Familienausflug

Im Reich der Rinder: Zu Gast auf der Teichalm im steirischen Almenland

Blog • 11. September 2017

Familie Schön aus Oberbayern – bestehend aus Eltern (Kathy und Peter), Kleinkind (Nora) und Baby (Jakob) – war unterwegs in der Steiermark und durfte die Teichalm sowie die dortige Almviehhaltung kennen lernen. Hier berichten sie von ihren Erfahrungen.

Teichalm Rinderzucht Wandern
Foto: Michael Reidinger
Familie Schön zu Gast auf der Teichalm

Nachdem wir vor 2 Wochen auf der Alpe Nova im Montafon bereits die eine Seite der Rinderhaltung, nämlich die Milch-, Käse-, und Butterproduktion hautnah erleben durften, ging es bei unserem erneuten Ausflug auf die Alm um den anderen Aspekt der Rinderzucht: die Fleischproduktion. Genau genommen um die Erzeugung des ALMOs, des regionalen Leitproduktes der Region Teichalm in der Steiermark.

Unsere Base

Genächtigt haben wir bei der Familie Vorauer im Hotel Teichwirt - ganz romantisch auf 1.200m im Naturpark Almenland, direkt am Teichalmsee gelegen. Das Hotel verfügt nicht nur über einen hervorragenden Almgasthof, in dem man unter anderem die regionalen ALMO-Spezialitäten genießen kann, sondern auch über eine hauseigene Konditorei mit allerlei Köstlichkeiten. Ein weiteres Highlight ist das Teich-Spa – eigentlich der „place to be“ bei dem Wetter, mit dem uns die Teichalm am ersten Septemberwochenende empfangen hat: keine 10 Grad, Nebel, Nieselregen. Mit zwei Kleinkindern im Gepäck und einem straffen Terminplan war uns ein Aufenthalt dort allerdings leider nicht gegönnt.

Teichalm Rinderzucht Wandern
Foto: Michael Reidinger
Familienausflug im Steirischen Almenland

Rinderzucht in der Region Teichalm - Sommeralm

Nach einem zünftigen Mittagessen im Gasthof Teichwirt war unser erster Programmpunkt ein Treffen mit Rudolf Grabner von der Landeskammer für Land- und Forstwirtschaft und mit dem Almbauern Ernst Hofer. Am warmen Kachelofen der urigen Stoakogl-Hütte haben wir so einiges über die Rinderzucht in der Region Teichalm – Sommeralm erfahren, mit ca. 4.000 ha übrigens das größte zusammenhängende Almgebiet Mitteleuropas. Ungefähr 3.500 Rinder verbringen hier den Sommer. Und jedes davon frisst pro Tag ungefähr 100 kg Gras und Kräuter! Das Futter auf der Alm ist äußerst vielseitig, aber eher energiearm. Qualitätsrindfleisch kann deshalb nicht ausschließlich mit Almfutter erzeugt werden, sondern die Tiere bekommen nach ihrem Sommer auf der Alm im Stall im Tal noch eine ordentliche Ladung energiereiches Futter wie Heu oder Grassilage. Das Fleisch von Ochsen und Kalbinnen unterscheidet sich übrigens von Jungstierfleisch, was man in der Regel bekommt, wenn man Rindfleisch kauft. Durch das Fett, das sie in den Muskeln einlagern, die sogenannte Marmorierung, ist das Fleisch besonders geschmackvoll und zart. Dass Ochsen Rinder sind, bei denen ein gewisses Körperteil fehlt, wussten wir davor auch schon. Kälber ist auch klar, aber Moment mal, was sind eigentlich Kalbinnen? Das wissen wir jetzt auch: nämlich erwachsene weibliche Rinder, die noch nicht gekalbt haben. Stiere gibt’s auf der Alm übrigens nicht. Da Stiere besonders schnell wachsen und viel Muskelmasse aufbauen, wäre das energiearme Almfutter für sie nicht ausreichend. Aber noch wesentlicher ist, dass Stiere unkontrolliert die Kühe und Jungkalbinnen besteigen würden. Und solche Orgien sind auf der Alm nicht erwünscht.

 

Auf der urigen Stoakogl-Hütte

Das Wandergebiet Teichalm – Sommeralm

Im Anschluss an den theoretischen Part sind wir in Begleitung von Rudolf Grabner losgezogen, um zum Plankogl zu wandern. Das mit dem PKW leicht zugängliche Gebiet Teichalm – Sommeralm bietet eine große Auswahl an Wanderwegen für alle Könnerstufen und verfügt über unzählige Hütten, die die Wanderungen über die sanft geschwungenen Almen auch zu kulinarischen Erlebnissen machen.

Die Wanderung zum Plankogl zählt zu den schönsten Rundwanderwegen im Almenland. Trotz schlechtem Wetter war Nora voll motiviert und ist mit ihren noch nicht mal 3 Jahren fast bis zum Gipfel alleine gelaufen. Auf dem Weg dorthin hat uns Rudolf Grabner über die unterschiedlichen Rinderrassen aufgeklärt. Von den über 30 Rinderrassen, die es in Österreich gibt, sind in etwa 10 auf der Teichalm heimisch. Zusätzlich wurden auch noch andere Rassen wie das Schottische Hochlandrind und das Wagyu-Rind eingeführt. Vertretern der ein oder anderen Rasse sind wir auf unserer Wanderung auch begegnet. Hier kam dann von uns auch die Frage auf, wie man sich am besten verhält, wenn man von einem Rind angegriffen wird. Man hört ja in letzter Zeit immer öfter von Angriffen auf Wanderer und gerade, wenn man mit Kindern unterwegs ist, begleitet einen doch immer ein recht mulmiges Gefühl, wenn man an einer Herde von Rindern vorbei muss.

