Ernst wandert weit, Teil 1

Steirischer Start in die Weitwander-Saison

Blog • 20. Mai 2019

Ernst Merkinger nimmt zwischen Mai und September 8 der schönsten Weitwanderwege in Österreich, Bayern und Südtirol in Angriff. Zum Auftakt geht er einen Teilabschnitt der Steirischen „Gletscher zum Wein“-Nordroute. Warum ihm das trotz einiger Regentage viel Freude bereitet, lest ihr hier.

Ernst Merkinger wandert weit
Foto: Ernst Merkinger
Traumausblick vom steirischen Schloss Kapfenstein

Ich verzeichne Tag 4 von 7 meines Teilabschnitts der „Gletscher zum Wein“-Nordroute von Bad Waltersdorf nach Bad Radkersburg und es ist tatsächlich der erste regenfreie Tag im Steirischen Thermen- und Vulkanland. Dem perfekten Thermenwetter zum Trotz bereitet es mir wieder enorme Freude am Weg zu sein und meinen kreativen Geist erst recht. Bereits beim Reinschlüpfen in meine Wanderschuhe kommen mir kreative GEHdanken in den Sinn, die mir eben nur beim Wandern einen Besuch abstatten. In der frischen Waldluft und der sanft hügeligen Landschaft der „steiermärkischen Toskana“ kehrt in mir langsam, aber sicher wieder eine innere Ruhe ein, die ich nur hier, in der Natur, in dieser Qualität finde.

Der 2. Etappentag nimmt in Unterlamm sein Ende

Doch nicht nur dieses zur Ruhe kommen ist es, das mir in der Gegend zusagt, sondern auch das entspannte, „gmiatliche“ Gemüt der Steirer und vor allem deren Geselligkeit, die sie in den unzähligen Buschenschänken zu zelebrieren wissen. An jeder Ecke gibt´s mindestens einen Heurigen, der einem die Möglichkeit gibt ein Glaserl Burgunder vom Weinbauern Kappl aus Fehring oder ein Schnapserl von der Schnaps & Essigmanufaktur Gölles aus Riegersburg zu genießen bzw. sich mit Kernöl von der Berghofer Mühle anzupatzen. Und falls es wirklich mal in Strömen regnen und gar nicht mehr aufhören sollte, dann empfehle ich den Abstecher in eine Therme, die hier übrigens, ganz nach meinem Geschmack, wie die Eierschwammerl aus dem Boden schießen – von der Therme Bad Waltersdorf, dem Spa Ressort Styria, der Hundertwasser Therme Bad Blumau bis hin zur Mutter aller Thermen – der Therme Loipersdorf. Am liebsten würde ich meinem Traumjob als „Hotel-Tester“ nachgehen und jede einzelne Sauna auf Herz und Nieren und Schweißdrüsen prüfen… aber ich bin ja leider nicht aus Jux und Tollerei hier, sondern um zu wandern! Korrigiere: Um kurz zu wandern!

Ein zünftiges Jauserl beim Buschenschank Bernhart in Riegersburg

Thermen-Paradies

Wussten Sie, dass die Therme Loipersorf bereits seit über 40 Jahren besteht? Ich auch nicht. Und dass kurioserweise Dank eines Zufalls. Denn eigentlich war man im Juni 1972 mit Tiefbohrungen beschäftigt, mit der Absicht in Form von Erdöl und Erdgas das große Geld zu machen. Am 10. Juli stieß man zur großen Enttäuschung vieler nicht auf schwarzes Gold, sondern auf warmes Thermalwasser! Als Naturliebhaber, Sauna-Freak und „Genuss- Weitwanderer“ ist mir dies natürlich umso mehr recht.

Mit einem werde ich mich im Thermen- & Vulkanland übrigens nie anfreunden können – mit dem „steirischen Gold“, dem Kürbiskernöl. Nein, keinesfalls wegen des Geschmacks, sondern wegen der unumgänglichen Herumpatzerei. So sehr man sich in 7 Tagen bemüht, sich eine saubere Weste zu bewahren, wird man gewiss mindestens einmal – vor allem nach einer anstrengenderen Tagestour – scheitern. Bei mir war dies bereits am zweiten Tag der Fall. Doch ein Glückspilz wie ich war und immer noch bin, hatte ich meine nigelnagelneue Regenjacke an, die demensprechend stark genug imprägniert war und somit keine nachhaltigen Spuren hinterließ.

Weinkeller sind im Steirischen Vulkanland allgegenwärtig

Das Weitwanderabenteuer geht weiter

Zusammenfassend kann ich sagen, dass diese Wanderung für mich als alten Buschenschankfreund, Thermenfan und Genussspecht als Auftakt für meine weiteren Weitwanderwege (die definitiv alpinerer Natur sein werden) genau das Richtige ist. Böse Zungen mögen behaupten, dass das Thermen- und Vulkanland eher was für dahinbummelnde Weinliebhaber, als für echte Weitwanderer ist. Tatsächlich kann man sich hier auch mal ein zweites Glaserl genehmigen, schließlich schwitzt man den Alkohol beim Wandern bzw. spätestens in der Sauna bei einem Themenaufguss eh raus… Und wenn schon. Dieser Weg ist nicht zum Hetzen, sondern zum Genießen da und er bietet einem eine wunderbare Vielzahl an Angeboten für Körper, Geist und die Weitwanderseele.

Ernst Merkinger wird von Jack Wolfskin ausgestattet.

Noch mehr Eindrücke vom ersten Weitwanderweg findet ihr auf Ernsts persönlichem Blog ernstjetzt.com.

Der Weitwanderweg im Detail:

Weitwanderweg „Vom Gletscher zum Wein“
Der Weitwanderweg „Vom Gletscher zum Wein“ führt in seiner Gesamtheit vom Dachsteinmassiv bis ins Thermen- und Vulkanland der Südsteiermark. Dabei werden die wunderschönen Gebirgsregionen der Obersteiermark ebenso durchwandert, wie die Wein-, Obst- und Kürbisregion mit ihren zahlreichen Burgen im Süden. Wir stellen euch hier die Etappen durch das Thermen- und Vulkanland vor. 

Alle 8 Weitwanderwege findest du hier:

Foto: Manuel Gruber
Ernst Merkinger (28) hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht und wandert als „digitaler Pilger“ durch die Welt: etwa 3.400 km von Wien über den Jakobsweg nach Marrakesch oder 750 km über den Alpe-Adria-Trail – vom Fuße des Großglockners bis ans Meer. Sein neues Abenteuer führte ihn von Mai bis September 2019 über acht der schönsten Weitwanderwege im Alpenraum. Was er unterwegs erlebt hat, könnt ihr hier nachlesen.

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Ernst Merkinger (28) ist von Wien nach Marrakesch und den Alpe-Adria-Trail gegangen. In wenigen Tagen macht er sich zu einem neuen Abenteuer auf: Er wird 8 der schönsten Weitwanderwege im Alpenraum absolvieren und uns regelmäßig davon berichten. Wir haben mit ihm über Gott und die Welt, Blasenpflaster und die Faszination des Gehens gesprochen.
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