Seil- und Sicherungstechnik

Knotenkunde: 6 Tipps für den richtigen Knoten

Wissenswertes • 20. Mai 2020
von Peter Plattner

Egal ob beim Sportklettern oder bei der Hochtour: Sobald ein Seil im Spiel ist, müssen wir Knoten beherrschen – eigentlich ja schon beim Schuhebinden. Die Sicherheitsexperten Peter Plattner und Walter Würtl verraten in ihrer Serie, worauf es ankommt.

Achterknoten: falsch und richtig

Knoten gibt es seit Urzeiten. Wurden anfangs zusammengedrehte Pflanzenfasern für den Bau von Werkzeugen verwendet, erreichte die Knotenkunde ihren Höhepunkt zu Zeiten der großen Segelschiffe. So überrascht es nicht, dass fast alle Knoten aus der Seefahrt stammen. Dort sind sie teilweise unter anderen Namen bekannt, zum Beispiel als Webeleinstek (Mastwurf) oder Kuhstek (Ankerstich). Das Standardwerk zu diesem Thema ist das Ashley-Buch der Knoten. Es wurde 1944 vom Seemann und Zeichner Clifford Ashley veröffentlicht, ist über 600 Seiten dick und zeigt über 2.000 verschiedene Knoten.

Es gibt also für jeden Zweck zweifelsohne den perfekten Knoten. Die Seil- und Sicherungstechnik fürs Bergsteigen ist ziemlich einfach, sodass man mit maximal 10 Knoten locker auskommt. Diese sollten dafür aber blind beherrscht und in jeder Situation schnell und richtig angewendet werden können. Denn: Knoten sind wie die Visitenkarte eines Bergsteigers. Nicht umsonst kennt jeder Alpinist den Spruch: „Zeig mir deinen Knoten und ich sage dir, wer du bist.“ (Aleister Crowley zu Guy Knowles, 1902 am K2).

Folgende allgemeine Tipps sollten bei jedem Knoten – egal in welcher Anwendung – beachtet werden:

1. Der richtige Knoten für die entsprechende Anforderung

Knotenkunde: Ankerstich
Foto: argonaut.pro
Knotenkunde: Der Ankerstich ist ideal, um das Klettersteig-Set mit dem Hüftgurt zu verbinden

Jeder Knoten hat seine Vor- und Nachteile und dementsprechend seinen individuellen Anwendungsbereich. Im Bergsport begnügen wir uns ohnehin mit sehr wenigen Knoten und so sollte es jedem gelingen, den jeweils richtigen zu erwischen. Zum Beispiel empfiehlt sich für das Anseilen grundsätzlich der Achterknoten. Natürlich könnte man sich auch mit einem Sackstich oder Bulinknoten anseilen, wofür es sogar ganz gute Argumente gibt, insgesamt aber überwiegen die Nachteile. Deshalb sollten Einsteiger und Gelegenheitskletterer beim Achterknoten bleiben. Tatsächlich verwenden auch die meisten Experten diese „einfachen“ Knoten – ganz einfach weil er gut ist.

Übrigens: Wenn man den richtigen Knoten verwendet, muss er auch nicht mit einem weiteren Knoten abgesichert werden. Sollte dies nämlich tatsächlich der Fall sein, wurde der falsche Knoten gewählt!

Eine Übersicht der wichtigsten Knoten findest du hier:

Knotenkunde: Achterknoten
Seil- und Sicherungstechnik

Knotenkunde: Die wichtigsten 6 Knoten

Knoten gibt es viele, als Bergsteiger aber braucht man nur wenige davon zu kennen. Tatsächlich sind es 6 grundlegende Knoten, die für den Bergsport ausreichen. Die Sicherheitsexperten Walter Würtl und Peter Plattner stellen sie uns anhand von kurzen Videos vor.

2. Nur Knoten verwenden, die man auch beherrscht

Knotenkunde: Prusikknoten
Foto: argonaut.pro
Knotenkunde: Der Prusikknoten ist ein altbewährter, universeller Klemmknoten

Blöderweise passiert es immer wieder, dass Knoten zur Verwendung kommen, die nicht einwandfrei beherrscht werden. Nur weil ein Knopf so ähnlich aussieht wie der gewünschte Knoten, heißt das noch lange nicht, dass er auch so funktioniert. Insbesondere die verschiedenen Klemmknoten haben hier großes Potential vermischt und verwechselt zu werden – was schließlich zu Fehlfunktionen führt.

3. Knoten sauber schürzen

Knoten sollten nicht verdreht sein – und zwar: kein bisschen verdreht! Das betrifft in erster Linie den Achterknoten beim Anseilen. Alle Stränge müssen parallel laufen. Verdrehte Knoten halten zwar nicht zwangsläufig weniger gut, bei Belastung ziehen sie sich allerdings oftmals derart ungünstig zu, dass sie kaum mehr gelöst werden können. Auch lassen sich verdrehte Knoten beim Partnercheck nicht so leicht kontrollieren, denn ihr Knotenbild entspricht nicht dem „gewohnten“ Anblick.

Außerdem: Sauber gemachte Knoten sehen einfach schöner aus und sind Zeichen einer professionellen Arbeitsweise. Oder hat jemand schon einmal einen Bergführer mit verwurschteltem Knoten gesehen?

4. Knoten gut festziehen

Knotenkunde: Sackstich und Mastwurf
Foto: argonaut.pro
Knotenkunde: Sackstich (links) und Mastwurf (rechts im Karabiner)

Damit sich der Knoten nicht von selbst lockert oder löst, ist es wichtig ihn ordentlich festzuziehen. Locker geknüpfte Knoten sind eine echte Gefahrenquelle und dürfen nicht akzeptiert werden. Damit dieses „Knoten-Festziehen“ auch weniger kräftigen Personen gelingt, müssen die Stränge einzeln angezogen werden. Und solcher Stränge gibt es vier!

5. Die Längen der Seilenden

Bei starken Belastungen ziehen sich Knoten nicht nur fest, sondern wandern immer auch ein Stück nach außen. Ein entsprechend langes Seilende hinterm Knoten erfüllt daher eine wichtige Funktion. Insbesondere beim Sackstich ist das unbedingt zu beachten.

Ein anderes Problem sind aber auch zu lange Seilenden. Zunächst einmal sehen sie hässlich aus, sie können aber auch behindern und dazu verleiten, das falsche (aus dem Seilverbindungsknoten herausstehende) Seil zu verwenden – beispielsweise beim Abseilen.

Als Anhaltspunkt für die Länge der Seilenden gilt ein circa 10-facher Seildurchmesser. Das heißt: Beim Anseilen sollte das Seilende circa 10 cm (oder eine Handbreite) lang sein. Die einzige Ausnahme stellt der Sackstich dar: Wird er als Verbindungsknoten beim Abseilen verwendet, sollten die Seilenden 30-40 cm überstehen.

6. Das passende Auge

Knotenkunde: Achterknoten
Foto: argonaut.pro
Knotenkunde: Der Achter als Anseilknoten – das typische Knotenbild ist sofort erkennbar und kontrollierbar

Das Auge, also die Öffnung eines Knotens, wird oft und gern zu groß gewählt. Als Konsequenz baumelt der Knoten dann irgendwo in der Gegend herum. Das ist lästig und stört, verleitet aber auch zu Fehlanwendungen. Deswegen sollte das Auge so klein als möglich gehalten werden.


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