Wanderschuhe schnüren

Wanderschuhe richtig schnüren: 6 Techniken für mehr Komfort beim Gehen

Ausrüstung & Technik
•
5 Min.
•
19.10.2026

Foto: Claudia Ziegler

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von Denis Pscheidl

Schuhebinden ist nicht gleich Schuhebinden. Beim Wandern kann die richtige Schnürung Blasen und Druckstellen vorbeugen. In diesem Beitrag erfährst du, was du beachten solltest und welche Schnürung zu welchem Fuß passt.
Wann hast du dir das letzte Mal Gedanken gemacht, wie man die Schuhe richtig bindet? Womöglich nicht mehr, seitdem du es im Kindergarten oder der Grundschule gelernt hast. Dabei lohnt es sich gerade beim Wandern, die Schnürsenkel nicht einfach irgendwie zu verknoten. Denn je nach Gelände, Fußform und Schuh können unterschiedliche Schnürtechniken den Tragekomfort deutlich verbessern.

Manchmal soll die Ferse besonders fest sitzen, manchmal drückt der Schuh am Rist und manchmal wünschst du dir am Schaft etwas mehr Bewegungsfreiheit. Die gute Nachricht: Dafür brauchst du weder neue Wanderschuhe noch besondere Ausrüstung. Oft reichen ein paar Handgriffe, um die Schnürung an deine Bedürfnisse anzupassen. Ich zeige dir, worauf du achten solltest und welche Tricks sich unterwegs bewähren.

Auf einen Blick

So bindest du deine Wanderschuhe richtig:
  • Ferse nach hinten rutschen.
  • Schuhzunge mittig platzieren.
  • Bergauf die Schnürung am Schaft lockern.
  • Bergab Vorfuß und Beuge enger schnüren.
  • Mit einem sauberen Knoten abschließen.
  • Rechtzeitig nachschnüren.
  • Bei gewissen Druckstellen oder zu wenig Fersenhalt, kann die richtige Schnürtechnik helfen.

Der Schuh muss richtig sitzen

Die richtige Schnürung kann zwar helfen, Blasen und Druckstellen zu reduzieren, deutlich wichtiger sind aber passende Schuhe und Socken. In der Regel wird empfohlen, zwischen 1 bis 1,5 Zentimeter Platz zu lassen, damit deine Zehen beim Bergabgehen etwas Spielraum haben. Mittelfuß und Rist sollten hingegen fest umschlossen sein, ohne dass der Schuh drückt. Besonders an der Ferse ist guter Halt wichtig, da zu viel Spielraum hier oft zu Reibung und Blasen führt.

Schritt 1

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Stelle den Schuh nach dem Anziehen auf die Hacke und klopfe ihn einmal auf den Boden, sodass deine Ferse ganz nach hinten rutscht und fest im Schuh sitzt.
Auch bei der Zunge musst du auf den richtigen Sitz achten. Verrutscht sie zur Seite oder bildet Falten, kann das schnell zu unangenehmen Druckstellen führen. Damit die Zunge beim Gehen an Ort und Stelle bleibt, verfügt sie oft über eine Schlaufe oder einen Haken, an dem sich die Zunge mit den Schnürsenkeln fixieren lässt.

Schritt 2

Die Zunge mittig platzieren und wenn nötig mit den Schnürsenkeln fixieren.

Tiefzughaken oder Feststellöse richtig nutzen

Viele Wanderschuhe besitzen einen sogenannten Tiefzughaken. Er befindet sich zwischen dem unteren Schnürbereich und dem Schaft, etwas tiefer als die übrigen Ösen, und ermöglicht es, den Schuh in zwei Zonen zu schnüren: im Bereich von Vorfuß und Rist sowie rund um den Knöchel und den Schaft.

Schritt 3

Oft ergibt es Sinn, die Schnürsenkel von oben nach unten um den Tiefzughaken zu führen. Dadurch entsteht mehr Reibung und die Spannung lässt sich zwischen den beiden Zonen besser aufteilen. Probiere einfach aus, in welcher Position dein Schnürsenkel im Tiefzughaken am besten hält.

