Weit, über die eigenen Grenzen hingehen.

24-Stunden-Wanderungen: Tipps und Termine

Touren-Tipps • 11. April 2016
von Martin Foszczynski

24-Stunden-Wanderungen liegen voll im Trend, davon zeugen die Jahr für Jahr länger werdenden Event-Kalender. In der Gruppe trauen sich Hobby-Wanderer eher zu, große Distanzen zu bewältigen.

Weitwandern
Foto: Berchtesgadener Land Wander Festivals
Weitwandern

Große Veranstaltungen wie die 24h Trophy, die fünf Termine in 5 deutschen Bergregionen umfasst, versorgen ihre Teilnehmer auf der Strecke mit Verpflegung und sorgen für Ruhestationen und Erste-Hilfe-Maßnahmen (auch in den Nachtstunden!). Außerdem gibt es Wanderungen für unterschiedliche Leistungsstufen, die sich in Punkto Streckenlänge und Streckenführung unterscheiden.
 
Auf diese Weise können alle Wanderwütigen bei möglichst geringem Aufwand ein Stück Outdoor-Abenteuer erleben, wie es beispielsweise der Allgäuer Ultraweitwanderer Carsten Jost regelmäßig sucht. Der freilich muss sich auf seinen bis zu 4.000 Kilometer langen Trails, wie dem Appalachian Trail oder dem Pacific Crest Trail entlang der US-Westküste, selbst um die Organsisation kümmern und ist viel alleine unterwegs. Doch auch er schätzt die Begegnung mit Gleichgesinnten: „Allein aufzubrechen heißt ja nicht, dass man am Weg allein bleibt“. 

Abenteuer Weitwandern

Das Gemeinschaftsgefühl ist der vielleicht größte Bonus bei 24-Stunden-Wanderungen. Gemeinsam gehen macht einfach doppelt Spaß. Das Wandern bringt die Menschen zusammen und ermöglicht es, auf ungezwungene Weise neue Kontakte zu knüpfen. Schließlich ist nicht nur geteiltes Leid, halbes Leid, sondern auch gemeinsame Freude doppelte Freude – sei es über ein erreichtes Ziel oder die prächtige Aussicht vom Gipfel.

Ultraweitwanderer Carsten Jost
Foto: Carsten Jost
Ultraweitwanderer Carsten Jost

7 Tipps für eine erfolgreiche 24-Stunden-Wanderung

 

1. Rechtzeitige Vorbereitung

Die Vorbereitungszeit auf eine 24-Stunden-Wanderung sollte mindestens 6 Wochen betragen. Je länger sie ist, desto besser kann der Körper mit der Belastung umgehen und umso unwahrscheinlicher werden Verletzungen. Am besten ist eine Mischung aus Kraftausdauertraining und stetig länger werdenden Wandertouren.
 

2. Die richtige Kleidung am Körper und im Rucksack

Auf langen Wanderungen ist Funktionswäsche aus Kunstfasern oder Merinowolle zu empfehlen, vor allem für die unterste Schicht. Beim Schuhwerk schwört Ultraweitwanderer Carsten Jost (wie übrigens auch Marcel Hirscher) auf Trailrunningschuhe. Die sind leicht, geben aber ordentlich Halt. Hobby-Wanderer sollten eher robustere Wanderschuhe oder Trekkingstiefel wählen, die auch den Knöchel umschließen. So oder so: unbedingt davor eingehen, um Blasen zu vermeiden!
 
Bei launischem Wetter besonders praktisch ist ein langarmiges Trekkinghemd – beugt Auskühlen vor, ist aber nicht so warm wie eine Softshelljacke (die im Rucksack aber natürlich dabei sein sollte). Beim Rucksack spart Carsten Jost übrigens am liebsten Gewicht ein. Während übliche Trekking-Rucksäcke bis zu 2,5 kg wiegen, kommt seiner auf 600 Gramm.
 

3. Pausen zum Dehnen nutzen

Wer 24 Stunden lang geht, muss ausreichend (aber nicht zu lange) Pausen machen. Die sollte man dazu nutzen, um die Spannung in den Muskeln abzubauen. Sinn machen vor allem kurze dynamische Dehnübungen für Oberschenkel (Vorder- und Rückseite), Hüftbeuger und Waden.
 

4. Nicht über seine Grenzen gehen

Man kennt ja das Gefühl von Gruppendynamik, das einen zu ungeahnten Leistungen anspornt. Wer einen ganzen Tag gehen will, darf sich aber nicht zu sehr vom Gehtempo schnellerer Mitstreiter verleiten lassen, sonst ist irgendwann der Akku leer und die Zwischenrast auf der Hütte wird zur ungeplanten Endstation.
 

5. Regelmäßig trinken, aber kein Alkohol

Das Um und Auf ist es, in regelmäßigen Abständen zu trinken. Meistens tut es auch pures Wasser, auf Hütten sind gespritzte Obstsäfte wie Apfel-, Holler- oder Johannisbeersaft empfehlenswert. Oder auch alkoholfreies Weißbier – ein unterschätztes isotonisches Getränk!
 
Aber Finger weg vom Alkohol – im Ziel lässt es sich dann umso schöner auf die vollbrachte Leistung anstoßen.
 

6. Richtig essen

Man sollte regelmäßig – etwa alle 30 Minuten – essen und auf keinen Fall warten, bis ein Hungergefühl aufkommt – dann ist es nämlich meistens schon zu spät. Ideal für unterwegs sind z.B. getrocknete Früchte wie Feigen oder Datteln, auf Hütten kann man sich Nudelgerichte aber auch einen Kaiserschmarren genehmigen. Abzuraten ist von deftigen Gerichten wie Kasspatzen oder Schnitzel mit Pommes.
 
Ultraweitwanderer Carsten Jost hat einen besonderen Tipp: für ihn sind mit Nutella, Honig oder Marmelade bestrichene Tortilla-Fladen der ideale Proviant. Sie lassen sich gut im Rucksack lagern. Auch ein Schokoriegel ist immer dabei: für zusätzliche Kalorien und als kleine Belohnung für den Kopf.
 

7. Fernglas und Gehstöcke mitnehmen

Beim Weitwandern immer dabei hat Carsten Jost seine Gehstöcke – die sorgen für Balance und den Extra-Turbo.
 
Doch bei einer 24-Stunden-Wanderung sollte der Wettbewerbscharakter nicht immer im Vordergrund stehen. Wer ein kompaktes Fernglas mitnimmt, kann unterwegs auch Tiere entdecken und die Fauna bewundern.

Stoabergmarsch
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