Halloween

Die gruseligsten Berggeister der Alpen

Blog • 31. Oktober 2017
von Astrid Heinz

Den Bergen werden seit jeher unzählige Sagen und zwielichtige Gestalten angedichtet. Wir nehmen Halloween zum Anlass, um euch die gruseligsten Bergbewohner vorzustellen. Inklusive Tourentipps natürlich.

Berghütte bei Vollmond
Foto: mauritius images/ BY
Berghütte bei Vollmond: In den Bergen kann es zuweilen ganz schön gruselig sein

Ein Flüstern in den Baumwipfeln, ein Knacken und Rascheln im Unterholz, knorrige Baumgesichter, die uns mit starrem Blick zu beobachten scheinen. Je weiter man sich in die Einsamkeit der Natur begibt, desto weniger hat man doch das Gefühl alleine zu sein. Und ­wer weiß? Unzählige Geschichten ranken sich um Geister, Kobolde, Hexen und andere finstere Gesellen, die auf den Bergen allerhand Schabernack treiben sollen.


1. Kärnten: Die Hexen im Maltatal

Das „Tal des stürzenden Wassers“ ist bei Touristen und Wanderern aus Nah und Fern beliebt. Aber Obacht: Das Gebirge in Kärnten ist auch von unzähligen Höhlen durchzogen. Und genau in diesen Höhlen sollen Hexen und Hüter verborgener Schätze wohnen. Wehe dem, der sich zu nahe an ihr Heim wagt und die Ruhe stört – schwere Unwetter könnten als Strafe die Folge sein.

Tourentipp

Maltatal
Viel Infastruktur wird man im Kärntner Maltatal vergeblich suchen – stattdessen eröffnet sich zwischen Gmünd und der mächtigen Hochalmspitze atemberaubende Hohe-Tauern-Natur. Stefan Lieb nimmt uns ins „Tal der stürzenden Wasser“ mit.
Maltatal im Winter
Foto: mauritius images
Maltatal im Winter

2. Steiermark: Das Ungeheuer im Leopoldsteinersee

Auch idyllische Bergseen können ihre Tücken haben. So wohnt im steirischen Leopoldsteinersee in der Hochschwabgruppe nicht nur jener Wassermann, der einst das Geheimnis des Erzberges verraten hat. Auch ein schreckliches Ungeheuer soll in seinen Tiefen lauern. Ein Mischwesen mit einem schwarzen Menschenleib, einem Raubtierkopf und Flügeln wie ein Drache. Besonders zur Neumondzeit und bei Stürmen macht er sich auf die Jagd nach Menschen. Sogar Erwachsene zieht er aus ihren Booten hinab, um sie zu fressen. Na Mahlzeit.

Tourentipp

Leopoldsteinersee
Leopoldsteinersee

3. Salzburg: Der Putz von Neukirchen im Pinzgau

Einst war er ein Ritter, der hoch zu Ross in den Krieg zog und von dort nicht mehr wiederkehrte. Da er im Leben ein arger Geizhals und zudem ein Bösewicht war, konnte er im Grab keine Ruhe finden. Also kehrte er als Putz in die Salzburger Heimat zurück, um seine Schätze zu bewachen, die er in der Dürrnbachau vergraben hatte. Der Putz ist ein kleines, graues Männchen, das Wanderer nur all zu gerne in die Irre führt. Einmal erscheint er als zuckende Flamme, dann wieder als grunzendes Schwein. Hauptsache, er kann die Leute ärgern.

Tourentipp

Wandern • Salzburg

Pinzgauer Spaziergang

Dauer
6:30 h
Anspruch
T2 mäßig
Länge
16,9 km
Aufstieg
965 hm
Abstieg
910 hm
Dürrnbachau

4. Tirol: Die Nörgelen

Ähnlich wie der Putz vertreiben auch sie sich die Zeit mit Neckereien. Der Unterschied: Von ihnen gibt es so viele wie Sterne am Himmel. Zu den Lieblingsbeschäftigungen dieser dickbäuchigen, bärtigen Männlein gehört es, Wanderer mit Steinchen zu bewerfen, ihnen ein Bein zu stellen oder Mädchen an den Zöpfen zu ziehen. Reinlichkeit gehört nicht zu ihren Stärken –  die Nörgelen wohnen in Höhlen und Erdlöchern. Diese „Norgenlöcher“ findet man übrigens fast überall in Tirol. Man sollte also genau darauf achten, wohin man tritt, um nicht etwa einen Norgel aufzuwecken.

Tourentipp

Gruseliges Tirol

5. Vorarlberg: Das Dellermännle aus dem Derratal

Gleich „ums Eck“ – in Vorarlberg – büßt ein anderer boshafter Geselle die Strafe dafür ab, dass er einst Enzianwurzeln gestohlen hat. In einem blauen Gewand treibt das Dellermännle im Derratal sein Unwesen. Besonders perfide: Wandert man in einer Gruppe, erscheint es oft nur einem Einzelnen und ärgert diesen dann bis aufs Blut. Da die anderen das Männlein aber nicht sehen und hören können, glauben sie die Geschichten nicht. Wer also den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.

