Berg-Know-How

7 Arten von Skitouren – Pistentour bis Skibergsteigen

Tipps & Tricks • 9. Januar 2018
von Peter Plattner

Skitour ist nicht gleich Skitour. Einige Spielarten hat es schon immer gegeben, einige sind in den letzten Jahren „neu“ dazugekommen. Ein Überblick über die 7 Arten des Skitouren-Sports.

Skitourengehen
Foto: Bill Kreutz
Skitourengeher in Vent

„Das“ Skitourengehen gibt es nicht mehr. Waren früher alle Tourengeherinnen mehr oder weniger ähnlich sozialisiert, kommen sie heute von ganz verschiedenen Seiten. Der fitnessbegeisterte Ausdauersportler hat dabei vermutlich ganz andere Erwartungen, als der Ruhe suchende Naturliebhaber oder die abfahrtsorientierte Freeriderin. Das Schöne ist, dass alle genug Platz haben und nicht nur gut neben- und miteinander auskommen, sondern sich gegenseitig auch einiges abschauen können.

Was die Charakteristik und die grundlegenden Anforderungen betrifft, gibt es unterschiedliche Einteilungen. Die folgenden Typen haben sich aber klar herauskristallisiert und beschreiben die Anforderungen und Benefits recht gut.

1. Pistenskitour

Der „Trend“ der letzten Jahre! Der Aufstieg erfolgt mit den Fellen am Pistenrand oder auf eigenen Aufstiegsspuren, die Abfahrt über die präparierte Skipiste. Gegangen wird den ganzen Tag über und auch abends nach der Arbeit. Vor allem in den schneearmen Wintern hat dieses Nebeneinander von Tourengehern und Pistenskifahrern – in Kombination mit den unterschiedlichen Verpflichtungen und Interessen von Liftbetreibern und Aufsteigern – in einigen Skigebieten zu Spannungen geführt. Nahezu überall hat man sich inzwischen aber verständigt und lokale passende Regelungen gefunden – wenn alle Parteien ihren gesunden Menschenverstand benutzen und etwas Verständnis zeigen, gibt es eigentlich keine Probleme. Eines muss den Pistengehern aber klar sein: auf der Piste gelten verpflichtend die FIS-Pistenregeln, an die man sich zu halten hat!

Hauptmotivation ist es, sich in einem leicht erreichbaren und vor objektiven alpinen Gefahren gesicherten Umfeld – also auf geöffneten, kontrollierten und präparierten Pisten – zu bewegen. Bei einigen steht der Fitnessgedanke, also viele Höhenmeter in kurzer Zeit, im Vordergrund, bei anderen ist nach einem gemütlichen Aufstieg die Gipfelhütte das Ziel, gefolgt von einer entspannten Talfahrt.

Pistenskitour
Foto: Gletscherbahnen Kaprun AG
Pistenskitour entlang dem Skipistenrand – es gelten die FIS-Pistenregeln!

2. Variantenfahren

Mit Liftunterstützung irgendwo hinauf, dann eventuell noch ein kurzer Aufstieg mit den Fellen mit dem Ziel, eine – oder am besten mehrere – möglichst lange und lohnende Abfahrt(en) zu finden. Beim Variantenfahren dreht sich alles um die Abfahrt und auch das Material ist entsprechend abgestimmt. Früher hat man dazu auch Ski-Plus gesagt und es empfiehlt sich auch sehr für klassische Tourengeher einen solchen Tag einzulegen: bei den vielen Abfahrtshöhenmetern die man dort sammelt, kann man seine skitechnischen Fähigkeiten verbessern; nimmt man sich noch dazu für einen Tag einen Skilehrer, wird die nächste Skitour noch mehr Freude machen!

Variantenfahren
Foto: argonaut.pro
Variantenfahren über Innsbruck, nach der Liftauffahrt geht es zu Fuß weiter um die besten Hänge zu finden

3. Modeskitour

Alleine wird man auch hier selten unterwegs sein. Modeskitouren werden nahezu jeden Tag aber vor allem an den Wochenenden gemacht, sodass eigentlich immer (mindestens) eine Aufstiegsspur vorhanden ist. Wer hier nach einem Schneefall unverspurten Schnee finden möchte, muss zeitig aufbrechen, denn die Abfahrt ist meistens schnell pistenähnlich verspurt.

Modeskitouren sind deswegen so beliebt, weil alles passt: einfache Erreichbarkeit, tolles Skigelände, nettes Gasthaus und super Landschaft. Man befindet sich zwar im freien Gelände mit allen alpinen Gefahren, durch das permanente Befahren sinkt allerdings die Lawinengefahr – wenn man in diesem verspurten Korridor bleibt. Auch andere Notsituationen sind weniger prekär, wenn genug andere Menschen in der Nähe sind. Vor allem Einsteiger und Genussgeher fühlen sich hier wohl und schlechtere Skifahrer haben den Vorteil, dass sie oft pistenähnliche Verhältnisse finden.

