Hundeschlitten
Foto: Thilo Brunner
Hundstage

Schlittenhundefahren in Bayern

Fotogalerie • 17. Juni 2016

„Draufstellen, das Hirn ausschalten, instinktiv das Richtige tun und Spaß haben“ – so beschreibt der Allgäuer Hundeschlittenführer Werner Laqua die Anforderungen ans Fortbewegen mit Huskys. „Da geht wahrscheinlich nur Fliegen drüber“, schwärmt Tanja, die sich zum ersten Mal auf einen Hundeschlitten gewagt hat.

Ebenso wie Bergwelten-Redakteur Achim Schneyder, der uns in der folgenden Bilderstrecke den Zauber seiner „Hundstage“ im bayerischen Wintermärchenland näherbringt.

Die Schlittenhunde
Foto: Thilo Brunner
Die Schlittenhunde kurz vor dem Start

Was Huskys mit Tom Hanks im Film ­„Forrest Gump“ ­gemeinsam haben? Sie laufen und laufen und laufen. Dabei können sie ein Vielfaches ihres Körpergewichts ziehen.

Werner Laqua Schlittenhundeführer
Foto: Thilo Brunner
Schlittenhundeführer Werner Laqua

Werner Laqua aus dem bayerischen Türkheim im Unterallgäu ist Musher. Also­ Schlittenhundeführer. Woher der Begriff Musher kommt, weiß allerdings auch er nicht genau. „Es könnte sein, dass er vom französischen Wort marcher, also marschieren, herrührt. Weil der Musher hin und wieder mit einem Bein antauchen, mitmarschieren oder sogar mitlaufen muss, wenn es beispielsweise recht steil bergauf geht.“
 

Der Schlitten
Foto: Thilo Brunner
Der Schlitten

Schlittenhundefahren sei eigentlich ganz einfach, meint Werner Laqua. Was es braucht, sind im wesentlichen winterfestes Schuhwerk, winterfeste Kleidung, dicke Handschuhe und die Lust am Abenteuer. Für die Hunde und den Schlitten sorgt er selbst. Zu seinen Workshops kommen oft komplette Anfänger. So auch Tanja und Michael, ein junges Paar aus Bayern. Zunächst werden sie in die Materie eingeführt.

Vor der Hundeschlittenfahrt am Feuer wärmen
Foto: Thilo Brunner
Tanja wärmt sich am Lagerfeuer  – so ist es Brauch bei Werner Laqua.
Husky Schlittenhund
Foto: Thilo Brunner
Michael ­streichelt Balu – einen von insgesamt 17 Hunden, die Werner Laqua besitzt.
Warme Suppe für Husky vor dem Start der Schlittenfahrt
Foto: Thilo Brunner
Nicht nur für Kursteilnehmer, sondern auch für die Hunde gibt es warme Suppe vor dem Start.

Wenn Werner Laqua mit seinen Hunden zu einer längeren Ausfahrt aufbricht, gibt es zuallererst einmal Suppe. Nicht für die Kursteilnehmer, sondern für die Hunde. Dabei handelt es sich um püriertes Dosenfutter, das mit kaltem Wasser verrührt wird. Die Hunde brauchen ausreichend Flüssigkeit, denn größere Runden sind für sie durchaus anstrengend. Andere Musher kochen tatsächlich Suppen aus Knochen und Fleisch.

Ausfahrt mit Hunden und Schlitten
Foto: Thilo Brunner
Erste Ausfahrt mit Hunden: Tanja und Michael am Schlitten, vorn zwei Alaskan Huskys, hinten ein brauner Siberian Husky.
Huskys laufen für ihr Leben gern
Foto: Thilo Brunner
Huskys laufen für ihr Leben gern

„Hält man sich nicht am Schlitten fest, kriegen die Hunde das große innerliche Grinsen und hauen ab, so schnell kannst du gar nicht schauen“, erzählt Werner Laqua aus eigener Erfahrung. Die Hunde laufen dann nämlich einfach allein die Runde zu Ende und bleiben bei Start und Ziel wieder stehen. Dort gibt es trotzdem ein Leckerli, denn sie haben ja nichts Böses getan, sondern sind lediglich ihrem Instinkt gefolgt. Huskys können Distanzen von bis zu 60 Kilometern am Tag bewältigen.

