Hütten

5 Hütten für den herbstlichen Klettersteigausflug

Hütten-Tipps • 24. September 2020
von Barbara Ebner

Der Frühherbst ist eine gute Zeit, um sich einen Klettersteig vorzunehmen! Wir stellen euch 5 passende Hütten dazu vor. Vom Extremabenteuer bis zum Familienausflug, hier ist für jeden etwas dabei.

Die Tabarettahütte (2.556 m) in Südtirol
Foto: mauritius images/ Martin Braito
Die Tabarettahütte (2.556 m) in Südtirol

1. Coburger Hütte, 1.920 m

Tirol / Wettersteingebirge und Mieminger Kette

Coburger Hütte
Was für ein Postkartenidyll: Rund 250 m unterhalb der Coburger Hütte (1.920 m) liegt glasklar der Seebensee, in dem sich das Zugspitzmassiv spiegelt, welches gegenüber der Hütte thront. Dieser Anblick ist freilich nur einer von vielen Günden, den 1901 auf einem Sattel in der Mieminger Kette in Tirol eröffneten Stützpunkt zu Fuß oder mit dem Mountainbike zu besuchen. Umgeben ist er von den Gipfeln Sonnenspitze, Drachenkopf, Marienbergspitze, Grünstein, Tajakopf und den Griesspitzen. Etwas oberhalb der Hütte liegt nicht minder idyllisch der Drachensee, nur fünf Minuten entfernt der Klettergarten Coburger Hütte mit rund zehn Routen der Schwierigkeitsgrade 4 bis 6 lt. UIAA. Nochmals rund 20 Minuten weiter in Richtung Wandfuß des Drachenkopfs findet man den Klettergarten Colosseum mit fünf Routen der Schwierigkeiten 7 bis 9- laut UIAA. Aber nicht nur Kletterer, auch Bergsteiger, Wanderer und Skitourengeher genießen vielfältige Möglichkeiten. Die Hütte ist darüber hinaus Teil des Weitwanderwegs Via Alpina und des Adlerwegs, der durch ganz Tirol führt.
Geöffnet
Jun - Okt
Verpflegung
Bewirtschaftet

Die Coburger Hütte übt auf Klettersteig-Fans einen besonderen Reiz aus, dient sie doch als Stützpunkt für die sogenannte „Seebensee-Kombination“: 1.000 Hm Stahlseil, zwei Gipfel und abwechslungsreichstes Gelände aufgeteilt auf drei anspruchsvolle Klettersteige – Zutaten für ein perfektes Klettersteigwochenende.

Bereits im Aufstieg zur Hütte bezwingt man den Seeben-Klettersteig im Nahebereich des gleichnamigen Wasserfalls. Kurz nach dem Ausstieg erreicht man die Seebenalm und den malerischen Seebensee. Von dort steigt man auf dem Fußweg zur Coburger Hütte auf oder wendet sich direkt dem Einstieg des nächsten Klettersteigabschnittes zu – dem Klettersteig Tajakante. In wunderschöner Gratkletterei mit traumhafter Aussicht auf den glitzernden Drachensee erklimmt man den Vorderen Tajakopf. Wer dann immer noch nicht genug hat, kann den kurzen, aber fordernden Coburger-Klettersteig zum Hinteren Tajakopf anhängen. Von dort erfolgt der Abstieg über das Tajatörl zurück zur Coburger Hütte.

Alle drei Klettersteige können auch nur für sich geklettert oder bei der Kombination ausgelassen werden – so können Dauer und Schwierigkeit der Kletterei variiert werden.

2. Tabarettahütte, 2.556 m

Südtirol / Ortler-Alpen

Die Tabarettahütte im Ortlermassiv
Hütte • Trentino-Südtirol

Tabarettahütte (2.556 m)

Die Tabaretta-Hütte (2.556 m) ist eine private Schutzhütte in der Ortler-Gruppe in der Südtiroler Kulturregion Vinschgau. Sie befindet sich auf der Marltschneid auf dem Weg zum Ortler Normalweg, dem gängigsten Anstieg zum Ortler-Gipfel. Sie ist auf dem Weg nach oben die erste Station bevor es weiter zur Payer-Hütte geht und befindet sich in der Ostflanke des Tabarettakammes. Die Hütte ist deshalb ein Treffpunkt wandernder Menschen, die sich mit ihrer alpinen Höhe und Umgebung zufriedengeben und jenen Alpinisten, die sich höhere Ziele setzen, sich größeren Aufgaben und Herausforderungen stellen.
Geöffnet
Jun - Okt
Verpflegung
Bewirtschaftet

Ein wahres Abenteuer erwartet Ferratistinnen und Ferratisten an den steilen und schattigen Hängen der Ortler-Nordabbrüche. Bereits der Einstieg zum Tabaretta-Klettersteig wird von der Tabarettahütte (2.556 m) aus in einer halben Stunde über einen sehr schmalen, abenteuerlichen Steig erreicht.

