Historisches

Arlberg: Wer erfand das Skifahren?

Magazin • 28. November 2017

Nein, das Skifahren wurde nicht am Arlberg erfunden – damit waren die Norweger den Österreichern eine Skilänge voraus. Doch es waren Arlberger, die den neuen Sport in Schwung brachten und die Fahrtechnik revolutionierten.

Skifahren Arlberg
Foto: Stadtarchiv Bregenz
Skifahrer am Arlberg, vermutlich in den 1930er Jahren

Im Frühjahr 1895 packte Johann Müller, der Pfarrer von Warth am Arlberg, zwei Meter lange Dinger aus einer Postsendung aus. Es waren Ski – jene seltsamen Geräte, die in Skandinavien für Furore sorgten. Er hatte sie sich aus Neugierde bestellt und wollte damit im Winter leichter über die verschneiten Wege von einer Gemeinde zur nächsten kommen. Doch wie man sie benutzte, davon hatte er keine Ahnung.

121 Jahre später sind Ski untrennbar mit der Region Arlberg verbunden. Sie gehören zum Arlberg genauso wie Royals und Russen, wie der Champagner auf den Skihütten und die Raclettebrote. Oder wie die jährliche Teuerung der Tagespässe beim Skilift sowie die Empörung darüber.


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Arlberg
Der Arlberg: ein Berg, den es eigentlich gar nicht gibt und der doch als Wiege des klassischen Skisports gilt. Österreichs größtes Skigebiet ist aber auch ein bevorzugtes Ziel für Tourengeher und Freerider. Wie man das perfekte Urlaubswochenende am Arlberg verbringt liest du im neuen „Bergwelten Winterglück - Das Urlaubs-Special“. Hier die passenden Tourentipps dazu, inklusive Video!

Tourismusvermarkter bezeichnen den Arlberg heute gern als „Wiege des Skilaufs“. Selbst wenn das ein bisschen vermessen ist und Google insgesamt mehr „Wiegen des Skilaufs“ auswirft, als es vor 100 Jahren wahrscheinlich Skier und Wiegen gegeben hat, wird man tatsächlich wenige Regionen in den Ostalpen finden, die vom Wintersport so profitiert haben. Und das sehr früh.

Erste Skischaukel Österreichs

Bereits 1901 wurde hier der erste Skiclub gegründet, nur zwei Jahre später gab es die ersten Skirennen. Schon in den 1920er-Jahren konnten die Urlauber in Skischulen lernen, wie man das immer noch sehr neuartige Sportgerät benützen kann. Die ersten Skilifte wurden 1937 errichtet.


Historisches Video: Skifahren in Lech und Zürs am Arlberg


Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg ging es am Arlberg munter weiter. Mit immer mehr Liften, immer mehr Pistenkilometern, mit der ersten Quasi Skischaukel Österreichs, dem heute noch berühmten „Weißen Ring“, mit immer mehr Hotels und Gästebetten. Seit mit dieser Saison die Flexenbahn eröffnet wurde und jetzt alle Arlberggemeinden mit Liften und Pisten verbunden sind, ist die Region das größte zusammenhängende Skigebiet Österreichs.

Lech am Arlberg
Foto: Lech Zürs Tourismus
Wintersport-Mekka Lech am Arlberg

Zwölf Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften und sechs olympische Goldmedaillen wurden von Mitgliedern des Skiclubs Arlberg bisher gewonnen – von Egon Zimmermann in den 1960er- Jahren oder von Slalom-Ass Mario Matt, der 2014 olympisches Gold holte. Dass es nicht mehr wurden, liegt auch daran, dass der berühmteste Skifahrer vom Arlberg, Karl Schranz, 1972 von den Olympischen Spielen in Sapporo ausgeschlossen wurde.