Von daher sind wir sehr dankbar für Rudolf Grabners Tipps:

  • Beim Betreten der Alm einen Überblick über die Arten der Rinder verschaffen (am gefährlichsten: Mutterkühe mit Kälbern) und Fluchtmöglichkeiten ausloten.
  • Tiere nicht anlocken und zügig und rasch durch die Weide gehen.
  • Wenn man einen Hund dabei hat, diesen am besten vor den Rindern verbergen. Wenn Rinder und Hunde aufeinander losgehen, den Hund von der Leine lassen, wenn man sich und den Hund nicht anderweitig in Sicherheit bringen kann.
  • Wenn keine Fluchtmöglichkeit besteht: sich groß machen und dabei bewegen. Gegebenenfalls das Rind mit einem Stock kräftig oberhalb der Nase schlagen.

Vom Gipfel aus hat man wohl einen fantastischen Rundumblick auf die Berge der Obersteiermark, Kärntens, Sloweniens und Niederösterreichs – der immer dichter werdende Nebel ließ uns diesen allerdings nur erahnen. Das andere Highlight, eines der höchstgelegenen Windräder Europas, konnten wir aber mit eigenen Augen sehen.

Unterwegs mit Rudi Grabner

Das Leben auf der Alm

Da das Wetter leider auch am nächsten Tag nicht besser war, fiel unsere Wanderung deutlich kürzer aus als geplant. Statt zur Bründlalm zu wandern, sind wir nur von der Sommeralm zu einer kleinen Hütte gelaufen, die den Almbauern und Almhütern zum Brotzeitmachen dient und als Schutz vor allzu ungemütlichem Wetter. Hier haben wir Hans Pessl, den Obmann des ALMO-Vereins getroffen, der uns einiges über das Leben auf der Alm erzählt hat.

Neben privaten Almen, bei denen der Landwirt täglich selbst nach den Tieren schaut, gibt es im Teichalm-Gebiet eine Reihe von Gemeinschaftsalmen, die von einem Almhüter betreut werden, der den Sommer über auf der Alm ist. Den Großteil des Tages verbringt er damit, bei jedem einzelnen Tier vorbeizuschauen und Tiere, die sich verlaufen haben, wieder zurückzuholen. Während ein Bauer seine Rinder ähnlich wie eine Mutter ihr Kind schon von weitem erkennt, orientiert sich ein Almhüter vor allem an den gelben Ohrmarken mit individuellen Nummern, von denen jedes Rind gleich zwei hat, für den Fall, dass mal eine verloren geht. Der Almsommer geht übrigens ungefähr von Anfang Juni bis Mitte September. Während der Almauf und –abtrieb in anderen Almgebieten groß zelebriert wird, erfolgt der Transport der Rinder im Teichalmgebiet ganz unspektakulär mit LKWs, was primär damit zusammenhängt, dass die Rinder aus den unterschiedlichsten, teils weiter entfernten Orten kommen.

 

Unterwegs auf der Teichalm

Der Praxistest

Nachdem wir so viel über die Rinderhaltung im Teichalmgebiet erfahren haben, ließen wir es uns dann natürlich nicht nehmen, vor unserer Heimfahrt im Gasthof Teichwirt noch das berühmte „Styria Beef“ zu probieren, die Premium-Rindfleischmarke der steirischen Biobauern. Es hat nicht nur uns vorzüglich geschmeckt, sondern auch unseren Kindern, die normalerweise bei Fleisch recht heikel sind.

Fazit

Wer hochalpines Wanderflair erwartet, wird von der Region Teichalm-Sommeralm eher enttäuscht sein. Die hügelige Almlandschaft hat aber durchaus auch ihren Reiz und vor allem Familien bietet die Region einige abwechslungsreiche Freizeitaktivitäten.

Darüber, dass wir dieses Mal bei der eigentlichen Produktion nicht hautnah mit dabei waren, waren wir im Hinblick auf die noch recht zarten Seelen unserer Kinder eigentlich ganz froh. Und obwohl wir beide auf dem Land inmitten von Kühen groß geworden sind, haben wir an diesem Wochenende einiges über Rinder erfahren, das wir bisher noch nicht wussten.

Auch unsere Kinder scheint unser erneuter Aufenthalt auf der Alm geprägt zu haben, war doch Jakobs drittes Wort nach „Papa“ und „Mama“ nun „Kühe“.


Almwirtschaft in der Region Teichalm

  • In Österreich ist es üblich, das Jungvieh in den Sommermonaten auf der Alm zu halten wodurch die Vitalität der Tiere gestärkt wird und das Fleisch besonders aromatisch schmeckt.
  • Styria Beef: Darunter versteht man Fleisch von Jungrindern aus der Mutterkuhhaltung, die maximal 12 Monate alt sind – es ist sehr feinfasrig zart und hat ein feinwürziges Aroma.
  • Durch die Almhaltung wird die schöne Almlandschaft geschaffen und erhalten. Ein Erholungsgebiet, das sich auch wunderbar zum Wandern eignet.

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