Der Klettersteig selbst erfordert dann ein Höchstmaß an Kraft, Ausdauer und Geschicklichkeit. Immerhin gilt es eine 500 m hohe, glatte Felswand zu überwinden. Es wurden kaum Tritthilfen eingebaut, die luftigen Kanten, Steilpassagen und Quergänge sind großteils nur mit einem Stahlseil gesichert. Doch die Mühe lohnt sich: über den gesamten Klettersteig genießt man das großartige Panorama auf die berühmte Ortler-Nordwand. Nach ca. 2,5 Stunden Klettersteigerlebnis erreicht man den Ausstieg direkt bei der beeindruckend gelegenen Julius-Payer Hütte (3.029 m). Von dort führt der markierte Weg Nr. 4 wieder zurück zur Tabarettahütte.

3. Bettelwurfhütte, 2.077 m

Tirol / Karwendel

Bettelwurfhütte
Die Bettelwurfhütte (2.077 m) thront in exponierter Lage, wie ein Adlerhorst, in der Südflanke des Großen und Kleinen Bettelwurfs. Die Aussicht auf das Inntal ist atemberaubend. Hoch über dem Absamer Halltal liegt sie am Innsbrucker Höhenweg und ist Ausgangspunkt für schöne Wander- und Bergtouren in das Tiroler Karwendel Gebirge. Das 1894 erbaute Schutzhaus ist eines der ältesten Häuser im Karwendel. Auf einer Höhe von 2.077 m allerdings auch eine der höchst gelegenen Hütten in Tirol. Die Ausstattung des urigen Stützpunktes bietet alles, was der Besucher der Gegenwart so braucht. Während im Tal die Stadt Innsbruck und ihre Umgebung mit den Annehmlichkeiten der urbanen Welt aufwartet, geht es hoch oben am Berg auf der Hütte gemächlicher zu. Neben traumhaften Wanderungen und Bergtouren auf die umliegenden Gipfel und Almen wartet die einladende Terrasse der Hütte auf müde Wanderer. Hier genießt man nach einem Ausflug die frische Luft sowie die kulinarischen Spezialitäten der Hüttenwirte.
Geöffnet
Jun - Okt
Verpflegung
Bewirtschaftet

Die Bettelwurfhütte liegt hoch über dem Halltal und bietet eine fantastische Aussicht auf das Inntal und den Großraum Innsbruck – besonders in der Nacht, wenn man das glitzernde Lichtermeer von der Terrasse aus genießen kann. Außerdem bietet die Bettelwurfhütte kulinarische Highlights wie selbstgemachte Nudeln oder frisch gebackenes Brot. Klettersteigbegeisterte freut es, dass sich rund um die Bettelwurfhütte zwei großartige alpine Klettersteige befinden, die in Kombination bis auf die weithin sichtbaren Gipfel des großen und kleinen Bettelwurfs führen.

Im Aufstieg zieht sich der Absamer Klettersteig durch die atemberaubende Kulisse des Halltals mäßig schwer, dafür sehr lang in fast fünf Stunden auf die Bettelwurfhütte. Nach einer erholsamen Nacht und einem stärkenden Frühstück kann dann der zweite Teil, die Bettelwurfüberschreitung, in Angriff genommen werden. Teilweise sparsam versichert führt der alpine Klettersteig über eine Scharte auf den kleinen Bettelwurf (2.249 m) und weiter mit anspruchsvoller Kletterei auf den Gipfel des großen Bettelwurfs (2.725 m), wo das prächtige Gipfelpanorama genossen werden kann. Der Abstieg erfolgt auf dem – nicht zu unterschätzenden – Normalweg.

4. Reichenhaller Haus, 1.750 m

Bayern / Chiemgauer Alpen

Reichenhaller Haus
Oft kommt es zu Missverständnissen, aber: Beim Reichenhaller Haus und dem Staufenhaus handelt es sich um dasselbe Gebäude im Berchtesgadener Land. Knapp unter dem Gipfel des Hochstaufen gelegen, ist der Bau ein architektonisches Spektakel - es hat von Weiten den Anschein, als würde er an einer Felswand kleben. Gebaut wurde das Reichenhaller Haus von 1925 bis 1928, das heutige Gesicht bekam das höchst gelegene Schutzhaus in den Chiemgauer Alpen beim Großumbau 1974. Die benachbarte Staufenkapelle wurde 1929 geweiht. Von der Terrasse, auf der manchmal der Platz eng werden kann, haben Wanderer, Bergsteiger und erfahrene Kletterer einen fantastischen Blick auf Salzburg, die Berge des Salzkammerguts und die Berchtesgadener Alpen. Das Haus ist Stützpunkt für viele Bergtouren und Kletterrouten in der Staufengruppe – hervorzuheben sind der Staufengrat, die Route via Stoanerne Jaga , der Aufstieg ab Adlgass und auch der anspruchsvolle Pidinger Klettersteig. Für Familien mit Kindern ist das Reichenhaller Haus weniger gut geeignet.  
Geöffnet
Mai - Okt
Verpflegung
Bewirtschaftet