Schritt 4

Den Schuh dem Gelände entsprechend schnüren.
Bergauf: Für viele Menschen ist es beim Aufstieg angenehmer, die Schnürsenkel im Bereich des Schafts und der Knöchel zu lockern. Achte dabei jedoch auf genügend Halt über dem Spann, sonst rutscht die Ferse. So hast du mehr Spielraum beim Aufstieg und der Fuß lässt sich besser abrollen.
Bergab: Ziehe die Schnürsenkel im Vorfußbereich und der Beuge beim Abstieg tendenziell etwas fester. So verhinderst du, dass du nach vorn rutscht und deine Zehen gegen die Schuhspitze stoßen – ein häufiges Problem beim Abstieg.
Du kannst eine solche Trennung aber auch mit der sogenannten falschen Feststellöse erreichen. Sie ist ein einfacher Trick, mit dem du die Spannung deiner Schnürung an einer bestimmten Stelle fixieren kannst. Die falsche Feststellöse ist besonders hilfreich, wenn dein Schuh keine geeigneten Tiefzughaken hat oder du zusätzliche Schnürzonen schaffen möchtest.
Dafür führst du die beiden Schnürsenkelenden an der gewünschten Stelle nicht einfach über Kreuz weiter. Stattdessen verdrehst du sie zweimal umeinander, bevor du die Schnürung fortsetzt. Durch die zusätzliche Reibung entsteht eine Art Sperre: Der untere Bereich kann fester bleiben, während du den oberen Teil unabhängig davon anpasst.

Mit dem richtigen Knoten abschließen

Wenn der Schuh gut sitzt, fehlt nur noch der richtige Abschluss. Dafür reicht grundsätzlich eine normale Schleife. Wer immer wieder mit offenen oder gelockerten Schnürsenkeln zu kämpfen hat, kann den Knoten zusätzlich sichern.

Schritt 5

Die Schnürung mit Schleife oder Doppelknoten abschließen.
Eine Möglichkeit ist, den ersten Halbschlag doppelt auszuführen. Auch die Umrundung der Schlaufe kannst du doppelt ausführen. Dadurch hält die Bindung in der Regel besser, ohne dass du komplizierte Knotentechniken lernen musst. Achte darauf, dass die Schleife nicht zu locker sitzt und keine langen Enden lose herabhängen.

Nachschnüren nicht vergessen

Nach den ersten 15 bis 30 Minuten lohnt es sich, den Sitz zu überprüfen. Durch die Bewegung kann sich die Schnürung lockern. Auch der Schuh kann sich durch Bewegung und Wärme weiten.

Schritt 6

Die Schuhe nach 15 bis 30 Minuten nachschnüren.
Auf längeren Touren empfiehlt es sich außerdem, den Sitz nach ein paar Stunden zu kontrollieren und, wenn nötig, anzupassen. Mit der Zeit können Füße auch anschwellen und mehr Platz benötigen. Außerdem lohnt es sich, die Schuhe beim Wechsel vom Aufstieg zum Abstieg neu zu schnüren.

Sechs verschiedene Techniken, um Wanderschuhe zu schnüren

Neben der falschen Feststellöse gibt es noch einige andere Techniken, um Wanderschuhe zu schnüren. Jede der Techniken versucht, ein bestimmtes Problem zu lösen.

1. Die falsche Feststellöse: Mehrere Schnürzonen schaffen

Wenn dein Wanderschuh keinen Tiefzughaken besitzt oder du die Spannung zwischen Vorfuß und Schaft besser aufteilen möchtest, kannst du mit einer falschen Feststellöse arbeiten. Sie erzeugt zusätzliche Reibung, die verhindert, dass sich die untere Schnürung beim Nachziehen des oberen Bereichs wieder lockert.
So gehst du vor:
  • Schnüre den unteren Bereich so fest, dass dein Fuß stabil sitzt, ohne eingeengt zu werden.
  • Verdrehe die beiden Schnürsenkel an der gewünschten Stelle zweimal umeinander.
  • Führe die Schnürung oberhalb dieser Sperre wie gewohnt weiter.
  • Ziehe den oberen Bereich nach Bedarf fest.
So kannst du den unteren Teil des Schuhs fixieren und den Schaft unabhängig davon anpassen.

2. Die Flaschenzugtechnik: Wenn die Ferse rutscht

Hebt sich deine Ferse beim Gehen aus dem Schuh, kann das zu Reibung und Blasen führen. Die Flaschenzugtechnik hilft dabei, die Ferse besser im Schuh zu halten.
So funktioniert die Technik:
  • Schnüre den unteren Bereich so fest, dass dein Fuß stabil sitzt, ohne eingeengt zu werden.
  • Führe die Schnürsenkel von der letzten Öse oder Schlaufe am Rist direkt von unten durch den Tiefzughaken auf derselben Seite, anstatt sie über Kreuz zu führen.
  • Fädle die Schnürsenkel anschließend durch die so entstandene Verbindung auf der gegenüberliegenden Seite.
  • Ziehe beide Enden gleichmäßig fest und schnüre den Schuh anschließend wie gewohnt weiter.
Durch die zusätzliche Zugwirkung sitzt die Ferse fester im Schuh. Das kann den Fersenschlupf und damit die Reibung reduzieren. Die Technik kann allerdings keine grundsätzlich falsche Schuhgröße oder ungeeignete Passform ausgleichen.

