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Familien-Weltreise im Truck, Teil 3

Kein klares Ziel, aber Millionen Möglichkeiten!

Blog • 27. Juni 2022
4 Min. Lesezeit

Die Uhr dreht sich plötzlich langsamer für die Camper-Weltreisenden Leander, Maria und Lennox. Die atemberaubende Vielfalt Zentralasiens, das sie auf dem Weg vom Iran nach Sibirien durchqueren, hat ihr Herz erobert. Erstmals seit langem fühlen sie sich richtig frei.

Akela Camping-Lastwagen durch die Mongolei
Foto: Akela
Endlose Weite: Mit unserem Camping-Lastwagen Akela geht es durch die Mongolei
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Kaum war bekannt, dass wir durch den Iran reisen, erreichen uns gut gemeinte Ratschläge. Eindringlich werden wir vor den Gefahren des Landes gewarnt. Auch eine gewisse Verantwortungslosigkeit Lennox gegenüber hören wir raus.
Von Reisenden, die dort waren, bekommen wir nur Gutes erzählt. Wem schenken wir Glauben?

Es ist intensiv und anstrengend, durch den Iran zu reisen. Seit 40 Jahren wird das persische Volk mundtot gehalten. Politik und Religion sind dabei willkommene Werkzeuge. Um nicht in den Verdacht des Widerstandes zu geraten, führen viele Iraner ein Doppelleben. Ohne Scheu erzählen sie über Missstände in ihrem Land und die Angst, die sie täglich begleitet. Bedrückt hören wir zu. Doch keine Geschichte ist so ergreifend, dass der Gastgeber dabei vergisst, auf volle Teller und Gläser zu achten. In der Wettkampfdisziplin Gastfreundschaft gewinnt der Iran haushoch.

Weltmeister der Gastfreundschaft

Die Landschaft ist so konträr wie die Menschen. Es gibt fruchtbare Täler und Meeresküsten, aber viel mehr Steppe und Wüste mit wilden Kamelen.
Autowerkstatt-Besuche haben es uns hier besonders angetan – die Hälfte unseres Aufenthaltes verbringen wir in Schrauber-Hütten.

Iran: Zwischen Autowerkstätten und Kamelen

Verschiedene Umstände erfordern eine komplette Routenumplanung. Der Landweg durch den Süden wurde geschlossen, das bedeutet für uns: Kein China und kein Südostasien. Stattdessen geht es nun nach Osten, über den Pamir Highway nach Zentralasien.

In Usbekistan folgen wir den Spuren Marco Polos entlang der alten Seidenstraße. Bei den desaströsen Straßen wäre eine Kamel-Karawane vermutlich schneller als wir. Tagelang tuckern wir bei brütender Hitze durch staubige Wüstenlandschaften. Außer geschäftigen Erdhörnchen ist niemand zu sehen. 
Dafür pulsiert in den Handelsstädten Khiva, Buchara und Samarkand das Leben. Touristen und Einheimische füllen gleichermaßen die Marktplätze. Edle Stoffe und teure Gewürze wandern über den Tresen und werden in die ganze Welt verschickt. Usbekistan ist das Drehkreuz des Orients. Dennoch besteht die Bevölkerung großteils aus armen Bauern. Ein freundliches Lächeln und eine hilfreiche Hand sind immer zur Stelle.

Ins Herz des Orients

Die Lebensumstände, auf die wir unterwegs treffen, werden einfacher, die Menschen wirken dafür aber glücklicher. Das gibt Kraft und Mut, auch die eigenen Zügel weiter locker zu lassen.

Unsere Reisegeschwindigkeit wird sich auch die nächsten Wochen kaum über 20 km/h bewegen. Gemeinsam mit einer rumänischen Familie, die mit einem Beiwagenmotorrad unterwegs ist, befahren wir den Pamir Highway, die zweithöchste Passstraße der Welt.

Entlang der Seidenstraße: In den Städten Usbekistans pulsiert das Leben

Tadschikistan besteht zu zwei Drittel aus Hochgebirge. An den Ausläufern leben Bauern in kleinen Gemeinschaften und bestellen Äcker mühsam von Hand. In Schrittgeschwindigkeit fahren wir am Ufer eines Flusses entlang und winken den Kindern zurück, die lachend neben uns herlaufen.

Wir dürfen nicht vergessen zu trinken. Die täglich steigende Höhe kann die Höhenkrankheit auslösen. Nicht nur die Luft wird dünner, auch die Landschaft passt sich an. Mittlerweile schlängelt sich die Straße ins Hochgebirge. Links hohe Felsen, rechts ein tiefer Abgrund. Still und heimlich bleibt jedem für sich das Herz stehen. 