 

Fahrer bremst den Hundeschlitten
Foto: Thilo Brunner
Bremsen schaffen Abhilfe. Die Gummibremse ist dazu da, um Tempo herauszunehmen, die Aluminiumbremse, um möglichst abrupt stehen zu bleiben.
Schneeanker zum Befestigen des Schlittens
Foto: Thilo Brunner
Der Schneeanker kommt zum Einsatz, wenn man sich vom Schlitten entfernt.
Hundeschlitten nimmt Fahrt auf
Foto: Thilo Brunner
Beim Hundeschlittenfahren geht es im Wesentlichen nur darum, sein Gewicht so zu verlagern, dass man in der Kurve nicht vom Schlitten fliegt. Auf längeren und anspruchsvolleren Strecken ist freilich etwas mehr Know-how gefragt.
Laqua mit seinen Schlittenhunde
Foto: Thilo Brunner
Laqua mit seinen Schlittenhunde

Laqua hat seine eigene Sprache mit den Tieren erfunden. So bedeutet „Ha“ für seine Hunde nach links und „Tschi“ nach rechts. Dazu kommen noch gängige Anweisungen wie „Ready go“ fürs Loslaufen; „Go ahead“, um Tempo zu machen; „Easy go“ fürs Reduzieren des Tempos; „Steh“, um stehen zu bleiben.

Schlittenhund Nitro
Foto: Thilo Brunner
Schlittenhund Nitro
Schlittenhund Nitro
Foto: Thilo Brunner
Schlittenhund Nitro

Nitro ist drei Jahre alt, ­Werner Laqua hat ihn vor zwei Jahren aus dem Tierheim geholt. Dass es eiskalt ist, macht ihm nichts aus. Huskys fühlen sich bei Temperaturen um minus 15 Grad am wohlsten.

Schlittenhunde beim Ausrasten
Foto: Thilo Brunner
Auch Schlittenhunde benötigen hin und wieder eine kurze Pause

Hunde hecheln nicht deshalb, weil sie Luft brauchen, sondern weil das der Kühlung dient. Sie regulieren den Temperaturausgleich nämlich ausschließlich über die Pfoten und über die Zunge und nicht wie die Menschen durch Schwitzen.

Huskys laufen bergauf
Foto: Thilo Brunner
Laqua und seine Schlittenhunde scheuen auch vor steileren Passagen nicht zurück
Laqua und seine Huskys kurz vor dem Ziel
Foto: Thilo Brunner
Laqua und seine Huskys kurz vor dem Ziel

„Da geht wahrscheinlich nur Fliegen drüber“, sagt Tanja nach ihrem ersten Hundeschlitten-Workshop. Und Michael bestätigt: „Man erlebt ein Gefühl unbändiger Freiheit, man spürt die Kraft der Hunde, die unbehelligt vor sich hin rennen.“

Infos

Ankommen

Das bayerische Oberstdorf im Grenzgebiet zum Kleinwalsertal in Vorarlberg erreicht man mit dem Auto auf schnellstem Weg von München aus über Landsberg am Lech, Kaufbeuren und Kempten. Die Distanz ­beträgt rund 170 km. Mit dem Zug muss man den Umweg über Augsburg in Kauf nehmen und kommt auf eine Fahrzeit von zirka 2,5 Stunden.

Tage mit Werner Laqua

Der Schlittenhundeführer aus dem Allgäu kommt mit seinen Schlitten und Hunden überallhin, wo man ihn bucht. Einen fixen Standpunkt hat er auch – auf dem Hörnlepass im Kleinwalsertal, wo regelmäßig Kurse stattfinden.
www.huskydays.com

Die ganze Story von Achim Schneyder gibt es im Bergwelten Magazin (04/2015).

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