Tourentipp


6. Bayern: Die Irrwurzen

Keine Geister im eigentlichen Sinn, aber Wurzen, denen zweifelsohne böse Geister innewohnen: Das sind die Irrwurzen, die es in der Region zwischen dem Inn und dem Samerberg geben soll. Tritt man unabsichtlich darauf, findet man den Weg nicht mehr. Unzähligen Wanderern soll diese gemeine Wurzel schon zum Verhängnis geworden sein.

Tourentipp

Samerberg-Region
Samerberg-Region

7. Oberösterreich: Die Hexe und die Bergstutzen vom Dachstein

Auf diesem Berg gruselt es gewaltig. Wer dort einer kleinen und furchtbar hässlichen Bettlerin begegnet, der sollte schleunigst umkehren, denn sie schickt Sturm oder Unglück. Sie war einst eine wunderschöne, aber leider auch hartherzige Sennerin, die ihre Umgebung unaufhörlich gequält hat. Zur Strafe verwandelte der Himmel sie in eine scheußliche Hexe.

Noch unheimlicher sind aber die Bergstutzen: Sie haben einen Schlangenkörper mit vier Tatzen, einen Katzenkopf, Giftzähne und einen langen Schwanz. Kommt man unglückseligerweise in ihre Nähe, dann stürzen sie sich blitzschnell auf einen, durchbohren das Herz und lassen ihre Opfer mit einem Loch in der Brust zurück.

Tourentipp

Klettersteige • Oberösterreich

Gosausee - Dachstein

Dauer
12:00 h
Anspruch
B/C mäßig
Länge
13,8 km
Aufstieg
1.900 hm
Abstieg
40 hm
Dachstein

8. Schweiz: Das Sennentuntschi

Die Sennenpuppe ist ein in weiten Teilen des Alpenraums bekanntes Sagen-Motiv, ihre Verbreitung reicht in unterschiedlichen Variationen von den Berner Alpen bis nach Tirol und Kärnten. In der Schweiz treibt sie als „Sennentuntschi“ ihr Unwesen – und das ist ganz schön gruselig. Kurz zusammengefasst basteln sich ein paar Sennen eine weibliche Puppe, um sich die Zeit auf der Alp zu vertreiben. Als diese plötzlich zum Leben erweckt wird, gerät die ganze Sache aus dem Ruder – bis hin zu einer wahrlich grausamen Racheaktion.

Hier kannst du die ganze Sage lesen:

Alm Schafe
Die Sennenpuppe – eine Frauenpuppe aus Stroh – ist ein in weiten Teilen des Alpenraums bekanntes Sagen-Motiv, ihre Verbreitung reicht in unterschiedlichen Variationen von den Berner Alpen bis nach Tirol und Kärnten. In der Schweiz treibt sie als „Sennentuntschi“ ihr Unwesen – und sorgte auch schon außerhalb der Berge für handfeste Skandale.

Die gute Nachricht kommt zum Schluss: All diese Gestalten wurden schon sehr, sehr lange nicht mehr gesehen. Aber: Wenn sie noch nicht erlöst wurden, dann leben sie noch heute...

Im Almtal im Toten Gebirge
Foto: mauritius images / imageBROKER / Heinz Hudelist
Im Almtal im Toten Gebirge: Bergpanorama mit Vollmond und Nebel

Mehr zum Thema

Hütten und ihre Hausberge: 4 Sagen
Berge und ihre Geschichten

4 Hütten und ihre Hausberg-Sagen

Fast jeder Berg hat seine Geschichte: An der Schnittstelle von Mythos und Wirklichkeit entstehen Sagen, die mitunter fester Bestandteil ganzer Regionen geworden sind. Wir haben für euch vier besonders abenteuerliche Geschichten zusammengesucht – samt nahe gelegener Hütten, damit ihr die Märchen abends mit dem Wirten diskutieren könnt.
Teufelsbrücke Reuss kanton Uri
Wer heute durch das Gotthardmassiv in Richting Süden gelangen will, fährt durch den Tunnel. Über viele Jahrhunderte war die zerklüftete Schöllenenschlucht im Kanton Uri aber eine äußerst schwierig zu überwindende und gefährliche Barriere für Reisende. Eine alte Sage erzählt uns, wie es zum Bau der ersten Brücke über die Reuss kam.
Tourengeher
Bei Nacht mit Tourenski über den knirschenden Schnee zu gleiten hat einen ganz besonderen Reiz – handelt es sich dabei noch dazu um eine Vollmondnacht, wird das Unterfangen geradezu magisch. Ein filmisches Kunstwerk von Servus TV macht diesen Zauber für uns in besonderer Weise sichtbar. 50 Minuten zum Abschalten und Träumen. Für alle, die nicht nur träumen wollen, gibt es 6 Tourentipps dazu.

Bergwelten entdecken