3. Der tiefe Knoten: Mehr Bewegungsfreiheit am Schaft

Drückt der Knoten am Schienbein, kannst du versuchen, den Knoten tiefer zu setzen. Dafür führst du die Schnürsenkel beim obersten Zughaken von oben nach unten und knotest ganz normal ab. Dadurch rutscht der Knoten ungefähr einen Zentimeter tiefer.

4. Die Fensterschnürung: Wenn der Rist drückt

Drückt dein Wanderschuh an einer bestimmten Stelle auf den Spann, musst du nicht gleich die gesamte Schnürung lockern. Mit der Fensterschnürung lässt sich genau dieser Bereich entlasten, während der Schuh an den übrigen Stellen weiterhin Halt gibt.
So legst du die Fensterschnürung an:
  • Schnüre den Schuh zunächst wie gewohnt bis zu jener Stelle, an der der Druck entsteht.
  • Lass dort die übliche Kreuzung der Schnürsenkel aus.
  • Führe beide Schnürsenkel stattdessen auf ihrer jeweiligen Seite gerade nach oben zur nächsten Öse.
  • Setze die normale Kreuzschnürung oberhalb der empfindlichen Stelle fort.
Durch die parallelen Schnürsenkel entsteht ein kleines Fenster, in dem kein Senkel diagonal über den Spann verläuft. Das kann den Druck an dieser Stelle reduzieren.

5. Die Parallelschnürung: Weniger Druck auf dem Fußrücken

Bei einem hohen Rist kann es sein, dass die Kreuzungspunkte der Schnürsenkel unangenehm drücken. Bei der Parallelschnürung verlaufen die Schnürsenkel asymmetrisch zueinander und die Kreuzungspunkte sind versetzt. So lässt sich der Druck gleichmäßiger verteilen und der Spann gezielt entlasten.
So funktioniert die Parallelschnürung:
  • Führe einen Schnürsenkel von der untersten Öse überkreuz direkt zur dritten und dann waagrecht zur gegenüberliegenden Öse.
  • Den anderen Schnürsenkel führst du von der ersten Öse überkreuz zur zweiten Öse und dann waagrecht zur gegenüberliegenden.
  • Anschließend tauschst du diese Muster.
  • Arbeite dich auf diese Weise von Ösenpaar zu Ösenpaar nach oben.
Die Parallelschnürung kann besonders bei empfindlichem Spann angenehm sein. Achte aber darauf, dass der Schuh weiterhin genügend Halt bietet und deine Ferse nicht im Schuh rutscht.

6. Die Ladenschnürung: Die Schnürung individuell anpassen

Mit der Ladenschnürung kannst du die Führung der Schnürsenkel verändern, um die Spannung im Schuh gezielter zu verteilen. Dabei werden die beiden Enden unterschiedlich geführt. So lässt sich die Schnürung an die individuelle Fußform anpassen.
So funktioniert die Technik:
  • Teile die Schnürsenkel so auf, dass ein Ende kurz und das andere länger bleibt.
  • Führe das kurze Ende direkt zum letzten Haken auf der gegenüberliegenden Seite.
  • Führe das lange Ende im Zickzack durch die übrigen Ösen nach oben.
  • Binde beide Enden abschließend zusammen.

Fazit: Die richtige Schnürung kann den Unterschied machen

Ob Flaschenzugtechnik, Fensterschnürung oder Parallelschnürung – mit wenigen Handgriffen kannst du deine Wanderschuhe an deine Füße und das Gelände anpassen. Wichtig ist, dass die Ferse guten Halt hat, der Vorfuß genügend Platz behält und nirgends unangenehmer Druck entsteht.
Je nachdem, welches Problem du beim Wandern hast, kannst du also einfach mal ein paar Techniken ausprobieren. Vielleicht hilft ja eine davon. Das ist in jedem Fall günstiger als ein Paar neue Schuhe.

Zum Autor

Denis Pscheidls Welt sind die Berge – und die beginnen praktischerweise direkt vor seiner Haustür in Innsbruck. Im Sommer ist er beim Bergsteigen oder Klettern unterwegs, im Winter auf Skitour. Selbst ein kurzer Abstecher an die Deutsche Journalistenschule in München konnte daran nichts ändern und es zog ihn im Anschluss sofort zurück in die Hauptstadt der Alpen. Heute arbeitet er als freier Journalist und schreibt am liebsten über Berge, Umwelt und Wissenschaft. Für Bergwelten verbindet er Praxis mit Recherche und liefert Ausrüstungstipps, die nicht am Schreibtisch entstehen, sondern draußen.