Das Reichenhaller Haus (1.750 m) liegt nur wenige Höhenmeter unterhalb des Gipfels des Hochstaufen und bietet wundervolle Fernsichten ins Voralpenland. Ein weiterer Pluspunkt ist die schnelle Erreichbarkeit sowohl von Salzburg als auch über die Autobahn von München.

Im Zustieg zieht der Pidinger Klettersteig über insgesamt 700 Höhenmeter bis direkt unter den Gipfel des Hochstaufens durch die steilen Felswände. Die vorbildlich gewählte Linie bietet abwechslungsreiches Klettersteiggelände und einen Notausstieg nach der Hälfte der Strecke. Der Abstieg vom Reichenhaller Haus erfolgt über den Normalweg vorbei an der Steiner-Alpe und der Mairalm zurück zum Parkplatz. Sehr konditionsstarke FerratistInnen machen die gesamte Tour im Auf- und Abstieg an einem Tag.

5. Lämmerenhütte, 2.502 m

Schweiz / Wallis / Berner Alpen

Lämmerenhütte
Hütte • Wallis

Lämmerenhütte (2.502 m)

Flankiert von mächtig aufragenden Felswänden der umliegenden Dreitausender, liegt die Lämmerenhütte, eine Berghütte der Sektion Angenstein des Schweizer Alpen-Clubs (SAC), in einer rauen, wild anmutenden Gebirgslandschaft in den Berner Alpen im Schweizer Kanton Wallis. Fels, Eis und Schnee dominieren hier die Szenerie und bieten eine breite Bühne für Kletterer, Hochtourenbegeisterte und Skitourengeher.  Auf der Zustiegsroute über den Gemmipass passieren Bergwanderer den Daubensee und den Lämmerensee am Lämmerenboden auf 2.296 m. Darüber, auf 2.507 m, thront die Lämmerenhütte. Die Hütte hat sich als ausgezeichneter Ausgangspunkt für Gipfel- und Hochtouren etabliert. Viele Touren führen Bergsteiger auf vergletscherte Gipfel über dreitausend Meter Seehöhe. Das Daubenhorn (2.941 m), das Schwarzhorn (3.104 m), das Schneehorn (3.178 m) und das Steghorn (3.146 m) sind beliebte Tourenziele. Der Wildstrubel ist, mit seinen drei Gipfeln über dreitausend Metern hier die bekannteste Gebirgsgruppe.  Die Wilden W – eine mehrtägige Skitour quer durch den attraktivsten Teil des Berner Oberlandes, führt über das Wildhorn und den Wildstrubel zur Lämmerenhütte als Etappenziel.  Rund um die Hütte finden Kletterer an die achtzig Kletterrouten mit Schwierigkeitsgraden von 3a bis 7b+, aufgeteilt auf sieben Sektoren.  Das alpine Dorado rund um die Lämmerenhütte, welches entsprechende, alpine Erfahrung voraussetzt, wird auch gern in Form von geführten Touren von Bergsteigern entdeckt. Christian Wäfler - Bergführer, Skilehrer und Hüttenwart der Lämmerenhütte, bietet eine breite Palette an geführten Touren in dieser Region an.  
Geöffnet
Feb - Okt
Verpflegung
Bewirtschaftet

Die Lämmerenhütte liegt inmitten der beeindruckenden Berg- und Gletscherkulisse der Berner Alpen. Einen besonders lohnenden und abenteuerlichen Zustieg bietet der Daubenhorn-Klettersteig von Leukerbad aus. Fast 1.000 Hm im teils überhängenden, extrem fordernden Gelände und über diverse Leitern sind zu meistern. Nach fast sechs Stunden konditionell anspruchsvoller Kletterei hat man schließlich nicht nur einen der schwersten Klettersteige der Schweiz bezwungen, sondern steht auch auf dem atemberaubenden Gipfel des Daubenhorn (2.972 m).

Vom Gipfel links haltend über den weiß-blau-weiß markierten Weg erreicht man im Abstieg den Lämmerenboden mit der Lämmerenhütte und freut sich auf eine gemütliche Einkehr.

Wem der beschriebene Zustieg zu lang oder zu schwer erscheint, kann den Gipfel auch über den „kleinen Klettersteig“ erreichen. Diese Variante bietet ca. 320 Hm in meist mittelschwerer Kletterei – doch Vorsicht: auch hier gilt es eine C/D-Stelle zu überwinden.

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