Berg-Know-How

Alpenüberquerung: Routenwahl und Vorbereitung

Wissenswertes • 8. August 2019
von Christina Geyer

Sie ist die Königin der Weitwanderwege: die Alpenüberquerung. Sich darauf vorzubereiten ist aber gar nicht so leicht. Allein schon wegen der Vielzahl an möglichen Routen. Wir verraten worauf es bei der Planung im Vorfeld ankommt.

Alpenüberquerung: Grödner Joch in Südtirol
Foto: mauritius images / imageBROKER / hwo
Das Grödner Joch (2.121 m) in Südtirol: Etappe 15 am Traumpfad von München nach Venedig

1. Wie viel Zeit habe ich?

Ehe es an die Auswahl der Route geht, gilt es ein Zeitfenster zu definieren. Wenn man erst einmal weiß, wie viele Tage man in die Alpenüberquerung investieren möchte/kann, wird man sich automatisch leichter beim Selektieren der Routen tun. Wer beispielsweise nur knapp eine Woche Zeit hat, wird nicht viele andere Möglichkeiten als das Begehen des Fernwanderwegs E5 haben.

2. Welche Route möchte ich begehen?

Nachdem man ein Zeitfenster für die Alpenüberquerung festgesetzt hat, sollte man sich mit weiteren Kriterien des Streckenverlaufs auseinandersetzen. Dazu gehört die Beantwortung folgender Fragen:

  • Wie viele Stunden möchte ich pro Tag maximal gehen?
  • Wie viele Höhenmeter traue ich mir pro Tag zu?
  • Wie viele Kilometer kann ich pro Tag gehen?

Im Rahmen der Selbstbeurteilung muss unbedingt auch ein konstanter Leistungsabfall berücksichtig werden. Nach zehn Tagen des Wanderns wird man freilich nicht mehr so fit sein wie am ersten Tag. Anhand dieser Informationen und der geplanten Zeitinvestition kann man sich nun mit den verschiedenen Routen – und ihren Spielarten (Abkürzungen, Umgehungen, ...) – beschäftigen. Eine detaillierte Übersicht der verschiedenen Varianten findet ihr hier: Alpenüberquerung.info.

3. Vorbereitung ist alles!

Die gute Nachricht: Zu kaum einer anderen Unternehmung in den Bergen gibt es ähnlich viel Literatur wie zur Alpenüberqerung. Die nicht so gute Nachricht: Diese Informationsflut muss auch erst einmal gesichtet und sinnvoll gefiltert werden. Je nach Route sollte man sich zumindest mit einem relevanten Wanderführer ausführlich auseinandersetzen, diverse Erfahrungsberichte lesen und einschlägige Portale im Internet sichten. Auch alternative Streckenabschnitte sowie mögliche Abstiege ins Tal sollten sicherheitshalber recherchiert werden.

Oberstdorf: Alpen bei Sonnenaufgang in Bayern
Foto: mauritius images / Cultura / Manuel Sulzer
Sonnenaufgang in den Alpen bei Oberstdorf in Bayern

4. Fit werden

Das Studieren von Karten und Literatur im Vorfeld einer Alpenüberquerung ist unerlässlich. Mindestens genauso wichtig ist aber auch die körperliche Vorbereitung. Es verwundert nicht weiter, dass die beste Traingsform fürs Bergsteigen das Bergsteigen ist. Im Vorfeld sollten darum unbedingt einige Touren in den Bergen unternommen werden – idealerweise schon mit genau jenem Gepäck am Rücken, das auch bei der Alpenüberquerung dabei sein wird. Auch Höhenmeter und Länge sollten bei den vorbereitenden Bergtouren an den Anspruch der Etappen angepasst werden.

5. Pack den Sack

Am Probepacken führt kein Weg vorbei. Erst einmal muss nämlich geprüft werden, ob auch alles in den Rucksack passt – und in weiterer Folge: ob man den dann auch tragen kann. Zumindest eine Bergtour sollte darum schon mit dem für die Alpenüberquerung erforderlichen Gepäck am Rücken begangen werden (siehe Punkt 4). Im Internet finden sich zahlreiche Packlisten für mehrtägige Wanderungen. Ein Tipp vorneweg: Reduziert packen! Am Berg kann jedes zusätzliche Gramm zur Behinderung werden. Die Probetour im Vorfeld wird darüber schnell Aufschluss geben.

6. Reservieren

Viele Hütten sind zur Hochsaison ausgelastet – insbesondere entlang des populären E5 geraten einige Unterkünfte schnell an ihre Belastungsgrenze, wenn unangekündigt Wanderer zur Nächtigung eintreffen. Wer mit einem sicheren Schlafplatz rechnen möchte, sollte seinen Besuch unbedingt im Vorfeld ankündigen und telefonisch ein Bett reservieren.

7. Cool bleiben

So wichtig eine gute Vorbereitung und intensive Auseinandersetzung mit Routenverlauf, Nächtigungsmöglichkeiten und Fitnessprogramm auch sein mögen: Unternehmungen am Berge lassen sich – zum Glück – nicht exakt durchplanen. Es ist hilfreich, sich auf alle Eventualitäten einzustellen. Schlechtwetter, konditionelle Überforderung, Sperrungen: Man sollte immer auch mit dem Worst Case rechnen und im Zweifel gelassen bleiben. Was nicht zu ändern ist, ist letztlich hinzunehmen.

Wir wünschen allen Alpenüberquerungs-Aspiranten eine erfolgreiche Vorbereitungszeit und unvergessliche Momente in den Bergen!

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