Sicherheitscheck

Seilschaftsablauf II: Standplatz und Nachstieg

Wissenswertes • 14. Juni 2018
von Peter Plattner

Die Klettersaison im Freien ist eröffnet! Zeit für die ersten Mehrseillängentouren. Um Missverständnisse zu vermeiden, haben sich klare Seilkommandos mit dazugehörigen Abläufen bewährt. Die Sicherheitsexperten Peter Plattner und Walter Würtl erläutern sie uns. Teil 2 der zweiteiligen Serie: Standplatz und Nachstieg.

Mehrseillängentouren: Seilkommando „Stand!“
Foto: argonaut.pro
Mehrseillängentouren: Das Seilkommando „Stand!“ signalisiert dem Nachsteiger, dass er die Partner-(Vorsteiger)-Sicherung aushängen kann

1. Standplatz – „Stand“

Aus der Perspektive des Vorsteigers:

  • Der Vorsteiger sucht sich einen guten Standplatz.
  • Er baut einen 100% sicheren Standplatz (Haken/mobile Fixpunkte) und
  • überlegt, wo der Nachsteiger stehen bleiben kann beziehungsweise wo weitergeklettert wird.
  • Der Vorsteiger hängt die Selbstsicherung ein und
  • gibt das Seilkommando „Stand!“ – entweder durch Rufen oder Handzeichen.

Aus der Perspektive des Nachsteigers:

  • Der Nachsteiger sichert konzentriert.
  • Er hängt beim Seilkommando „Stand!“ die Partnersicherung aus und
  • beginnt unter Umständen den Standplatz abzubauen.

2. Standplatz – „Nachkommen!“

Aus der Perspektive des Vorsteigers:

  • Der Vorsteiger zieht das Seil ein und versorgt es sauber, heißt: er achtet darauf, dass kein Seilsalat entsteht.
  • Er hängt die Partnersicherung ein und
  • gibt das Seilkommando „Nachkommen!“
  • Er wartet bis das Seil wieder locker wird – das signalisiert ihm, dass der Nachsteiger zu klettern begonnen hat – und sichert konzentriert.

Aus der Perspektive des Nachsteigers:

  • Der Nachsteiger hängt die Selbstsicherung beim Seilkommando „Nachkommen!“ aus und baut den Standplatz ab.
  • Er wartet bis das Seil gespannt ist und beginnt zu klettern.
Mehrseillängentouren: Kommando „Nachkommen!“
Foto: argonaut.pro
Mehrseillängentouren: Das Seilkommando „Nachkommen!“ signalisiert dem Nachsteiger, dass er zu klettern beginnen kann

3. Nachstieg

Aus der Perspektive des Vorsteigers:

  • Der Vorsteiger sichert konzentriert und
  • versorgt das Seil sauber (auf Ebene oder um den Fuß).
  • Er unterstützt gegebenenfalls den Nachsteiger und
  • prüft den weiteren Routenverlauf.

Aus der Perspektive des Nachsteigers:

  • Der Nachsteiger hängt die Zwischensicherungen aus und baut etwaig vorhandene mobile Fixpunkte ab.
Mehrseillängentouren: Nachstieg
Foto: argonaut.pro
Mehrseillängentouren: Alle Zwischensicherungen werdem vom Nachsteiger abgebaut

4.1 Standplatz-Regie bei Wechselführung („überschlagend klettern“)

Steigt derselbe Vorsteiger auch die nächste Seillänge wieder vor, spricht man von der „Raupentechnik“, wechseln sich die Kletterer mit dem Vorstieg ab, spricht man von der „Wechselführung“ beziehungsweise vom „überschlagenden Klettern“.

Aus der Perspektive des Vorsteigers:

  • Der Vorsteiger teilt dem Nachsteiger mit, wo sich dieser am besten hinstellen kann beziehungsweise wie der weitere Routenverlauf aussieht.
  • Er übergibt nunmehr überflüssiges Material und wechselt unter Umständen die Partnersicherungstechnik.
  • Er sichert sauber und spornt den neuen Vorsteiger an.

Aus der Perspektive des Nachsteigers:

  • Der Nachsteiger stellt sich gut und sicher hin,
  • übernimmt das Material des Vorsteigers und organisiert es am Gurt.
  • Er sieht sich den weiteren Routenverlauf an und
  • freut sich aufs Vorsteigen der kommenden Seillänge.
Mehrseillängentouren: Standplatz-Regie bei Wechselführung
Foto: argonaut.pro
Mehrseillängentouren: Standplatz-Regie bei Wechselführung

4.2 Standplatz-Regie bei Raupentechnik

Aus der Perspektive des Vorsteigers:

  • Der Vorsteiger teilt dem Nachsteiger mit, wo sich dieser am besten hinstellen kann und wo er seine Selbstsicherung einhängen soll.
  • Er hängt seine Partnersicherung aus und
  • übergibt das Seil.
  • Er organisiert das Material vom Nachsteiger sauber am Gurt und
  • prüft, ob er gesichert ist.
  • Er freut sich auf die nächste Seillänge.

Aus der Perspektive des Nachsteigers:

  • Der Nachsteiger hängt seine Selbstsicherung ein.
  • Er übernimmt das Seil und
  • übergibt das Material an den Vorsteiger.
  • Er sichert den Vorsteiger aufmerksam.
Mehrseillängentouren: Standplatz
Foto: argonaut.pro
Mehrseillängentouren: Zum sicheren Standplatz gehören eine saubere Sicherungstechnik, ein eingespielter Seilschaftsablauf und eine klare Kommunikation

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