10 Empfehlungen vom dreifachen Staatsmeister

Peter Ortner: 10 heiße Tipps fürs Eisklettern

Tipps & Tricks • 10. Dezember 2015

Peter Ortner ist dreifacher Österreichischer Staatsmeister im Eisklettern. Zur Zeit plant der 32-jährige Lienzer mit seinen Seilpartnern David Lama und Hansjörg Auer die Durchsteigung der 3500 m hohen Masherbrum-Nordostwand im Karakorum. Hier verrät er, was du beachten solltest, wenn du mit dem Eisklettern beginnen möchtest.

von Simon Schreyer
 

Peter Ortner Eisklettern
Foto: Martin Lugger
Peter Ortner Eisklettern

1. Am Anfang viel Top-Rope gehen und dort die Grenzen austesten: Wie tief muss ich das Beil ins Eis schlagen, damit es hält? Wenn man sich im Top-Rope einigermaßen gefestigt hat, kann man danach im Vorstieg sicherer klettern.
 
2. Genau hinhören lernen, wie das Eis klingt: Ist es hohl, spröde oder fest? Eis ist schwer einzuschätzen – auch für mich, obwohl ich schon ein paar Jahre Erfahrung habe. Weil ein Wasserfall gestern super zum Klettern gegangen ist, muss das nicht unbedingt auch für heute gelten, wo es fünf Grad kälter ist und der Wind über Nacht sehr stark war.
 
3. Beim Materialkauf drauf achten, ein gut imprägniertes Seil auszusuchen, weil es sonst vereisen kann, und dann sehr schwer zu handhaben ist, im Auf- wie im Abstieg.
 
4. Steigeisen zuerst einmal von Bekannten ausleihen und verschiedene Modelle im Fachhandel ausprobieren, um zu sehen was man für seine Bedürfnisse genau braucht, und um einen Fehlkauf zu vermeiden, der dann nur jahrelang herumliegt.
 
5. Beile sind mittlerweile qualitativ sehr ausgereift, ziehen gut und gehen auch wieder relativ leicht aus dem Eis heraus. Es macht auch einen Unterschied, ob man ein reines Eisbeil braucht oder eher im Mixed-Gelände unterwegs ist. Mixed-Beile kippen manchmal ganz gerne und der Einschlagswinkel passt manchmal nicht so genau. Grundsätzlich gilt: Je schwerer ein Beil ist, um so wuchtiger kann es ins Eis geschlagen werden. Dazu sollte man aber den Schlag gut beherrschen, um wieder das gleiche Loch zu treffen.

Peter Ortner Eisklettern
Foto: Martin Lugger
Peter Ortner Eisklettern

6. Sollte es passieren, dass der Pickel nicht mehr aus dem Eis gezogen werden kann, nimmt man ihn am Kopf und rüttelt ein bisschen. Falls das nichts bringt, eine Eisschraube einsetzen, sich ins Seil setzen und dann den Pickel mit Gefühl befreien. Beim Setzen der Schraube, das Seil ins andere Beil hängen, um einen möglichen Sturz während des Schraubens abzufangen. Hierfür haben Beile am Schaft eine Öse, in die man eine Express-Schlinge, und darin das Seil, einhängen kann.
 
7. Stürze ins Seil sind generell zu vermeiden, denn wenn man mit Steigeisen fällt, kann es sehr leicht geschehen, dass man sich beim Aufschlagen ein Sprunggelenk oder etwas anderes Gröberes kaputtmacht.
 
8. Beim Sichern und Nachsichern ist es das beste, den Stand außerhalb der Linie zu bauen. Vom Vorsteiger werden immer wieder größere Eisstücke losgelöst – der Sichernde sollte klarerweise stets außerhalb deren Reichweite bleiben! Als Nachsteigender hat man dieses Problem eigentlich nicht, da ja der Vorsteiger im Stand steht.
 
9. Nie unter einer anderen Seilschaft ins Eis einsteigen, aus dem gleichen Grund wie bei Punkt 8. Lieber eine Linie daneben aussuchen oder gleich einen anderen Wasserfall.
 
10. Beim Klettern von großen Eispilzen sollte man eher aus dem Handgelenk schlagen und weniger aus dem Oberarm. Aber solche Finessen kommen von allein, wenn du dich lang genug im Eis aufhältst. 


Wie bildet sich eigentlich ein Eiswasserfall? Hier erfährst du es.

Ein ausführliches Interview mit Peter Ortner findest du hier.

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