Die Arlbergtechnik

Skifahren am Arlberg war immer von Ästhetik geprägt. In den 1920er-Jahren zum Beispiel war ein gewisser Hannes Schneider der Erste, der die gute Idee hatte, mit zwei kurzen Skistöcken statt einem langen Stab zu fahren. Die Schwünge wurden kürzer, man gewann deutlich mehr Körperkontrolle als bei den langen und langsamen Telemarkschwüngen der Norweger. Die Arlbergtechnik setzte sich in kürzester Zeit durch: Mit ihr waren einfach deutlich höhere Geschwindigkeiten zu erreichen – und viel mehr Spaß.


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Nicht nur die Fahrtechnik wurde am Arlberg revolutioniert: Menschen wie Anton Kästle entwickelten neue Skimodelle, Menschen wie Sepp Bildstein entwickelten neuartige Bindungen und – weil sie gerade dabei waren – gemeinsam mit Emil Doppelmayr auch neuartige Aufstiegshilfen.

Um diese Technik und die Schönheit des Fahrens, um die Suche nach dem perfekten Schwung ging es am Arlberg schon lange, eigentlich seit 1926. Damals wurde in St. Christoph, unweit des legendären Hospizes ein Zentrum für die Skilehrerausbildung gegründet – passenderweise vom Unterrichtsministerium. Seit damals werden in St. Christoph nicht nur Skilehrer ausgebildet (die sogenannten staatlich geprüften, und das ist in diesem Fall wirklich ein Qualitätsmerkmal), sondern es wird auch permanent an Stil und Methodik gefeilt.

Die Arlbergtechnik
Foto: Stadtarchiv Bregenz
Die Arlbergtechnik: kurze Schwünge, hohe Geschwindigkeit, großer Spaß

Magazin

Die komplette Retroalpin-Story über die Anfänge des Skisports in Arlberg sowie ein ausführliches Porträt der Region Arlberg samt Tourentipps findest du im Bergwelten Schweiz (Dezember/Januar 2017/18).

Bergwelten Schweiz (Dezember/Januar 2017/18)
Foto: Bergwelten
Bergwelten Schweiz (Dezember/Januar 2017/18)

Buchtipp

Sabine Dettling, Bernhard Tschofen: „Spuren. Skikultur am Arlberg“, Bertolini Verlag, Euro 34.

Cover des Buchs: „Spuren. Skikultur am Arlberg“
Foto: Bertolini Verlag
Cover des Buchs: „Spuren. Skikultur am Arlberg“

Meilensteine des Skifahrens

 

  • Um 1860: Ursprünge in Telemark

Die Region Telemark in Norwegen gilt als Ursprung des Skifahrens, wobei die Frühform eng mit dem Skispringen verbunden war. Slawische Einwanderer haben die Ski vermutlich schon im 17. Jahrhundert aus Russland nach Europa gebracht.

  • Ab 1891: Erste Skivereine

Norwegische Skier wurden importiert und Skivereine gegründet: in Deutschland 1891 in Todtnau, in der Schweiz 1893 in Glarus.

  • 1895 – 1897: Bau der Flexenstraße

Die Gemeinden Lech, Warth und Zürs am Arlberg waren bis zum Bau der Flexenstraße im Winter praktisch nicht zu erreichen.

  • 1901: Arlberg Ski Club wird gegründet

Am 3. Januar 1901 gründen 3 Freunde im Hotel Hospiz auf 1.800 m Seehöhe in St. Christoph den Ski Club Arlberg.

  • 1904: erstes Skirennen der Alpen am Arlberg

Die Strecke führte von der Ulmer Hütte über den Schindlerferner bis nach St. Anton in Tirol.

  • 1925: Skischule Lech wird gegründet

Die Skischule in Lech hatte anfangs nur 2 Skilehrer. Die Kursteilnehmer mussten zuerst zu Fuß auf den Berg steigen

  • 1936: erster Schlepplift Österreichs in Zürs, 1939 in Lech

Mit der Eröffnung des ersten Skiliftes in Zürs war Skifahren nun erstmals ohne anstrengenden Aufstieg möglich. 1939 wurde auch der erste Skilift in Lech in Betrieb genommen.


 

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