Auch wenn der Schuh optimal passt, kann es trotzdem passieren, dass man durch lange Belastung Blasen bekommt. Im Vergleich zu anderen Sportverletzungen gibt es aber überraschend wenige große, randomisierte Studien zur Prävention von Reibungs-Blasen. Dennoch lassen sich aus der vorhandenen wissenschaftlichen Literatur einige klare Empfehlungen ableiten, wie du Blasen verhindern kannst.
1. Gezieltes Tapen beugt Blasen vor
Hast du bestimmte Stellen, an denen immer wieder Blasen auftreten, lohnt es sich, diese vor der Tour mit Tape abzukleben. Die am besten untersuchte Maßnahme ist präventives Tapen mit Papiertape. Eine 2016 im Clinical Journal of Sport Medicine veröffentlichte Studie mit 128 Ultraläuferinnen und -läufern zeigte eine absolute Reduktion der Blasen um 40% an getapten Stellen.
Die Teilnehmenden tapeten vor dem Start ihre individuell blasenanfälligen Stellen – meist Ferse, Ballen oder Zehen. Am Ende der 155-Meilen-Etappe hatten 98 der 128 Läufer und Läuferinnen keine Blasen unter dem Tape entwickelt, während 81 von ihnen an ungetapten Stellen sehr wohl Blasen bekamen.
● Vor dem Aufkleben des Tapes solltest du die Haut von Schmutz und Fett reinigen und gut trocknen.
● Das Tape muss glatt, faltenfrei und mit ausreichend Überlappung aufgeklebt werden. Die Ränder sollten an wenig beanspruchten Stellen liegen.
● Verwende ein klebestarkes Papier- oder Textiltape und probiere aus, welches für dich funktioniert.
● Bei starkem Schwitzen oder sehr langen Touren kann sich das Tape lösen und sollte dann ersetzt werden.
Je nach Stelle (z.B. Ferse) bietet es sich auch an, ein spezielles Blasenpflaster statt Tape zu verwenden. Diese wirken polsternd und reduzieren Reibung. Sie können sowohl präventiv als auch zur Behandlung bestehender Blasen verwendet werden.
2. Die richtigen Socken gegen Blasen
Passende Socken sind fast genauso wichtig, wie passende Schuhe. Gute Wandersocken aus Funktionsmaterial (Merino oder Kunstfaser) leiten die Feuchtigkeit vom Fuß weg und wirken gleichzeitig polsternd. Wander- und Laufsocken sollten an den anfälligsten Stellen (Ferse, Zehen und Fußballen) gut gepolstert sein und faltenfrei anliegen, um Blasen effektiv zu verhindern. Baumwollsocken fördern Blasen eher. Sie speichern Feuchtigkeit wie ein Schwamm. Nasse Haut weicht auf und ist anfälliger für Blasen.
Auch ein System aus zwei Sockenlagen kann helfen, Blasen vorzubeugen. Die Reibung soll dabei zwischen den beiden Socken stattfinden und nicht zwischen Socke und Haut. Mehrere Studien und Feldtests deuten darauf hin, dass dieses System die Blasenrate reduzieren kann. Die Evidenz ist jedoch weniger robust als beim Tapen. Praktisch bewährt hat sich eine Kombination aus einer dünnen, eng anliegenden Innenschicht und einer dickeren Außenschicht mit Dämpfungselementen. Beide Lagen müssen gut sitzen, ohne zu rutschen oder Falten zu werfen.
Manche Hersteller bieten doppellagige Socken an, die das Zwei-Socken-System nachahmen. Wer Blasen zwischen den Zehen bekommt, für den könnten die bei Trailrunnerinnen und Trailrunnern beliebten Zehensocken hilfreich sein.
3. Die Füße pflegen und trainieren
Gepflegte Füße und Nägel gehören zu jeder Blasen-Vorsorge. Zu lange Nägel und übermäßig dicke Hornhaut können zu Druck und Reibung führen und Blasen verursachen. Raspel aber nicht wie wild drauflos, denn die Hornhaut bildet gleichzeitig einen robusten Schutz für darunterliegende Hautschichten.
Damit sich die Hornhaut dort bildet, wo du sie haben willst, solltest du deine Füße regelmäßig beanspruchen. Regelmäßige, dosierte Belastung fördert eine gesunde Hornhautbildung und kann die Fußmuskulatur stärken. Barfußtraining kann helfen, deine Füße an Belastung zu gewöhnen. Extremes Barfußtraining ohne schrittweise Gewöhnung erhöht jedoch das Verletzungsrisiko.
4. Was sonst noch gegen Blasen helfen kann
● Neopren-Einlagen: Können lokal Druck umverteilen und Reibung mindern. Bei falscher Passform können sie allerdings neue Druckpunkte erzeugen. Neopren ist wasserabweisend und wenig atmungsaktiv – bei starkem Schwitzen kann sich Feuchtigkeit stauen. Nicht als alleinige Präventionsstrategie, sondern eher ergänzend nach Beratung verwenden.
● Hirschtalgsalben, Öle und Blasensticks: Können die Reibung auf der Haut reduzieren. Je nach Zusammensetzung können sie die Haut aber auch aufweichen, was negativ wirkt. Probiere am besten auf kurzen Touren aus, ob solche Schmiermittel bei dir wirken. Diese müssen jedoch nach einiger Zeit neu aufgetragen werden, um ihren Schmierfilm zu erhalten.
Eher mit Vorsicht zu genießen:
● Antitranspirantien mit Aluminiumchlorid reduzieren nachweislich die Schweißproduktion und können so indirekt das Blasenrisiko senken. Die Studienlage ist jedoch dünn, und bei empfindlicher Haut können Reizungen auftreten.
● Puder (Talkum, Maisstärke) wird häufig empfohlen, kann aber bei starker Feuchtigkeit klumpen und dann als Schleifmittel wirken. Besser: Füße regelmäßig lüften, Socken wechseln und bei Bedarf zwischendurch abtrocknen.