Der Ak Baital Pass ist mit 4.655 m der höchste Punkt der Passstraße. Ein Erinnerungsfoto unter heftiger Schnappatmung darf natürlich nicht fehlen. Danach steigen wir wieder ein und rollen in den Horizont, der sich auftut. Eine nicht enden wollende Weite liegt vor uns. Vereinzelt grasen Yaks auf der Hochebene, dahinter taucht die Bergkette des Hindukusch zum Greifen nahe auf. Der Himmel ist Blau, und der Rest deines Lebens beginnt. Wir fühlen uns frei!

Akela Camping-Lastwagen Zentralasien
Foto: Akela
Am Ak Baital Pass auf 4.655 Metern

Ein Gefühl von Freiheit

In Kirgistan endet der Pamir Highway und es wird wieder hügeliger. Ohne es zu wollen, verlieben wir uns in vorbeiziehende Felder und Wiesen, Wälder und Seen. Es erinnert an zu Hause. Gelegentlich sind Jurten zu erkennen, vor denen Pferde locker angebunden sind. Das Pferd ist ein wichtiger Begleiter eines Kirgisen, daher ist es nicht verwunderlich, dass ein echter Kirgise reiten kann, bevor er gehen lernt.

Kirgistan ist das einzige Land, indem wir ohne Werkstatt auskommen. Das nimmt viel Druck raus. Anstatt Mechaniker, wie üblich, lernen wir den Adlerjäger Aidbek kennen und dürfen ihn begleiten.

Nach der wilden kasachischen Steppe erreichen wir das russische Altai-Gebirge. Eine Region voller Geheimnisse und Schamanismus. Wir würden gern länger bleiben, doch – wie es der Teufel will – brauchen wir wieder eine Werkstatt. Unterwegs wird nicht nur Akela, unser Camping-Lastwagen, unter die Lupe genommen, auch wir werden auf unsere Wodka-Trinkfestigkeit getestet. Aus diesem Duell lallen wir als klare Verlierer hervor.

Akela Camping-Lastwagen Zentralasien
Foto: Akela
In Kirgistan lernen wir Adlerjäger Aidbek kennen
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Die Mongolei ist ein bezauberndes Stück Nichts. Eingepfercht zwischen den Giganten Russland und China ist es machtlos. Straßen gibt es, wenn man danach sucht. Wir fahren tagelang, ohne auf eine Menschenseele zu treffen. Wir können tun und lassen, was wir wollen. Auch nackt herumlaufen, wenn uns danach ist.

Wunderschönes Nichts

Weit vorne taucht eine Staubwolke auf. Eine Herde Pferde galoppiert auf uns zu und bremst rechtzeitig ab. Es sind wilde Przewalski-Pferde. Es gibt sie überall in der Mongolei. Hammer! Mongolen sind sehr genügsam und verschwenden nichts. Unfruchtbare Erde und kaltes Klima ringen den Menschen viele Entbehrungen ab. Trotzdem entspringen aus den Schatten der Kargheit wunderschöne Orte, wo wir nicht mehr wegwollen. Doch die Zeit drängt. Wladiwostok ist noch weit, und der Winter klopft bereits an.

Akela Camping-Lastwagen Zentralasien
Foto: Akela
Lennox findet in der Mongolei neue Freunde

Die letzten ruhigen Tage verbringen wir am Baikalsee, bevor wir Richtung Sibirien aufbrechen. Wladiwostok liegt 4.000 km entfernt.

Es liegt noch kein Schnee, aber es ist bitterkalt. Die Landschaft bleibt tagelang unverändert. Birkenwälder soweit das Auge reicht. Geschichten über Tiger und Bären in Sibirien gibt es viele, nicht jede entspringt nur der Fantasie. Wir sind wachsam und halten die Augen offen. Die Monotonie der Fahrstrecke müssen wir einmal durch einen Werkstattaufenthalt unterbrechen. Dann steht Wladiwostok, der östlichsten Stadt der Welt, nichts mehr im Wege.

Zentralasien war nicht geplant, und es war das Beste, was uns passiert ist. Die empfundene Freiheit erlebten wir nie mehr wieder so intensiv wie dort. Unser nächstes Ziel sind die Tropen zwischen Indonesien und Japan. Wie es weitergeht, erfahrt ihr im nächsten Beitrag.

In Russland angekommen

In den nächsten Wochen erzählen uns Leander, Maria und Lennox (Akela) auf bergwelten.com regelmäßig von den einzelnen Etappen ihres Weltreise-Abenteuers im Truck – bleibt also dran!

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