Modeskitouren sind aber auch ideal um Erfahrung zu sammeln und ein „Gespür“ für den Schnee und das Gelände zu entwickeln.

Modeskitouren
Foto: argonaut.pro
Modeskitouren werden vor allem an Wochenenden gerne begangen, weil sie einfach toll sind

4. Klassische Skitour

Der eigenverantwortliche Skitourengeher wünscht sich mit seinen Freunden alleine unterwegs zu sein. Im Idealfall gibt es auch noch keine Aufstiegsspur, sodass man seine Visitenkarte in den Schnee zeichnen kann. Jeder Geländeabschnitt muss neu bewertet und die Aufstieges- und Abfahrtsspur dem Gelände optimal angepasst werden. Vor allem bei Gefahrenstufe 3 eine spannende Sache, bei der Umdrehen bzw. der Verzicht auf den Gipfelhang nichts Ungewöhnliches ist. Solche Touren unternimmt man am besten nur mit Gruppen deren Teilnehmer man kennt und auf die man sich zu 100 % verlassen kann.

Auch der Kontakt zu anderen Gruppen, die am selben Berg unterwegs sind, wird intensiver sein: es gehört zum guten Ton, sich auszutauschen und sich beim Spuren und bei Problemen zu helfen. Hier kann jeder zeigen was er kann und wie gut er mit dem Gelände und den Verhältnissen umgehen kann. Bei tollen Bedingungen und mit den richtigen Menschen unterwegs gibt es nichts Besseres ...

Klassische Skitour
Foto: argonaut.pro
Klassische Skitour – Neuschnee, unverspurt, tolle Freunde, was will man mehr?

5. Skibergsteigen

Der komplette Alpinist sucht sich im Winter einen Gipfel aus, den er mit Hilfe der Ski besteigt. Oft werden diese vor einem Felsgrat zurückgelassen oder am Rucksack getragen, manchmal muss mit dem Seil gesichert oder abgeseilt werden, steile Abfahrten in schwierigem Gelände gehören dazu. Solche Skibesteigungen von anspruchsvollen Gipfeln haben eine lange Tradition und fordern oft den kompletten Bergsteiger. In den letzten Jahren hat diese Spielart wieder mehr Anhänger gefunden.

Skibergsteigen
Foto: argonaut.pro
Skibergsteigen verlangt oft den fertigen Alpinisten, die Ski dienen als Hilfe bei Zustieg und Abfahrt

6. Skihochtour

Die Berge werden höher und man bewegt sich in Aufstieg und Abfahrt auf Gletschern. Durch die dadurch vorhanden Gefahr eines Spaltensturzes braucht es eine entsprechende zusätzliche Ausrüstung (Seil, Gurt, Eispickel, ...) und das Können, damit auch umzugehen. Vor allem im Frühjahr werden die entsprechenden Touren unternommen, wobei es die tagezeitliche Erwärmung zu berücksichtigen gilt, was bedeutet: Früh aufstehen um bei bestem Firn hinunter zu wedeln!

Skihochtour
Foto: argonaut.pro
Skihochtouren spielen sich im vergletscherten Hochgebirge ab

7. Skidurchquerung

Die Königsdisziplin und Saisonhöhepunkt vieler Skitourengeher: Eine tolle mehrtägige Durchquerung von Hütte zu Hütte, oft im vergletscherten Hochgebirge, idealerweise mit einigen prominenten Gipfelbesteigungen. Neben der entsprechenden (Seil-)technischen Ausrüstung wird der Rucksack auch etwas schwerer, weil Bekleidung usw. für mehrere Tage und für verschiedenste Wetterverhältnisse mitgenommen werden muss.

In den Ost- und Westalpen gibt es viele bekannte klassische Durchquerungen die man „gemacht haben muss“, wie z.B. die Haute Route von Chamonix nach Zermatt oder die Ötztaler Runde. Daneben kreieren Bergführer und findige Tourengeher immer wieder neue lohnende Runden. Diese Unternehmungen steigen und fallen mit den Wetterverhältnissen und den Gruppenmitgliedern.

Skidurchquerung
Foto: argonaut.pro
Skidurchquerungen, hier in den Berner Alpen, sind die Königsdisziplin des Skitourengehens

Aber was ist jetzt mit dem Freeriden? Was soll damit sein, Freeriden kann man überall. Okay, auf der Piste nicht – und auch nicht jeder kann Freeriden, sondern nur wer echt gut auf dem Ski steht. Freeriden bedeutet schnelles und das Gelände optimal ausnützendes Abfahren, bei dem die Bewegungsmöglichkeiten mit dem Ski im Vordergrund stehen: lange Radien, kurze Schwünge, Sprünge usw. werden situativ verwendet. Das Freeriden kommt ganz klar vom Snowboarden, mit dem entsprechendem Material und Können ist man als Skifahrer aber auch voll mit dabei.

Freeriden
Foto: argonaut.pro
Freeriden können gute Skifahrer überall abseits der Piste

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