

Sich selbst gut zu kennen ist einer der wichtigsten Punkte beim Bergsteigen. Wie weit kann ich gehen? Wo liegen meine Grenzen?

An dieser Stelle möchten wir uns auch bei unserem Mentor Michael Kräftner, der heuer seinen 50-er feiert und gefühlt schon ebenso lange in den Bergen unterwegs ist, bedanken. Michael ist stets motiviert seinen Erfahrungsschatz an uns weiterzugeben. Durch ihn war es auch möglich die eigenen Grenzen am sicheren Seilende kennenlernen zu dürfen.

Christian Holzer und Michael Kräftner
Foto: Michael Kräftner
Christian Holzer und Michael Kräftner

Besonders in Stresssituationen und extremer Ausgesetztheit ist es wichtig sich selbst zu kennen. Nur so weiß man, wie weit man gehen kann. In Bolivien sind wir uns jedoch im Klaren, dass wir zwar technisch nicht an unsere Grenzen gehen werden, sehen jedoch der körperlichen und geistigen Herausforderung mit einem mulmigen Gefühl der Vorfreude entgegen.

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